Zeitung Heute : "Deutsche Fans, seid nicht traurig"

US-Kapitän Dooley: "Können 0:5 verlieren oder 1:0 gewinnen"

TAGESSPIEGEL: Herr Dooley, Sie sind in Deutschland geboren.Mit welchen Emotionen gehen Sie ins erste Spiel?

DOOLEY: Gerade für mich ist das natürlich ein Riesenerlebnis.Auch die anderen freuen sich auf die Deutschen.Es sind einige Spieler dabei, die schon in Deutschland gespielt haben und einige, die dort spielen möchten.Deshalb sind wir auf die Partie ganz besonders heiß.

TAGESSPIEGEL: Welche Chancen sehen Sie gegen das Team von Berti Vogts?

DOOLEY: Die Amerikaner denken immer unheimlich positiv und können daher alles erreichen.Wir haben vor niemandem Angst und rechnen uns immer eine Chance aus.Man muß aber realistisch sehen, daß Deutschland stärker ist als wir.

TAGESSPIEGEL: Was imponiert Ihnen am meisten am DFB-Team?

DOOLEY: Die deutsche Mannschaft ist vom ersten bis zum letzten Spieler hervorragend besetzt.Die Tagesform wird entscheidend sein, wie wir uns gegen den Favoriten aus der Affäre ziehen.Wir können 0:5 verlieren oder 1:0 gewinnen.Die Deutschen starten bei einer WM immer ein bißchen langsam.Dort sehen wir unsere Chance.

TAGESSPIEGEL: Wo liegen die Stärken beim US-Team?

DOOLEY: Wir können jede andere Mannschaft schlagen, wenn alles stimmt.Jeder muß 110 Prozent bringen.Durch unseren guten Teamgeist sind wir für jede Überraschung gut.Das zeichnet uns aus.

TAGESSPIEGEL: Welche Ziele haben die USA in Frankreich?

DOOLEY: Wir wollen natürlich in die nächste Runde kommen, aber unsere Gruppe ist wesentlich stärker als 1994.Wir sind der totale Außenseiter und wollen Erfahrung sammeln und für die eine oder andere Überraschung sorgen.Wenn wir die zweite Runde erreichen sollten, dann ist das so, als wenn Deutschland ins Endspiel kommt.

TAGESSPIEGEL: Ist das Team weiter als vor vier Jahren bei den WM in den USA?

DOOLEY: Mit Sicherheit spielen wir besseren Fußball.Die Profiliga ist für uns sehr wichtig gewesen, damit die Spieler mehr Erfahrung sammeln.Und die Major League Soccer läuft auch sehr gut.

TAGESSPIEGEL: Hat denn Profi-Fußball in den USA eine Zukunft?

DOOLEY: Ich war von Anfang an überzeugt, daß die Liga funktionieren wird.Man sieht, daß Stufe für Stufe erklommen wird.Wir stehen jeden Tag in den Zeitungen und die Liga hat einen Vertrag mit ABC und ESPN unterzeichnet.Zum ersten Mal zahlen Fernseh-Anstalten für Fußball in den USA Geld.Die haben den Trend erkannt und sehen, daß im Soccer etwas passiert.

TAGESSPIEGEL: Aber die Zuschauerzahlen gingen zurück...

DOOLEY: Das stimmt.Leider ist in diesem Jahr von offizieller Seite die Werbung für die Liga eingestellt worden.Man dachte nach dem Erfolg im ersten Jahr wäre dies nicht mehr nötig.In der nächsten Saison wird es wieder aufwärts gehen.Und wenn wir bei der WM gut abschneiden, gibt das sowieso einen enormen Schub.

TAGESSPIEGEL: Wie ist es denn um den Stellenwert von Soccer in den USA bestellt?

DOOLEY: Es geht stetig aufwärts.Mittlerweile wird man als Spieler auch im Supermarkt von fremden Leuten erkannt.Das war 1994 überhaupt nicht der Fall.Das ist ein Zeichen dafür, daß Fußball "in" ist.

TAGESSPIEGEL: Was haben Sie sich für die WM vorgenommen?

DOOLEY: Ich bin jetzt 37 Jahre alt, da gibt es nicht mehr allzuviele Fußballer, die gerade bei einer WM noch auf dem Platz herumlaufen.In Frankreich möchte ich mich noch einmal von meiner besten Seite zeigen.Danach ist endgültig mit dem Nationalteam Schluß.

TAGESSPIEGEL: Sie haben lange in Deutschland gespielt.Ihre Botschaft an die Fans?

DOOLEY: Die deutschen Anhänger sollen nicht traurig sein, wenn ihre Nationalelf das erste Spiel verliert.Das tut mir dann leid.

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