Zeitung Heute : Die Alpen rücken enger zusammen

Christian Röwekamp

Jeder Anflug von Langeweile soll bereits im Keim erstickt werden. Diese Parole scheinen die Wintersportorte in den Alpen für die neue Saison ausgegeben zu haben. Zwar sind schon lange die Zeiten vorbei, in denen sich nach wenigen Tagen Skiurlaub Frust darüber ausbreiten konnte, immer wieder die gleichen Hänge herunter rutschen zu müssen. Vielfalt wurde Trumpf bei den Angeboten. Zur Wintersaison 2001 / 2002 aber bauen die Urlaubsorte ihre Möglichkeiten noch weiter aus: Die Zusammenarbeit großer Skigebiete mit gegenseitiger Anerkennung der Skipässe wurde weiter verstärkt. Zudem setzt sich der Trend zum sanfteren Wintererlebnis mit sportlichen Aktivitäten ganz ohne "Brettl" unter den Füßen fort.

Ein Beispiel dafür, dass die Alpen zusammenrücken, ist die neue "AllgäuGletscherCard". Sie ist grenzüberschreitend in 35 Skigebieten im Raum Oberstdorf / Pfronten, im Kleinwalsertal und in Teilen Tirols gültig. Die Beteiligung der Gletschergebiete Pitztal und Kaunertal soll eine besonders lange Saisondauer ermöglichen: Bis in den Mai hinein können gut 200 Liftanlagen benutzt werden. Nach Angaben von Bayern Tourismus Marketing (BTM) in München kostet die Saisonkarte für Erwachsene dabei 719,75 Mark (368 Euro).

"Top Card" für 527 Pistenkilometer

In vielen Regionen haben sich neue Kooperationen dieser Art gebildet. In Davos, Klosters und Flims Laax Falera in der Schweiz etwa wird die neue "Top Card" angeboten, die eine ganze Saison lang die freie Benutzung von 78 Bergbahnen und 527 Kilometern Piste ermöglicht. Gültig ist die Karte den ganzen Winter über bis zum 28. April. Ihr Preis liegt bei 795 Schweizer Franken (1054,50 Mark / 534,55 Euro), sofern die Karte vor dem 1. Dezember gekauft wird. Besondere Tarife gibt es für Familien.

Auch in Österreich ist das Kirchturmdenken, möglichst keine Skiurlauber mit anderen Gemeinden teilen zu müssen, out. In der Steiermark und im Salzburger Land haben sich die Region Dachstein / Tauern und die Sportwelt Amadé zum größten Skiverbund der Alpenrepublik zusammengeschlossen. 25 Ferienorte, darunter Schladming und Ramsau, bieten dabei 865 Pistenkilometer auf einem Skipass an.

Wie lange solche Rekorde heutzutage noch halten, zeigt allerdings die Entwicklung in Tirol: Die "Zillertal-Arena" in Zell und Gerlos muss ihren erst 2000 erworbenen Rang als größtes Skigebiet der Region schon in diesem Winter wieder abgeben, weil die Gebiete Rastkogel, Penken-Horberg und Eggalm zum Verbund "Ski Zillertal 3000" vereinigt werden. Umgerechnet wurden knapp 71 Millionen Mark (36,3 Millionen Euro) in das neue Gebiet investiert, das nach Angaben der Österreich Werbung 45 Liftanlagen und 143 Kilometer Pisten aufweisen kann. 96 Hektar dieser Region können beschneit werden.

Mehr Qualität statt Quantität

Derweil reifen im Tiroler Unterland die Pläne, das hinter "Trois Vallées" in Frankreich zweitgrößte zusammenhängende Skigebiet Europas einzurichten, das die Kitzbüheler Berge einschließen und insgesamt 149 Lifte zu bieten haben soll. Laut Österreich Werbung stehen die letzten Ausbaustufen des 42,64 Millionen Mark (21,8 Millionen Euro) teuren Projekts in den kommenden Jahren allerdings erst noch an.

