Zeitung Heute : Deutschland "fit fürs Informations-Zeitalter"

DANIEL WETZEL

BERLIN .Ungewohnte Töne aus der Wirtschaft: Die deutsche Hightech-Industrie ist mit den politischen Rahmenbedingungen ausnahmsweise mal zufrieden."Der Standort Deutschland ist eindeutig auf der Überholspur", versicherte IBM-Deutschland-Chef Hermann-Josef Lamberti, stellvertretend für elf Top-Manager auf einem Empfang im Schloß Bellevue.Bundespräsident Roman Herzog hatte die Spitzenvertreter der deutschen Informationstechnik-Branche eingeladen, um die Initiative "Fit fürs Informationszeitalter" zu starten.

"Wer die Chancen des Computerzeitalters nutzen will, darf nicht an überholten Bildungsinhalten und unzeitgemäßen Ansprüchen festhalten", begründete der Bundespräsident nach einem mehrstündigen Gespräch mit den Unternehmern die Initiative.Die Vorstandsvorsitzenden von Telekom, debis, SAP, IBM und anderen Markführern überzeugten Herzog, daß die politischen Rahmenbedingungen für ein rasches Wachstum der IT-Branche gut seinen.Nachholbedarf gebe es aber bei den Bildungsträgern."Ich habe den Eindruck, daß Lehrerinnen und Lehrer Multimedia und Internet skeptisch, ja oft abweisend gegenüberstehen", klagte Marco Börries, Chef der Hamburger Software-Schmiede Stardivision und Sprecher der Initiative.Die Nachwuchs-Probleme entwickelten sich zu einem "ernstzunehmenden Engpaß".

Mit "Fit fürs Informationszeitalter" wollen die Unternehmen die gesellschaftliche Akzeptanz der Informationstechnik erhöhen.So wollen Siemens und IBM Lehrern eine Multimedia-Fortbildung anbieten.SAP stellt Universitäten 170 Kopien des Software-Pakets R/3 kostenlos zur Verfügung.Zudem wird die Einrichtung von vier Lehrstühlen für Gründungs- und Innovationsmanagement gefördert.Die Telekom bildet Jugendliche ohne Ausbildungsplatz in Informationstechnik fort.Otelo will im Osten Berlins 5000 Haushalte zu einem "sozialverträglichen Preis" mit leistungsfähigen Internet-Anschlüssen ausstatten.

Für den Gründer des ostdeutschen Börsenneulings Intershop, Stephan Schambach, hat Deutschland "bei den politischen Rahmenbedingungen keinen Standortnachteil mehr." Im Gegenteil: "Ich wundere mich, daß es hier noch nicht richtig abgegangen ist." Nur die Universitäten müßten noch mehr tun, um up-to-date zu bleiben: "Das Studium ist zu lang, die Lehrpläne veraltet", kritisierte Schambach.Auch IBM-Chef Lamberti sieht in der Politik "keine Knackpunkte" mehr.Allenfalls die Arbeitszeiten müßten flexibler werden: "Wir können die Herausforderungen nicht mit einer Stempeluhr-Mentalität angehen."

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