Deutsche Bank : Wie viel Victory steckt noch in Ackermann?
30.03.2008 00:00 Uhr
WIE VIEL VICTORY STECKT NOCH IN JOSEF ACKERMANN?
Nicht mehr viel – wenn überhaupt jemals etwas davon in ihm steckte. Es gibt zwei Geschichten zu jener fatalen Geste, mit der Josef Ackermann den Prozessauftakt im Mannesmann-Verfahren und danach auch die gesamte öffentliche Stimmung gegenüber Topmanagern prägte. Die eine Geschichte ist die, welche die Öffentlichkeit wahrgenommen hat: Josef Ackermann, angeklagt wegen der eiligst vereinbarten Millionenabfindungen für das alte Management nach der Übernahme durch die britische Telefongesellschaft Vodafone, erscheint vor Gericht und präsentiert das Victory-Zeichen.
Ein Zeichen der bodenlosen Arroganz des globalen Managements gegenüber den lokalen Gerichten, gegenüber der Gesellschaft. Sie passt zu weiteren unglücklichen Auftritten jener Zeit: Ackermann verkündet beispielsweise einen Rekordgewinn für sein Haus und sagt gleichzeitig, die Deutsche Bank müsse sich von Tausenden ihrer Mitarbeiter trennen.
Die andere Geschichte geht so: Ackermann erscheint im Gerichtssaal, unterhält sich mit dem früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser über den Popstar Michael Jackson. Dem wird gleichzeitig in den USA der Prozess gemacht. Ackermann sagt amüsiert zu Esser, so blöd müsse einer sein, so wie Jackson vor Gericht mit dem Victory-Zeichen zu erscheinen. Ackermann wird fotografiert, als er die Geschichte erzählt.
So oder so: Die Geste hat den Prozess geprägt, sie bestimmt bis heute einen guten Teil der öffentlichen Meinung über Ackermann. Heute ist Ackermann gegenüber der Öffentlichkeit vorsichtiger und misstrauischer. Wie man mit ihm umgegangen ist in dem Prozess, das hat ihn vom ersten bis zum letzten Tag gekränkt. Deutschland sei das einzige Land der Welt, in dem diejenigen vor Gericht gestellt würden, die für Wachstum und Wohlstand sorgten, hat er einmal verbittert gesagt. Versöhnt hat den Sohn eines Schweizer Arztes ein bisschen, dass Deutschland in den vergangenen Jahren zunehmend seine Leistungen respektiert, sein Urteil sucht und seine Offenheit schätzt. Verändert hat sich seine grundsätzliche Haltung zu Deutschland. War er bei seinem Amtsantritt als Chef im Jahr 2002 davon überzeugt, dass das Herz der Deutschen Bank längst in London schlage, so findet er heute, dass eine große und gesunde Bank mit Weltgeltung auch eine gute Position auf ihrem Heimatmarkt braucht.
WIE POLITISCH IST ER?
Josef Ackermann gehört zu den Managern, die immer kosmopolitisch waren und im Lauf ihrer Karriere immer politischer geworden sind – vor allem, weil sie erkannt haben, dass der Markt alleine die Welt nicht oder wenigstens nicht gut regeln kann. Schon gar nicht, wenn es wirklich ernst wird an den Finanzmärkten, wie zurzeit. Da verlangt Ackermann mehr Sensibilität auf der politischen Seite, auch mehr Hilfe. Die jüngsten Anmerkungen, die Selbstheilungskräfte der Märkte reichten nicht mehr aus, die Welt brauche einen „Rat der Weisen“, um transnationale Probleme wie die Finanzkrise klug, koordiniert und schnell in den Griff zu bekommen, darf man durchaus als Initiativbewerbung lesen: Ackermann wird im Jahr 2010 den Chefposten bei der Deutschen Bank aufgeben. Danach könne er sich gut vorstellen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben für die Chancen, die sie ihm geboten hat, sagt er.
