Zeitung Heute : Die Badewanne neben dem Bett

Mit extravaganter Einrichtung locken Hotels die Freunde guten Designs. Sogar die Unesco zeigt Interesse an den Räumen

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Von Friedrich Geiger „Keine Sorge“, meint Hotelmanagerin Sonja Müller, als sie neben der Badewanne in der Mitte des Zimmers steht. „Das Wasser kann nicht ins Bett schwappen.“ Dabei ist die Wanne in einem Stück mit dem Bett verbunden. Der Badewannenrand ist jedoch rundum von einem Ablauf umgeben, außerdem gibt es keine Brause, die Wasser auf die Laken spritzen könnte, erklärt Müller.

Die Wanne im Hotel „Q!“ in der Knesebeckstraße am Kurfürstendamm ist eines der ausgefallenen Einrichtungsdetails, mit denen Berliner Hotels Design-begeisterte Besucher anlocken. Auch die abgerundeten Ecken und schrägen Wände fallen im „Q!“ auf. Entworfen wurde das Hotel von dem Berliner Architektenbüro Graft, das schon für Brad Pitt Häuser geplant hat. Gemeinsam mit der Inhaberin Eva-Miriam Gerstner haben die Architekten die Designideen entwickelt: „Unsere Gespräche gingen oft bis tief in die Nacht“, berichtet Gärstner. Die Mühe hat sich gelohnt: Eine amerikanische Zeitschrift hat das vor drei Jahren eröffnete „Q!“ zum besten Designhotel der Welt ernannt.

Der Ruhm des Hauses ist bis zur Unesco vorgedrungen: Anlässlich der Auszeichnung Berlins als „Stadt des Designs“ durch die Kulturorganisation der Vereinten Nationen besuchten Mitte Januar internationale Vertreter der Unesco das Hotel. Eine Delegierte aus Schanghai lud die Inhaberin prompt nach China ein, wo sie über ihre Erfahrungen berichten soll.

Die meisten Gäste des „Q!“ kommen aus dem Ausland, häufig aus Asien, USA und London. „Viele sind in den Branchen Medien, Musik, Film und Mode tätig“, erzählt Gerstner.

Auch das Hotel „Ku’damm 101“ zieht kunstinteressierte Gäste an. Ein Großteil der Besucher ist vergleichsweise jung, viele sind um die 30. Vor allem wenn Pop-Konzerte in der Stadt sind, schlägt sich das in der Zimmerbelegung nieder, berichtet Marketingdirektorin Julia Poppe: „Aber nicht so sehr bei Mainstream-Musik sondern eher bei Bands wie Sportfreunde Stiller oder Franz Ferdinand.“

Die 170 Zimmer sind im Stil der Fünfzigerjahre gehalten, Pastelltöne dominieren. Auch die Möbel stammen teilweise aus dieser Epoche wie beispielsweise Sessel von Arne Jacobsen, teilweise wurden sie aber auch vom Münchner Studio Lemongras eigens für das Haus im Retro-Stil entworfen. Die minimalistischen Räume strahlen eine schlichte Klarheit aus.

Marketingdirektorin Poppe hat keine Angst, dass das Design passé wirken könnte, wenn die Retrowelle einmal abgeebbt ist. „Wir sind weiterhin mit der Artdirektorin Franziska Kessler verbunden, die das Hotel entworfen hat“, berichtet sie. „Das Hotel verändert sich also ständig in einem fortlaufenden Prozess.“ Demnächst würden zum Beispiel die Lampenschirme ausgewechselt.

Das am westlichen Ende des Kurfürstendamms, jenseits der Modeboutiquen-Meile gelegene Hotel hat auch einen Wellness-Bereich. In der Relaxzone mit Wärmeliegen und Aroma-Dampfbad können die Gäste entspannen, auch Yoga, Shiatsu und klassische Massagen werden angeboten. Ein Personal Trainer bietet den Hotelbesuchern ein individuelles Training.

Das „Lux 11“ in der Nähe des Alexanderplatzes sticht durch einen Minimalismus hervor, der kaum radikaler sein könnte: Die Innenwände sind völlig kahl, nackter Beton dominiert. Auch die Türen der wenigen Schränke in den Zimmern erscheinen als große Flächen, die vom Boden bis zur Decke reichen. Das gesamte Gebäude ist in hellen Braun- und Grautönen gehalten, kaum ein Gegenstand weicht farblich ab.

Das offene Bad ist nur durch einen Vorhang vom Zimmer getrennt. Wie das „Q!“ zeichnet sich auch das „Lux 11“ durch eine ausgefallene Badewanne aus: Sie hat die Form eines Mini-Swimmingpools und wird von kniehohen Mauern aus Beton gebildet. Für den Geschäftsführer Thomas Tänzer das Innovativste an der Innenarchitektur: „Der Bad-Monolith ist einmalig. Das offene Bad hätte man vor fünf Jahren nicht gemacht, das hatten vor zwei bis drei Jahren die ersten.“

Das Gründerzeithaus in der Nähe des Alexanderplatzes wurde früher vom sowjetischen Geheimdienst KGB genutzt. 72 Zimmer und Suiten zählt die vor einem halben Jahr eröffnete Herberge. Das „Lux 11“ versteht sich nicht als Hotel, sondern als Boarding House ohne aufwändigen Zimmerservice.

„Unsere Gäste sind ausschließlich Privatreisende“, berichtet Tänzer. Die meisten kommen aus dem Ausland.Sie genießen gerne das Berliner Nachtleben. Viele der Gäste seien sehr wohlhabend, das merke er an den First-Class- Abzeichen auf den Koffern und den Luxus-Kreditkarten, mit denen sie bezahlen. Auch Prominente gehörten dazu. „Wer hierher kommt, verdient sein Geld leicht und gibt es leicht aus“, meint Tänzer.

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