Zeitung Heute : Deutschland hat viel Energie
31.10.2006 00:00 UhrSonne und Wind sind die Zukunft. Ebenso Wasserkraft, Erdwärme, Biomasse, Biogas und Biotreibstoffe: „Saubere“, erneuerbare Energie wird immer wichtiger für Energiemärkte und Wirtschaft. 2005 wurden in Deutschland 62,4 Milliarden Kilowattstunden Strom aus regenerativen Ressourcen erzeugt. Das sind mehr als zehn Prozent des Gesamtverbrauchs. Im Jahr 2000 lag dieser Wert bei nur sechs Prozent.
Bis 2020 sollen nach dem Willen des Gesetzgebers mindestens 20 Prozent der Stromversorgung in Deutschland aus erneuerbaren Quellen gespeist werden. Experten rechnen sogar mit 25 bis 35 Prozent. Damit würden erneuerbare Energien mit der Kernenergie mindestens gleichziehen: Sie deckt 26 Prozent des Energieverbrauchs.
Einige sprechen sogar davon, der Anteil regenerativer Energien an der Stromproduktion ließe sich schon bis 2012 verdoppeln. Auch wirtschaftlich sehe die Lage sehr gut aus, sagt Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie. Kein Energiesektor wachse zurzeit derart schnell, stimmt Björn Pieprzyk von der „Informationskampagne Erneuerbare Energie“ zu.
Deutsche Unternehmen setzten mit regenerativen Energien im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 16 Milliarden Euro um – davon neun Milliarden Euro mit dem Verkauf von Anlagen zur Nutzung der erneuerbaren Energien. Vier der neun Milliarden stammen aus dem Export. „Deutschland ist bei den erneuerbaren Energien mit deutlichem Abstand Weltmarktführer“, sagt Lackmann. Bis 2020 sollen sich die vier Milliarden vervielfachen: Ein Exportvolumen von mindestens 50 Milliarden Euro erhofft sich der Bundesverband Erneuerbare Energie. Dann hätte die Branche den Abstand zur Automobilindustrie aufgeholt.
Und welche der regenerativen Ressourcen liegt vorne? Eindeutig der Wind. Sowohl beim Export – mit einem Umsatz von 2,9 Milliarden Euro – als auch bei der Stromproduktion (26,5 Milliarden Kilowattstunden). Auf Platz zwei der Stromproduktion liegt die Wasserkraft (21,5 Milliarden Kilowattstunden) gefolgt von Biomasse (13,4 Milliarden Kilowattstunden). Diese macht nur einen Teil dessen aus, was man als Bio-Energie bezeichnet. Dazu gehören auch noch Biogas, Biokraftstoffe und Holz. Die Solarstromproduktion verdoppelte sich im vergangenen Jahr auf rund eine Milliarde Kilowattstunden.
Beim Export von Anlagen sind alle Sparten außer dem Wind gleichwertig vertreten: Für jede wird ein Exportumsatz von einer halben Milliarde Euro geschätzt. Schlusslicht bei allen Vergleichen ist die Erdwärme oder Geothermie. Spezielle Turbinen, mit denen Strom aus Geothermie erzeugt wird, seien jedoch ein deutscher Exportschlager, sagt Lackmann (siehe nebenstehenden Kasten).
Bei der Windenergie lassen sich besonders große Anlagen gut ins Ausland verkaufen, sagt Lackmann, „im Sechs-Megawatt-Bereich, richtige Kraftwerke“. Beim Export von Biodiesel-Anlagen machten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr 80 bis 90 Prozent des Weltumsatzes, schätzt Pieprzyk. Tendenz steigend.
Auch die deutschen solarthermischen Kraftwerke zur Nutzung von Sonnenwärme sind überall begehrt. In der Solarbranche boomt aber auch das Geschäft mit Photovoltaik. Mittels dieser Technik werden die Sonnenstrahlen in Strom verwandelt. Die Unternehmen, die Solaranlagen herstellen, verzeichneten 2005 einen Umsatzzuwachs von bis zu 30 Prozent. Durch den Boom wurde in der zweiten Jahreshälfte der Rohstoff Silizium für die Herstellung der Solarzellen knapp. Deshalb wurden jetzt Solarmodule ohne Silizium entwickelt. Die Firma Würth Solar in Schwäbisch Hall hat am vergangenen Freitag die weltweit erste Großserienproduktion der neuen Module aufgenommen. 200 000 will das Unternehmen jährlich produzieren. Denn der Markt für Solaranlagen wächst – im Ausland noch schneller als im Inland. Noch wird in dieser Sparte hierzulande genauso viel importiert wie exportiert. Doch bei der Wasserkraft sieht es bereits anders aus: Fast die gesamte deutsche Produktion von Anlagen wird exportiert. Zum Beispiel nach China.
Die Entwicklung hin zur „sauberen Energie“ zeitigt schon heute positive Folgen in Deutschland: 2005 wurden neun Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid als im Vorjahr in die Atmosphäre geschickt. Das Klima dankt.








