Zeitung Heute : Die Buch-Bauer

Das Start-up Txtr GmbH tritt mit seinem E-Book-Lesegerät in Konkurrenz zu Amazon und Sony

Kurt Sagatz

Am eher unscheinbaren Firmensitz des 2008 gegründeten Start-up-Unternehmens Txtr GmbH in der fünften Etage eines Atelierhauses an der Greifswalder Straße lässt es sich nicht ablesen. Aber von hier aus will das Unternehmen mit rund 20 Mitarbeitern mit zwei Weltkonzernen konkurrieren, bei denen es sich immerhin um Sony und Amazon handelt.

Vor zwei Jahren machte sich der 42-jährige Mitgründer Andreas Steinhauser auf die Suche nach der nächsten großen Sache in der IT-Industrie – „the next big thing“, wie es Apple-Chef Steve Jobs gerne nennt. Es sollte von der Dimension sein wie das Blackberry-Handy, erzählt er. Mit E-Mails hat der Txtr-Reader allerdings nichts zu tun, dafür aber mit der Zukunft des Lesens. Die Txtr Gmbh hat ein Ebook-Lesegerät entwickelt, dessen Prototyp bereits auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr für Schlagzeilen sorgte. Nach der Frankfurter Buchmesse soll der Txtr-Reader (gesprochen Texter) zum Weihnachtsgeschäft im Handel sein.

Andreas Steinhauser hat hoch gesteckte Ziele. Der Txtr-Reader soll das technisch ausgereifteste Gerät werden, das zudem im Internet auf den größten Katalog von kaufbaren Büchern und freien Dokumenten zugreifen kann. Als Partner sind Branchengrößen wie Libri oder Ciando dabei, über die Txtr-Plattform kann zudem auf kostenlose Bücher des Gutenberg-Projekts zugegriffen werden. Die Verbindung stellt der Txtr-Reader über E-Plus oder per Wireless-Lan her.

Dabei könnte das taschenbuchgroße Lesegerät kaum unscheinbarer aussehen. Doch genau damit erfüllt es den Anspruch, den seine Entwickler daran gestellt haben. „Wir wollten ein Buch bauen für Leute, die Bücher lesen und kein Gerät für Computernutzer“, erklärt Steinhauser das Konzept. Anders als beim Kindle vom Amazon wurde auf eine Tastatur komplett verzichtet. Der Txtr-Reader scheint einzig aus einem Display in einem schlichten weißen Gehäuse zu bestehen. Beim genaueren Hinsehen erkennt man ein eingelassenen Kreuz, mit dem sich der Reader bequem bedienen lässt. Mehr Technik brauchen Bücherfreunde nicht, meint Steinhauser.

Die größten Unterschiede sollen jedoch im Innern liegen. Im Wettbewerb mit Sony und Amazon wollen die Berliner mit Tempo und Energieeffizienz punkten. Beides hat mit den Besonderheiten des Ebook-Displays zu tun, das wie bei den Konkurrenten mit einer elektronischen Tinte arbeitet. Allerdings haben die E-Ink-Displays einen Nachteil: Sie sind nicht besonders schnell. „Umso mehr war es unser Ziel, über die Programmierung dafür zu sorgen, dass keine weiteren Verzögerungen das Lesen behindern. Daneben wurden die Stromsparfunktionen so weit wie möglich vorangetrieben“, sagt Steinhauser. Selbst einen Dreiwochenurlaub soll man mit mit einer Akkuladung lesend verbringen können.

Entwickelt wurde der Txtr-Reader in Berlin, produziert wird er in China. Vertrieb und Logistik sind wiederum in Berlin angesiedelt. Warum Berlin? „Der Hauptgrund ist, dass ich hier seit 1990 wohne“, sagt Steinhauser. In Berlin hatte der gebürtige Hesse bereits das Start-up gate5 aufgebaut. Die Softwarefirma hat Routenplanungs- und Navigationssoftware für Handys und Handheld-Computer entwickelt. Später wurde das Unternehmen erfolgreich an Nokia verkauft. Der Name, den sich gate5 erworben haben, zahlte sich für die Txtr GmbH aus, da neue Mitarbeiter nicht erst lange auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden mussten. „Dank unserer guten Kontakte kamen die Software- und Hardwareentwickler direkt zu uns“, sagt Steinhauser. Andere Standortvorteile oder Fördermittel spielten keine Rolle.

Noch wirkt Steinhauser äußerst gelassen. Richtig spannend wird es in wenigen Wochen zur Frankfurter Buchmesse. Die nötige Zuversicht muss man bei Andreas Steinhauser nicht lange suchen: „Der Txtr-Reader kann deutlich mehr als andere Produkte, er wird allerdings nicht deutlich mehr kosten, so dass wir absolut wettbewerbsfähig sind.“

www.txtr.com

Wir wollten ein Buch bauen für Leute, die Bücher lesen und kein Gerät für

Computernutzer.“

Andreas Steinhauser,

Gründer

von Txtr

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