Zeitung Heute : Deutsch

Susanna Nieder

Man muss nicht immer reden, um sich verständlich zu machen. Wenn ihr jemandem eins über die Rübe gebt, wird er schon kapieren, dass ihr was gegen ihn habt. Oder wenn ihr ihm einen Kuss auf die Backe drückt, dass ihr ihn mögt. Aber oft sind die Dinge kniffliger. Da ist es nützlich, wenn man mit Sprache umgehen kann. In der Ausstellung "Herzliche Grüße" könnt ihr sehen, was man mit Deutsch alles machen kann. Lest zum Beispiel mal diesen Satz: "Alle necken Ella". Fällt euch was auf? Dann lest mal von hinten, Buchstabe für Buchstabe. Ihr werdet sehen, dass vorwärts und rückwärts genau dasselbe rauskommt. Oder ihr übt Zungenbrecher. "Klitzekleine Kinder können keine kleinen Kirschkerne knacken" geht ja noch. Aber kriegt ihr das hin: "Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid"?

Ihr könnt euch auch "Max und Moritz" in allen deutschen Dialekten anhören, von Bayrisch im Süden bis Plattdeutsch im Norden. Es gibt Comics, Ausschnitte aus deutschen Filmen, Videoclips und Spielinseln, auf denen ihr selbst mit Sprache herumspielen dürft. Ein bisschen wird unsere Sprache auch erklärt. Viele finden nämlich, dass Deutsch schwer ist. Heißt es der Apfel, das Apfel oder die Apfel? Und wenn ich hineinbeiße, warum muss ich dann sagen: "Ich beiße in den Apfel" und nicht: "Ich beiße in der Apfel"? Die meisten, deren Muttersprache Deutsch ist, leben in Deutschland, Österreich und der Schweiz - insgesamt ungefähr 90 Millionen. Eine Weltsprache haben wir damit nicht. Englisch, Spanisch oder Chinesisch sprechen viel mehr Menschen von klein auf. Eigentlich ist die Ausstellung für Leute gedacht, die Deutsch erst lernen müssen. Trotzdem gibt es dort auch für Kinder (etwa ab zehn), die hier aufwachsen, viel zu sehen und zu hören. Organisiert hat sie das Goethe-Institut, das in vielen Ländern der Welt versucht, den Menschen zu zeigen, wie wir hier leben, was wir gerne machen, wie wir so sind. Das weiß schließlich in Indien, Venezuela oder Rumänien nicht jeder - genau so wenig, wie wir wissen, wie die Menschen dort leben.

Aber wenn jemand einen schönen deutschen Film gesehen hat oder ihm die Fantastischen Vier gefallen, kriegt er vielleicht Lust, Deutsch zu lernen. Auch das kann er beim Goethe-Institut. In einem davon bin ich übrigens aufgewachsen. Die Studenten kamen von überall her, ihr Deutsch klang oft sehr seltsam, und manche schenkten uns Kindern kleine Papierpüppchen aus Japan, Tonkuckucks aus Finnland oder Holzfiguren aus Afrika. So bekamen wir ein ganz kleines Stückchen von ihrem Leben zu sehen. In der Ausstellung "Herzliche Grüße" wird ein Stück von unserem Leben gezeigt. Da können selbst wir noch Neues erfahren.

Was viele über uns denken:

Deutsche...

...verstehen keinen Spaß
...haben viereckige Köpfe
...führen gerne Krieg
...wollen immer Recht haben
...tragen Lederhosen
...trinken pausenlos Bier
...werden leicht wütend
...essen täglich Sauerkraut, Brezeln und Bratwurst.

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