DEZENTRALE SPEICHER UND INTELLIGENTES NETZ : DEZENTRALE SPEICHER UND INTELLIGENTES NETZ

Als ausgelagerte Energiespeicher bieten sich Akkus von Elektroautos an. Foto: ddp
Als ausgelagerte Energiespeicher bieten sich Akkus von Elektroautos an. Foto: ddpFoto: ddp

Heute und wohl auch in einiger Zukunft sind Akkumulatoren einfach zu teuer, um in ihnen momentan überschüssigen Strom für eine spätere Verwendung zu speichern. Zumindest gilt das für Akkus, die eigens für diesen Zweck angeschafft werden.

Ganz anders sieht die Situation aus, wenn Akkumulatoren ohnehin da sind, weil sie zum Beispiel den Strom für den Elektroantrieb eines Autos speichern. Fahren erst einmal ein paar Millionen solcher Elektromobile auf den Straßen eines Landes, können deren Akkus nachts in der Garage geladen werden, wenn Windkraftwerke mehr Strom liefern, als momentan gebraucht wird. Am Morgen fährt der Besitzer dann mit dem Elektromobil zur Arbeit und stellt es auf einem Parkplatz mit Stromanschluss ab. Tagsüber speisen die Autobatterien dann in Spitzenzeiten oder eben bei Flauten den dringend benötigten Strom ins Netz. Damit für die Fahrt nach der Arbeit nach Hause noch genug Saft in der Batterie ist, kann ein minimaler Ladezustand eingestellt werden, der nicht unterschritten werden darf.

Weil die teuren Akkus durch häufigeres Laden und Entladen auch schneller altern, erhalten die Teilnehmer an einem solchen Verbund einen kräftigen Rabatt auf den Strompreis. Erste Studien für diesen Verbund laufen bereits. Bis genug Elektromobile auf den Straßen rollen, können zum Beispiel auch Wärmepumpen oder Waschmaschinen und Trockner so gesteuert werden, dass sie vor allem in Schwachlastzeiten Strom ziehen, in Spitzenzeiten könnten dann Blockheizkraftwerke in Mehrfamilienhäusern zusätzliche Elektrizität liefern.

Diese Idee ist gar nicht so neu: Schon vor Jahrzehnten boten Stromversorger an, in Zeiten mit niedrigem Verbrauch weniger für die Kilowattstunde zu bezahlen. Allerdings wurden die Zeiten vorher zum Beispiel auf 22 bis sechs Uhr starr festgelegt, zu denen eine Zeitschaltuhr dann die Nachtspeicherheizung oder die Waschmaschine in Betrieb nahm. Im Zeitalter der preiswerten Kleinstelektronik können die Versorger dagegen ein intelligentes Stromnetz entwickeln, das solche Verbraucher flexibel steuert. Dieses „Smart Grid“ kann dann auch berücksichtigen, wenn ein vielbeachtetes Fußballspiel in die Verlängerung geht oder eine Gewitterfront die Wochenendausflüge vorzeitig beendet.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar