Zeitung Heute : Die Angst strahlt aus

Paul Janositz

Eines der am Sonntag festgenommenen mutmaßlichen Al-Qaida-Mitglieder soll versucht haben, sich in Luxemburg 48 Gramm Uran zu beschaffen. Was, wenn das gelungen wäre?

Eine Atombombe zu bauen, dafür hätten die 48 Gramm hochangereichertes Uran bei weitem nicht gereicht. Um die „kritische Masse“ für eine Kernreaktion zu erreichen, braucht man etwa 15 Kilogramm des Uran-Isotops 235. Dieses stark radioaktive Isotop ist im natürlichen Uran nur zu etwa 0,7 Prozent enthalten. Über 99 Prozent entfallen auf das schwächer strahlende Uran 238. Deshalb muss das aus Lagerstätten etwa in Südafrika oder Kanada gewonnene Uranerz erst angereichert werden – auf rund drei Prozent, um als Brennstoff für Kernkraftwerke zu dienen oder auf bis zu 60 Prozent, um kernwaffentauglich zu sein. Der Prozess ist technisch aufwändig, glücklicherweise, denn es erschwert den Zugang zu Atomwaffen.

Doch auch kleinere Mengen des schweren, verhältnismäßig weichen, im reinen Zustand silberweißen Metalls können Angst und Schrecken verbreiten, wenn es für terroristische Zwecke eingesetzt wird. „Man kann eine schmutzige Bombe damit bauen“, sagt Uwe Oeh, wissenschaftlicher Mitarbeiter am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München. Dabei wird das Uran mit konventionellem Sprengstoff vermischt. Nach der Explosion des Sprengkörpers würde sich eine Wolke ausbreiten, die Uranstaub enthielte und in der Radioaktivität nachweisbar wäre. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich die Panik vorzustellen, die beim Bekanntwerden eines solchen Vorfalls ausbrechen würde. Eine derartige Waffe in der Hand von Terroristen wäre also ein starkes Druckmittel, um den Staat zu erpressen. Dasselbe gilt für den Versuch, etwa das Trinkwasser zu vergiften.

Die tatsächliche Gesundheitsgefahr, die von so einer relativ kleinen Uranmenge ausgeht, ist allerdings nicht besonders groß. Das Uran würde sich weiträumig in der Umwelt verteilen und vor allem über die Atmung in den Körper gelangen. Dort wirkt der Alpha-Strahler radioaktiv, kann also Gewebe schädigen. Aber nur wenn größere Mengen von stark radioaktiven Dämpfen oder Partikeln in die Lunge gelangten, bestünde die Gefahr von Lungenkrebs. Normalerweise halten sich die Uranteilchen nur kurze Zeit im Körper auf, sie gelangen schnell ins Blut oder sie werden vom Lungenschleim nach oben transportiert und verschluckt, erklärt Biologe Oeh. Die weitere Reise durch den Körper ist dann rasch zu Ende, denn 90 Prozent des aufgenommenen Urans werden – sagt Oeh – innerhalb von 24 Stunden mit dem Urin wieder ausgeschieden.

Doch bei Zufuhr größerer Mengen kann sich ein Rest des Schadstoffs auch längerfristig im Körper einlagern, in Knochen etwa. Dann werden die umliegenden Zellen durch die radioaktive Strahlung geschädigt, es kann Krebs entstehen. Auch in der Leber und vor allem in den Nieren lässt sich Uran gerne nieder. Dort wirkt der Schadstoff giftig, ähnlich wie andere Schwermetalle, es kann zu Funktionsstörungen und zu inneren Blutungen kommen.

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