Deutsch-Australisches Innovationsforum : Auf schnellem Weg von der Idee zur Anwendung

Erfindungen, die an australischen Unis gelingen, werden rasch vermarktet.

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In der Hand. Mit „LiquidKeyboard“ sollen Nutzer wesentlich schneller und ergonomischer auf Tablet-Computern schreiben können als bisher.
In der Hand. Mit „LiquidKeyboard“ sollen Nutzer wesentlich schneller und ergonomischer auf Tablet-Computern schreiben können als...Foto: LiquidKeyboard

Crocodile Dundee zählt zu den bekanntesten „Botschaftern“ des fünften Kontinents – und ist als solcher eine Katastrophe. Der Filmheld vermittelt den Eindruck, die Mehrzahl der Australier lebt irgendwo im Outback und löst Probleme am liebsten mit einem großen Buschmesser. Tatsächlich wohnt die Mehrheit in modernen Städten, verfügt das gesamte Land über ein sehr gutes Bildungssystem und spielt in Forschung und Technik ganz vorn mit. Darum wird es auch beim Deutsch-Australischen Innovationsforum gehen, das am 24. Januar in Frankfurt/Main stattfindet.

Die Verbindung um die halbe Welt ist für beide Länder attraktiv. Australien bietet Spitzeninstitute und ist nicht zuletzt ein Trittstein in die Märkte Asiens; zu Ländern wie Indonesien oder Indien hat Australien intensive Beziehungen, von denen auch europäische Firmen profitieren können, sagt der renommierte Innovationsforscher Göran Roos, der zurzeit den wirtschaftlichen Wandel in Adelaide erforscht. „Auf der anderen Seite verfügt Deutschland über eine exzellente Industriestruktur.“ 70 bis 80 Prozent der Weltmarktführer in ihrem jeweiligen Gebiet seien deutsche Firmen. „Kooperationen mit Deutschland sind der Schlüssel, um in Europa Fuß zu fassen – und darüber hinaus.“

Diesen Weg suchen etliche australische Projekte, die auf dem Innovationsforum vertreten sind. Dazu gehört etwa „LiquidKeyboard“, das genau genommen bereits eine deutsch-australische Kooperation ist. Die beiden Informatiker Christian Sax und Hannes Lau waren nach down under gegangen und lernten sich dort beim Klettern kennen. „Irgendwann kam uns die Idee, eine neue Tastatur für Touchgeräte wie das iPad zu entwickeln“, erinnert sich Hannes Lau. Mit den angedeuteten Tasten auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm lasse sich bei weitem nicht so schnell schreiben wie auf einer fühlbaren Tastatur, die auf den meisten Schreibtischen zu finden ist. „Das führt dazu, dass Geräte wie das iPad kaum als vollwertiges Arbeitsmittel genutzt werden.“

Das wollten die beiden Deutschen ändern und entwickelten an der Universität Sydney LiquidKeyboard. Ergonomisch sollte es sein und dem Nutzer erlauben, auch blind darauf zu tippen. Das funktioniert folgendermaßen: Der Nutzer legt die Finger auf den Touchscreen und die Software erkennt die Position aller Fingerkuppen. Daraufhin bietet sie in der Nähe jedes Fingers die typischen Buchstaben an. Ums „F“ zum Beispiel sind R, T, G, B und V gruppiert, die sich antippen lassen. Der Abstand der angedeuteten Tasten kann individuell verändert werden. „Wird etwa das ’T’ immer zu großzügig angesteuert, wird der Buchstabe entsprechend verschoben“, erläutert Lau. Es gibt noch weitere Besonderheiten, die unter anderem vermeiden, dass versehentlich gedrückte Tastenfelder einen Buchstaben generieren.

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