Zeitung Heute : Deutlich zu kalt

FRANK NOACK

"The way we are", eine Plattform für SchauspielernachwuchsEin merkwürdiger Film.Er ist durchweg unterhaltsam, manchmal sogar aufregend - trotzdem stellt sich am Ende die Frage nach seiner Notwendigkeit.Eine Botschaft, eine einleuchtende Schlußpointe läßt sich nicht ausmachen; "The way we are" wurde offenbar nur gedreht, um talentierten Schauspielernachwuchs vorzustellen.Drehbuchautor und Regisseur Josef Rusnak hat Arthur Schnitzlers "Reigen" in das Los Angeles der neunziger Jahre verlegt und erzählt Geschichten voller Liebe und Gewalt, zwischen denen jeweils eine Person als Bindeglied fungiert. Die ersten zwei Episoden enthalten noch so etwas wie eine Aussage.Sie lautet: Männer sind Schweine, aber das Leben geht weiter.Angel, der schwarze Ganove mit dem freundlichen Babygesicht, schlägt eine Prostituierte zu Boden; seine Freundin Julie wiederum, die als Kellnerin arbeitet, rettet einem Yuppie das Leben und wird anschließend von ihm vergewaltigt.In den darauffolgenden Episoden geht es nicht mehr um offene Gewalt, sondern um Gefühlskälte, und am Ende ist dann sogar menschliche Wärme zu erleben. "Kaltes Fieber" heißt der Film, mit dem sich Josef Rusnak 1984 als hoffnungsvoller Regie-Nachwuchs vorgestellt hatte, um für ein Jahrzehnt zu verschwinden - und "Kaltes Fieber" könnte auch dieser Comeback-Film heißen, den Dietrich Lohmann in kühlen, blaustichigen Bildern fotografiert hat.Leidenschaft und Kälte gehen nahtlos ineinander über, die Gefühle der Personen sind unberechenbar.Daß ein halbes Dutzend Kinder und Geschwister von Berühmtheiten mitwirkt, erscheint zunächst wie ein Werbegag, aber die Leistungen sprechen für sich.Besonders eindrucksvoll: Natasha Gregson Wagner, die ihrer Mutter Natalie Wood verblüffend ähnelt und es sichtlich genießt, die einzige starke, unabhängige Frau im Ensemble zu sein.Talentsucher kommen auf ihre Kosten.FRANK NOACKIm Babylon (OV), Filmbühne Wien, Filmtheater am Friedrichshain, Rollberg

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