Zeitung Heute : Deutschland – Argentinien

Viertelfinale, Olympiastadion Berlin 17.00 Uhr, live in der ARD und bei Premiere

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Die Wirrnis ist umfassend, denn schleichend ist sie in den vergangenen Wochen dahingeschieden, die bequeme Gewissheit, dass ein Fußballspiel Deutschland gegen Argentinien bei dieser WM nur einen Sieger haben kann: Argentinien.

Inzwischen sind sich selbst höchste Instanzen des argentinischen Fußballs dessen nicht mehr sicher, zumindest geht das aus ihren öffentlichen Aussagen nicht hervor. Es werde ein ganz knappes Spiel mit offenem Ausgang, prophezeit Diego Maradona, der hier der Einfachheit halber Fußballgott genannt sein soll. Auch Carlos Bilardo, der Argentinien 1986 als Trainer zum letzten WM-Titel führte, sagt: „Es ist schwierig, von Favoriten zu sprechen.“ Es passt ins Bild, dass auch die Statistik bei der Suche nach einem Favoriten wenig nutzt. Argentinien gewann das Endspiel 1986, die Deutschen revanchierten sich vier Jahre später in Italien. Die beiden letzten Vergleiche im vergangenen Jahr endeten jeweils remis.

Die Spieler auf beiden Seiten haben, um dieses Dilemma so aufzulösen, eine Formel von fast schon zeitloser Schönheit gefunden: Klarer Favorit ist der Gegner, gewinnen aber werden wir. Die Logik mag etwas verdreht erscheinen, doch derlei ist vor solch wichtigen Spielen durchaus Usus. Zu den Gepflogenheiten gehört zudem, dass die beiden Trainer von großer Wertschätzung für den Gegner schalmeien. Dieses Mal allerdings darf man die Lobgesänge ernst nehmen. Denn beide Mannschaften gaben die bislang überzeugendsten Vorstellungen dieses Turniers. Viele Experten sprechen daher von einem verfrühten Endspiel.

Den alles überragenden Spieler jedoch gab es bisher auf beiden Seiten nicht. Auch deshalb teilt Bilardo nicht die Einschätzung etlicher Fachleute, nur vier Beine würden darüber entscheiden, wer gewinnt. „Ballack oder Riquelme werden den Rhythmus bestimmen“, sagt Bilardo. Entscheiden aber würden andere. Die Stürmer Crespo und Saviola oder Klose und Podolski etwa. Oder deren Gegenspieler: Mertesacker und Metzelder beziehungsweise Heinze und Ayala.

Beide Trainer können ihre beste Elf aufbieten. Pekermans Defensivmann Burdisso hat sich gesund gemeldet. Auch die zuletzt leicht angeschlagenen Deutschen Ballack und Klose sind laut Trainerstab wieder fit. Wichtig, darin sind sich beide Trainer einig, ist heute die körperliche Verfassung. Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat daher in den vergangenen Tagen die Trainingsintensität noch einmal erhöht.

Javier Saviola sagt daher: Wenige, kleine Fehler würden den Ausschlag geben. Vermutlich ist das die einzig sichere Prognose.

Schiedsrichter: Lubos Michel (Slowakei)

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