Zeitung Heute : Die Anklage steht

Wer sind die Beschuldigten? Wie lauten die Vorwürfe?

-

Josef Ackermann: Der Vorwurf der Untreue zielt auf Zahlungen, die Ackermann als Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums bei Mannesmann für gute Leistungen des MannesmannManagers Klaus Esser und dessen Arbeitsmannschaft bewilligt hat – zusammen 57 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft bringt Zeugen bei, die behaupten, Ackermann habe den Rest des Aufsichtsrates nicht zutreffend informiert. Außerdem, so wird ihm unterstellt, habe Ackermann zugesagt, die Provisionen würden von Vodafone gezahlt werden.

Für den Chef der Deutschen Bank steht einiges auf dem Spiel. Wenn an ihm auch nur der Verdacht der Untreue hängen bliebe, wäre seine Karriere in dieser Form wohl beendet, zumal sich derzeit nicht nur die Führung der Deutschen Bank, sondern beispielsweise auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hinter den 55-Jährigen stellt. Sollte er diese Loyalität enttäuschen, wäre sein Ruf zerstört. So verwundert es nicht, dass Ackermann von einem Freispruch ausgeht.

Dietmar Droste: Der 40-jährige Jurist ist als Mitwisser angeklagt. Er war bei den Sitzungen zur Bewilligung der Prämien und Tantiemen anwesend und führte Protokoll. Ihm wird Beihilfe zur Untreue vorgeworfen.

Klaus Esser: Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft dem ehemaligen Mannesmann-Chef Untreue und Bestechlichkeit vorgeworfen. Dagegen wehrte sich Esser schon im Vorwege zu dem am heutigen Mittwoch beginnenden Prozess – erfolgreich. Er hatte bereits zivilrechtliche Mittel genutzt, um seine Unschuld zu beweisen. Jetzt lautet die Anklage auf Beihilfe zur Untreue, von Bestechlickeit ist nicht mehr die Rede. Abgesehen davon, dass Klaus Esser beteuert, nichts mit der Verhandlung um die Prämien zu tun gehabt zu haben, hält er die ihm zugewiesene Summe von 32 Millionen Mark für angemessen – schließlich habe er den Börsenwert des Unternehmens um 70 Milliarden Euro steigern können. Zwar gelang es dem heute 56-Jährigen nicht, die Übernahme zu verhindern, aber den Preis zu steigern vermochte er: 178 Milliarden Euro wurden gezahlt.

Joachim Funk: Der damalige Mannesmann-Aufsichtsratschef erhielt sechs Millionen Mark. Wie Esser soll Funk die Sonderzahlungen als eine Vergütung seiner kooperative Haltung bei der Übernahme durch Vodafone gesehen haben. Funk muss sich wegen Untreue in besonders schwerem Fall bei zwei Zahlungen von Prämien und bei drei Pensionsabfindungen verantworten.

Jürgen Ladberg: Als Einziger der Beschuldigten, ist Ladberg noch bei Mannesmann beschäftigt. Er gehört allerdings nicht zu den wichtigsten Beklagten. Dem 57-Jährigen wird vorgeworfen, 18 ungerechtfertigte Pensionszahlungen mitzuverantworten. Bei der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums im Jahr 2000, war Jürgen Ladberg nicht anwesend. Er hatte sich krankgemeldet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, an drei Beschlüssen beteiligt gewesen zu sein.

Ladberg hatte als damaliger Betriebsratschef heftig gegen die Übernahme durch Vodafone votiert, als deutlich wurde, dass nur ein geringer Teil der Belegschaft übernommen werden würde. Bis zum Streik hielt Ladberg alle Instrumente zur Gegenwehr für möglich.

Klaus Zwickel: Der ehemalige IG-Metall- Chef hatte sich mehrmals widersprochen, bis er zu der Aussage kam, es sei zwar über Geld gesprochen worden, er habe sich aber bei der Abstimmung enthalten. Zwickel gibt zu, dass er die Summen auf diese Weise gebilligt hat. Er wird von der Staatsanwaltschaft wegen Untreue angeklagt. Den Schaden hat Zwickel schon vor dem Prozess erlitten. Er gab die Gewerkschaftsführung im vergangenen Jahr auf als es zum Streit um die Führung kam – auch weil sein Ruf durch die Mannesmann-Affäre beschädigt war. Tsp

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar