Zeitung Heute : Dialog post mortem

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"Dossier: Ronald Akkerman" vom Theater Rotwelsch inszeniertsbBeklemmend.Wie anders könnte man ein Stück über Aids inszenieren? Theater, auf das Minimalste reduziert.Ein Stuhl, ein Tisch, zwei Schauspieler.Im Publikum eine drückende Stille, wie in einer Friedhofskapelle.Selbst in den Sprechpausen kein Räuspern.Jedes Knartschen von Lederjacken läßt aufschrecken wie ein Schuß.Mimetisch wird der Tod auf der Bühne miterlebt.Beklemmend, aber eben nur auf der Bühne. Dort wird die Krankenschwester Judith (Inge Schilling) von ihrem verstorbenen Aids-Patienten Ronald (Thomas Hagen) heimgesucht.Erst in ihrem Dialog post mortem beginnen beide, die Sprachlosigkeit zu überwinden.Verschwinden soll Ronald, schreit Judith.Haß bricht zwischen beiden auf wie eine schlecht vernähte Wunde."Was habe ich dir eigentlich getan? Bin ich etwa schuld an deiner Krankheit?" fragt sie."Bin ich es etwa?" erwidert Ronald. Das Stück "Dossier: Ronald Akkerman" von der niederländischen Autorin Suzanne von Lohuizen verzichtet auf sentimentale Antworten.Das vom Theater Rotwelsch inszenierte Stück entstand im Rahmen von "Homo 2000" als Beitrag zur Ausstellung "Goodbye to Berlin" in der Akademie der Künste. Theater Zerbrochene Fenster, Schwiebusser Straße 16, 17.- 20.und 22.- 26.Oktober, 20.30 Uhr.

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