Zeitung Heute : "Die Bundesliga ist für mich kein Thema"

KLAUS ROCCA

ANDREAS KÖPKE (36) steht bei Olympique Marseille unter Vertrag und ist seit vier Jahren die Nummer eins im Tor der deutschen Nationalmannschaft.Der gebürtige Kieler feierte 1996 in England mit dem Gewinn der Europameisterschaft seinen bislang größten Erfolg.Köpke spielte früher für Hertha BSC und den SC Charlottenburg.

TAGESSPIEGEL: Sie haben sich auch heute wieder öffentlich für die DFB-Aktion "Keine Macht den Drogen" engagiert.Stört Sie eigentlich nicht, daß eine Brauerei mit ihrem Bier einer der Hauptsponsoren des DFB ist?

KÖPKE: Wir haben über dieses Thema auch im Mannschaftsrat gesprochen.Dabei waren wir uns einig, daß nur für alkoholfreies Bier geworben werden dürfe.

TAGESSPIEGEL: Was nicht der Fall ist ...

KÖPKE: Nein, aber wir als Mannschaft werben nur für alkoholfreies.

TAGESSPIEGEL: Waren Sie während dieser WM-Tage schon bei Ihrer Familie?

KÖPKE: Ich war einmal kurz in meinem Haus in Cassis, wo auch meine drei Kinder Stefanie, Caroline und Pascal leben.

TAGESSPIEGEL: Es hieß vor einiger Zeit, Sie wollten in die Bundesliga zurück.Das hat sich wohl zerschlagen?

KÖPKE: Die Bundesliga ist für mich kein Thema.Wir fühlen uns hier pudelwohl, haben viele französische Freunde.Auch meinen Kindern könnte ich es nicht antun, Frankreich zu verlassen.Pascal spricht inzwischen schon perfekt französisch.

TAGESSPIEGEL: Sind Sie mit Ihrem ersten WM-Auftritt zufrieden gewesen?

KÖPKE: Ich bin froh, daß ich immerhin einen schweren Ball zu halten bekam.Da habe ich wenigstens eine Note bekommen, im Gegensatz zum Testspiel gegen Luxemburg.

TAGESSPIEGEL: Man sagt, der WM-Ball fliege anders?

KÖPKE: Das stimmt.Der Ball flattert nicht wie andere, so daß er leichter zu berechnen ist.Andererseits kommt er schneller angeflogen, weil er mit mehr Wucht getreten werden kann.Man muß als Torwart also schneller reagieren.

TAGESSPIEGEL: Wie ist das mit der Angst des Torwarts vorm Elfmeter?

KÖPKE: Wieso Angst? Wir Torhüter haben doch beim Elfmeter nichts zu verlieren.Versagen können doch nur die Schützen.

TAGESSPIEGEL: Was halten Sie von solchen Paradiesvögeln unter den Torhütern wie dem Paraguayer Chilavert, der schon mal bis zur Mittellinie lief?

KÖPKE: Die Fans würden sich freuen.Aber so etwas kann man in Europa nicht machen.Das wäre viel zu gefährlich.

TAGESSPIEGEL: Hat sich denn für den Torwart zuletzt viel geändert?

KÖPKE: Wenn ich die alten Aufnahmen von Spielen mit Sepp Maier sehe, ganz gewiß.Vor allem muß man heute genau aufpassen, von wem und wie der Ball zurückgespielt wurde, um keinen Freistoß zu verursachen.Außerdem muß der Torwart heute weit mehr mitspielen als früher.

TAGESSPIEGEL: Fällt Ihnen das schwer?

KÖPKE: Manchmal schon.Besonders deshalb, weil ich meine Schwächen mit dem linken Fuß kenne.Da trete ich in bedrängter Situation den Ball lieber auf die Tribüne, als daß ich ein Risiko eingehe.Ein bißchen neidisch könnte man da schon auf Uli Stein werden, der beidfüßig stark ist.

TAGESSPIEGEL: Wie ist denn Ihr Verhältnis zu Ihren Händen?

KÖPKE: Klavier kann ich mit denen nicht spielen.Aber wenn ich mir so die Hände von Toni Schumacher anschaue, dann bin ich noch gut davongekommen.Lediglich den kleinen Finger der linken Hand habe ich mir dreimal gebrochen.

TAGESSPIEGEL: Wie sind denn Ihre Erinnerungen an Berlin?

KÖPKE: Beim SC Charlottenburg war das mehr ein Jux.Die wollten eigentlich nur Berliner verpflichten, haben mich als Kieler aber geholt, weil ich eine Oma in Berlin hatte.Bei Hertha habe ich dann erstmals in meiner Karriere unter professionellen Bedingungen gespielt."Gustav" Eder hat mich damals ganz schön rangenommen.

TAGESSPIEGEL: Haben Sie noch heute Beziehungen zu Berlin?

KÖPKE: Mit meinem Bettnachbar im Krankenhaus telefoniere ich noch öfter.Ich war damals von Professor Weigert wegen einer Oberschenkelverletzung operiert worden.

TAGESSPIEGEL: Man sagt, Torhüter seien Exzentriker.Das trifft auf Sie wohl nicht zu?

KÖPKE: Das mit dem Exzentriker ist doch sowieso ein Klischee.Ich bin ein ganz normaler Mensch und fühle mich dabei wohl.

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