Zeitung Heute : Die Basis für den Wandel ist Bildung

KURT SAGATZ

Der Fachkreis "Stadt des Wissens" setzt auf qualifizierte Ausbildung und MedienkompetenzKURT SAGATZMitte 1997 wurde vom Berliner Abgeordnetenhaus die Landesinitiative "Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft" auf den Weg gebracht.Über die Grenzen der einzelnen Senatsverwaltungen hinweg und zusammen mit der Wirtschaft und Wissenschaft der Hauptstadt soll nun an der Spree der epochale Wandel zur Informationsgesellschaft, der keineswegs allein ein wirtschaftliches Phänomen ist, begleitet und befördert werden.Vor rund einer Woche wurden nun die ersten Ergebnisse der Initiative der Öffentlichkeit präsentiert.Hierzu stellten sich die fünf Fachkreise, in die sich der "Berliner Weg" aufteilt, mit den jeweiligen Leitprojekten vor.Bei den Fachkreisen handelt es sich um die Bereiche "Berlin ­ Stadt des Wissens", "Berlin ­ Zentrum des Wandels", "Berlin ­ Stadt der Logistik", "Berlin ­ die offene Stadt" und "Berlin ­ Verwaltung interaktiv".Da die Vorhaben der einzelnen Fachkreise sowie die Vielfalt der Leitprojekte den Rahmen eines einzelnen Zeitungsberichts sprengen, startet die Interaktiv-Redaktion des Tagesspiegels heute eine fünfteilige Serie, in der die Landesinitiative und ihre Inhalte vorgestellt werden. Der Schlüssel zur Informationsgesellschaft liegt in der Bildung.Die wirtschaftlichen Potentiale der Informations- und Kommunikationstechniken sowie der neuen Medien lassen sich nur mit entsprechend ausgebildeten Menschen erschließen.Zugleich ist die umfassende Aus- und Weiterbildung eine zwingende Voraussetzung dafür, auch den gesellschaftspolitischen Wandel, der mit der Zunahme und ständigen, globalen Verfügbarkeit von Information einhergeht, zu bewältigen.So entscheidend die Ausbildung, also das Wissen, für den Übergang in diese Informationsgesellschaft ist, so unmittelbar sind die Erfolge erfahrbar, die aus Investitionen in die schulische, universitäre und berufliche Ausbildung entstehen. So ist es kein Zufall, daß aus den Fachkreisen der Landesinitiative vor allem der Bereich "Berlin ­ Stadt des Wissens" mit zahlreichen, sehr konkreten Leitprojekten auffällt.Ziel dieses Fachkreises ist es unter anderem, daß Berlin den bestehenden Qualifizierungsbedarf aus eigener Kraft bewältigt.Dahinter steht der Wunsch, das in der Stadt vorhandene Know-how beispielsweise bei innovativen Multimedia-Lernsystemen exportfähig zu machen.Weiterhin soll der Fachkreis dazu beitragen, die Medienkompetenz sowohl von Lehrern und Ausbildern als auch von Schülern und Lehrenden zu verbessern.Überdies soll mit der Landesinitiative erreicht werden, die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Hochschulen durch technische und inhaltliche Vernetzung zu erhöhen. Die wichtigsten Weichenstellungen für diese Ziele werden in der Schule gestellt.Daher verdient das von der Berliner Schulverwaltung in Angriff genommene Projekt, das genau wie die Tagesspiegel-Kontaktbörse den Namen "Computer in die Schulen" oder kurz CidS trägt, besondere Beachtung.CidS will einerseits die Ausstattung der Schulen mit moderner IuK-Technik und die Entwicklung von Bildungsnetzen vorantreiben, wie Senatorin Ingrid Stahmer bei der Präsentation der Leitprojekte erläuterte.Zudem geht es um die Entwicklung und Erprobung multimedialer Unterrichtsprojekte und die Vorbereitung auf die moderne Berufs- und Arbeitswelt.Hierzu sollen die Lehrer entsprechend qualifiziert werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Leitprojekten des "Berliner Weges" verfügt das CidS-Projekt über einen verhältnismäßig gut gefüllten Finanzierungstopf.Aus Mitteln der Stiftung Deutscher Klassenlotterie stehen derzeit rund 10 Millionen DM zur Verfügung, weitere Mittel sollen hinzukommen.Ein großer Teil dieses Topfes ist für das CidS-Unterprojekt "Berliner Schule Online" vorgesehen.Damit alle Berliner Schulen Zugang zum Internet haben, stehen allein fünf Millionen Mark bereit.Interessierte Schulen, die noch über keinen Zugang verfügen und sich bereit erklären, sich sowohl an einem Projekt von EU, Bund oder Land zu beteiligen und eine eigene Homepage ins Netz zu stellen, können einen Antrag stellen und erhalten bei Bewilligung einen Multimedia-Computer mit Internet-Account und einer Kostenpauschale zum Surfen.An dieses Projekt knüpft auch "Das Netz im Netz" an.Der Topf für die 23 vorgesehenen Schulprojekte umfaßt 2,3 Millionen DM.Gefördert werden Projekte, die das Netz in besonderer Weise nutzen.Weitere 2,4 Millionen DM sind für das Projekt "Und Tschüß" vorgesehen.Damit soll jede öffentliche allgemeinbildende Schule ihre Altrechner der 286er-Generation gegen modernere Multimedia-PCs tauschen können.Immerhin geht es hierbei nach Erkenntnissen der Behörde um rund 1150 Geräte an 150 Berliner Schulen. Ihre Fortsetzung erfährt die "Stadt des Wissens" an den Berliner Hochschulen.Um die Nutzung der neuen Medien an den Berliner Unis zu erproben und zu entwicklen und zugleich die Hochschulen für ein lebenslanges Lernen zu öffnen, wurde das Leitprojekt "Berlin univers" aus der Taufe gehoben.Zwei Besonderheiten zeichnen dieses Projekt aus.Zum einen soll "Berlin univers" die Zusammenarbeit der Hochschulen fördern.Die Inhalte des Projektes sollen sich allein nach den jeweils interessanten Themen und nicht an der Hochschulzugehörigkeit orientieren, erläuterte Wilfried Hendricks von der TU Berlin.Unterteilt wird das Projekt in die Bereiche "Studium generale", "Studium speciale" und "Diskurs".Über die Diskussionsplattform sollen sich die Hochschulen zum Beispiel der Öffentlichkeit zuwenden.So sei zum anderen denkbar, aktuelle Themen durch Beiträge aus der Wissenschaft anzureichern, wobei mit dem plattformübergreifenden "Berliner Bildungsnetz" die Möglichkeiten multimedialer Lerntechniken geprobt werden sollen.Und hier schließt sich der Kreis zu den anderen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen.

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