Er trifft die Kanzlerin, den Finanzminister, den Außenminister, er ist auch bei den meisten anderen Staatschefs und Finanzministern der Welt bekannt. Auch in der Regierungszeit Schröders war Ackermann ein gern gesehener und gehörter Gesprächspartner in Berlin. Ausgenommen davon war die Zeit, in der er in Düsseldorf vor Gericht stand – da wollten sich die Politiker nicht gern mit ihm sehen lassen. Und dann die Phase, als die Regierung Schröder ausplauderte, dass man der Deutschen Bank die Postbank angedient habe. Der Handel kam auch wegen der Indiskretionen nicht zustande, das Vertrauen Ackermanns in die Verlässlichkeit und Verschwiegenheit der Politik war ziemlich erschüttert. Was ihn nach der Bundestagswahl 2002 aber nicht daran hinderte, den früheren Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser als Berater anzuheuern.
WELCHEN ANTEIL HAT ACKERMANN AM ERFOLG DER DEUTSCHEN BANK?
Wenn man den Erfolg eines einzelnen Managers am Gehalt misst, dann ist Ackermanns Anteil am Erfolg der Bank nicht einmal der bedeutendste. Die Investmentbanker der Deutschen Bank in London verdienen mehr als die 14 Millionen Euro, mit denen Ackermann im vergangenen Jahr nach Hause ging. Wenn man aber den Erfolg der Bank und ihr Profil betrachtet, dann hat Ackermann sicher den größten Anteil daran, dass die Bank heute das ist, was sie ist: eine der profitabelsten Geschäftsbanken der Welt, nicht mal unter den zehn größten, aber sicher eine der zehn wichtigsten Banken der Welt. Die Tatsache, dass sich die wichtigsten Banker der Welt Anfang April in Frankfurt treffen, um gemeinsam zu überlegen, was gegen die Finanzkrise zu tun ist, unterstreicht das. Das Strategiepapier, das anschließend verabschiedet werden soll, wird nicht nur die Unterschrift, sondern vermutlich auch die Handschrift des Bankers tragen. Ackermann hat auch seinen persönlichen Einfluss in der Bank ausgedehnt: Er hat die Bank von einem Haus, in dem der Vorstandssprecher nur der Erste unter Gleichen war, zu einem Haus mit nur einem Chef gemacht. Mit einer angestrebten Eigenkapitalrendite von mindestens 25 Prozent hat er eine Latte aufgelegt, die keine Sentimentalität duldet. Das gilt für das Privatkundengeschäft, das er beherzt wieder in das Kerngeschäft der Bank zurückholte, nachdem er allerdings auch den Beschluss mitgetragen hatte, es erst mal in der Deutschen Bank 24 auszugliedern. Das gilt aber auch für die selbstbewussten Londoner Investmentbanker, deren Einfluss er zur Überraschung vieler beschränkte. Haben die London Guys in den Anfangsjahren nicht nur den Sprecher der Deutschen Bank (mit Sitz in London) gestellt, sondern auch unter Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer noch das Zusammengehen zwischen Deutscher und Dresdner Bank erfolgreich hintertrieben, sind sie heute deutlich kleinlauter. Was aber nicht heißt, dass sie keine Ambitionen haben. Bei der Deutschen Bank wird intern zurzeit gewettet, ob Ackermann seine letzten beiden Amtsjahre nutzen wird, um die Postbank und möglicherweise noch eine der deutschen Geschäftsbanken zu schlucken. Tut er das, wäre es ein deutliches Zeichen für die „Deutschen“ in der Deutschen Bank. Macht die Deutsche Bank kein Gebot, wird die Ära nach Ackermann vermutlich eher von den Londonern geprägt.
WELCHER MANAGERTYP IST ER?
Ackermann will Verantwortung, und er will sie ganz. Wer das akzeptiert, kann gut mit ihm zusammenarbeiten, sagen Insider. Ackermann sei einer, der die Ärmel aufkrempelt und die Krawatte ablegen kann. Er liebt Musik, geht in London und New York auch schon mal inkognito in Konzerte. So etwas sei in den Twin Towers der Deutschen Bank in Frankfurt mehr als unüblich. Da sind Vorstandsbüros noch kleine Kathedralen, Konzerte besucht man nicht, man kauft die Vorstellung. Auch das sei einer der Gründe gewesen, warum es Ackermann anfangs immer wieder nach London gezogen habe. In London und New York habe „Joe“ Josef Ackerman so arbeiten können, wie es zu ihm passt. Inzwischen fremdeln die Bank und der Banker nicht mehr so sehr. Die Bank hat sich ein bisschen angepasst.