Der Großteil der diesjährigen Baumaßnahmen in den Wintersportorten gilt laut Arthur Oberascher, Geschäftsführer der Österreich Werbung in Wien, "der Qualitätsverbesserung und nicht der quantitativen Expansion". So schreitet die Umrüstung der Bergbahnen in vielen Orten zügig voran. Am Mölltaler Gletscher in Kärnten zum Beispiel wurde die Transportleistung der Kabinenbahn Eissee von 1000 auf 2400 Skifahrer pro Stunde mehr als verdoppelt. Fieberbrunn in Tirol kann mit einer besonderen Attraktion aufwarten: Die bei der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover eingesetzte und dadurch weltweit bekannt gewordene gelbe Einseil-Kabinenbahn verkehrt nach gründlicher Überarbeitung jetzt zwischen der Talstation Streuböden und dem Doischberg.

Auch in den deutschen Alpen wurde weiter in die Infrastruktur investiert. So erhält allein das Oberallgäu drei neue Seilbahnen. Wer sich trotz all dieser Bemühungen um ein breiteres Pisten- und Loipen-Angebot noch mehr Vielfalt wünscht, wird in den Alpen auch im kommenden Winter bedient: Der Trend zum Winterwandern, Schlitten fahren und Schneeschuhwandern sei weiterhin stark, so Marianne Willi von Schweiz Tourismus. Das Winterwanderwege-Netz werde daher stetig ausgebaut. Sehr groß sei das Angebot in der Jungfrauregion im Berner Oberland und im Aletschgebiet (Riederalp). "Was auch sehr geschätzt wird, ist die Kombination Wintersport und Wellness", so Willi.

"Gerade die Schneeschuhwanderungen ermöglichen allen Alters- und Leistungsklassen ihren individuellen Winterspaß, da von einem kurzweiligen Familienausflug bis zur hochalpinen Gebietsdurchquerung mit Schneeschuhen alles möglich ist", begründet Sybille Wiedenmann, Marketingleiterin bei der BTM, den Trend. Insgesamt würden die Erwartungen der Winterurlauber immer differenzierter: Morgens noch im Tiefschnee, nachmittags als Snowboarder in der Halfpipe oder auf einer Schneeschuhwanderung - das sei heute längst normal.

Früh buchen zum Karneval

Wer auf der Suche nach mehr Vielfalt in Schnee und Eis größeren Menschenmassen aus dem Weg gehen möchte, sollte seine Winterferien möglichst auf die Monate Januar bis März legen. Die Bedingungen auf den Pisten sind dann nach Angaben der Experten überall am besten. Natürlich ist es auch im ersten Quartal nirgendwo richtig leer - in Österreich zum Beispiel werden in diesem Zeitraum 69 Prozent aller Gästeübernachtungen im Winterhalbjahr registriert. Als besonders überlaufen gelten jedoch Weihnachten / Neujahr und Ostern. In der Schweiz kommen Engpässe zu den Schweizer Sportwochen im Februar hinzu. In Südtirol lohnt sich auch zu den Karnevalstagen eine frühe Buchung, so Martin Bertagnolli von Südtirol Marketing in Bozen.

Bayern Tourismus Marketing GmbH, Leopoldstraße 146, 80804 München (Telefon: 089 / 212 39 70, die E-Mail-Adresse lautet: tourismusbayern@btl.de

Österreich Werbung, Postfach 701580, 81315 München, Telefon: 089 / 66 67 01 00, Internet: www.austria-tourism.at

Schweiz Tourismus, Rossmarkt 23, 60311 Frankfurt / Main, Telefonnummer (gebührenfrei): 008 00 / 10 02 00 30, im Internet unter: www.myswitzerland.com

Südtirol Marketing, Pfarrplatz 11, I-39100 Bozen, die Telefonnummer lautet: 00 39 / 04 71 / 41 38 08, Adresse im Internet: www.hallo.com

Maison de la France, Westendstraße 47, 60325 Frankfurt am Main (Service-Telefon: 01 90 / 57 00 25 (1,21 Mark / Minute),im Internet unter: www.maison-de-la-france.com

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