Zeitung Heute : Die Alliierten in Ehren halten

Brigitte Grunert

Wie ein Rentner die Stadt erleben kann

Ist es wirklich schon Geschichte? Vor 15 Jahren endete der Viermächte-Status von Berlin. Als vor elf Jahren die Soldaten der vier Mächte abzogen, winkten wir ihnen gerührt nach, denn wir hatten den Westalliierten fast 50 Jahre lang unendlich viel zu verdanken, zuletzt auch den Russen. Deshalb gibt es in Zehlendorf das Alliierten-Museum und in Karlshorst das Pendant zur Erinnerung an die Russen.

Nun ist es mit der Erinnerung so eine Sache. Was für junge Leute Geschichte ist, hat unsereiner so klar vor Augen, als sei es gestern gewesen. Trotzdem frischen wir unsere Erinnerungen gern auf. Also zog es den Herrn Pensionär und die Frau Rentnerin ins Alliierten-Museum in der Clayallee. Die Schaustücke auf dem Vorplatz wirken ja sehr einladend. Sie erzählen eine Menge über die lange Zeit, in der das Anomale normal war. Das Glanzstück ist natürlich ein britisches Flugzeug vom Typ Hastings, das 12 396 Luftbrücken-Einsätze flog. Ein blank geputzter Bistro-Wagen französischer Militärzüge ist zu sehen. Dem Containerhäuschen vom Checkpoint Charlie sieht man auch nicht an, dass es am 22. Juni 1990 ausgedient hat. Nur der Wachturm aus dem Todesstreifen an der Mauer rostet altersschwach vor sich hin.

Das Museum vermittelt mit seinen Schaustücken, Fotos und Filmen einen Eindruck von der bittersten Nachkriegsnot, von den vagen Hoffnungen und beklemmenden Krisen (die sich später im West- Berliner Wohlleben ganz gut ertragen ließen). Manches rührt ans Herz, etwa die CarePakete, ein 1947 erfinderisch genähtes Hochzeitskleid, die Frontseite des ersten Wachhäuschens am Checkpoint Charlie von 1961 und – Ende gut, alles gut – die Notizen, die sich der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière 1990 in der Schlussrunde der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen am Moskauer Konferenztisch machte.

Und doch: Die Exponate könnten anschaulicher präsentiert, Lücken geschlossen werden. Wie überall hapert es wohl am lieben Geld. Man spürt es. Das Museum wird wachsen müssen, damit nichts vergessen wird. Aber es ist ja erst sieben Jahre alt.

Alliierten-Museum, Clayallee 135, 14195 Berlin. Geöffnet täglich außer mittwochs von 10 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

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