Zeitung Heute : Die Computerbranche trifft sich zur Comdex in Las Vegas

JOACHIM ZEPELIN

Kleinkrieg zwischen Microsoft und seinen Widersachern geht weiter / Bill Gates beschwört die Segnungen der I+K-TechnologieVON JOACHIM ZEPELINDer Kleinkrieg zwischen Microsoft und seinen Widersachern geht weiter.Obwohl Bill Gates zum Auftakt der weltweit wichtigsten Computermesse Comdex in Las Vegas am Sonntag vor 8000 Zuhörern nicht auf die gegen ihn laufenden Anti-Trust-Verfahren einging, war seine Rede doch gespickt mit Seitenhieben gegen die Wettbewerbshüter, aber auch gegen den Verbraucher-Aktivisten Ralph Nader und den Microsoft-Konkurrenten Sun Microsystems. Gates gab sich auch sonst weniger als Chef des größten Software-Unternehmens, sondern ­ dem Veranstaltungsort der High-Tech-Schau angemessen ­ als Entertainer.Zehn Gründe zählte der reichste Geschäftsmann der Welt auf, warum er seinen Personalcomputer "liebt".Einer davon: "Ich kann an einem Wochenende mit Anwälten in aller Welt zusammenarbeiten, einen 48 Seiten langen Schriftsatz entwerfen und ihn dann per E-Mail an das Justizministerium schiêken." Gates ging sogar soweit, sich selbst vorzuführen.Ein kurzgeschnittes Video zeigte Ausschnitte aus Reden, in denen der Microsoft-Chef immer wieder dasselbe über die Segnungen der Informationstechnologie sagte.Der Höhepunkt des Gates-Auftritt war freilich seine Begegnung mit einem Major der amerikanischen Marines, der zeigte, wie die Armee mit robusten und wasserdichten Laptops Krieg führt.Kommentar Gates: "Es macht Spaß zu sehen, wie High Tech an der Front eingesetzt wird." Der Chef der Redmonder Softwareschmiede wollte sich als humorvoller und lockerer Geschäftsmann vorstellen, der hilft die Vereinigten Staaten zu verteidigen.In den vergangenen Wochen war in den amerikanischen Medien genau der gegenteilige Eindruck entstanden: Das Justizministerium hat eine Strafe von einer Million Dollar am Tag gegen Microsoft beantragt.Der aggressive Ton in den Rechtfertigungen des Unternehmens wird selbst von seinen Freunden als arrogant empfunden.Doch der Ton ist in der gesamten Branche lauter geworden. Mit einer gemeinsamen Strategie wollen fünf Rivalen dem größtem Softwarekonzern der Welt, Microsoft, begegnen.Dies berichtete die Zeitung "Washington Post" über vorbereitende Gespräche, die in den vergangenen Monaten geführt worden seien.Demnach wollen IBM, Netscape Communications, Novell, Oracle und Sun Microssystems die "anhaltende Hegemonie" des Unternehmens von Bill Gates in der Welt der Computer mit Hilfe des Internets brechen. Das Netz soll der Eckstein des neuen Technologie-Zeitalters sein und der bisherige Personal Computer durch einen preisgünstigen "Network Computer" abgelöst werden.Dazu könnte eine Computer-Sprache und auch eine neue Programmiertechnik von leicht kombinierbaren Software-Blöcken kommen. Doch Bill Gates gab sich auf der Comdex gelassen und warb für die neuesten Versionen seiner Produkte.Er stellte eine neue Version des Betriebssystem "Windows NT" vor, mit dem Microsoft Marktanteile bei den Unternehmen gewinnen will.Mit diesem Programm sollen Firmen künftig die Software ihrer Personalcomputer automatisch aktualisieren können. Personalcomputer einfacher zu verwalten, ist eines der Hauptthemen auf der diesjährigen Comdex.Die Branche sucht nach Möglichkeiten, die Gesamtkosten der Kleinrechner inklusive ihrer Verwaltung zu senken.Ebenfalls im Mittelpunkt der Messe steht das zunehmende Angebot von leistungsfähigen Billig-PC, die unter tausend Dollar angeboten werden, und Minirechner, die kaum noch größer als eine Hand sind. Die Comdex in Las Vegas gilt als inoffizielles Jahrestreffen der Computerbranche.Über 200 000 Besucher, so hoffen die Veranstalter, werden sich für die vorgestellten neuen Produkte interessieren.Größer geht es in der Spieler-Stadt kaum noch: Die über 100 000 Hotelbetten in der Wüste sind zu 99 Prozent ausgebucht.

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