Zeitung Heute : Die Crux mit der ewigen Erreichbarkeit (Glosse)

bm

Wer in letzter Zeit mal einen Reisekatalog in der Hand hatte, der weiß um das Vordringen der Technik. Die Partner der deutschen Mobilfunknetze sitzen inzwischen auch in Alaska und Feuerland, und es ist praktisch kein Problem, die typischen Gespräche aus der U-Bahn an den karibischen Strand zu verlegen: "Ja, hallo? Ja, ich sitze hier gerade in Domrepp an der Bar, geile Drinks, tolle Mäuschen und Sonne bis zum Abwinken." Trendforscher wollen uns nun weismachen, dass das alles der Schnee von gestern ist. In den USA möchte der Urlauber angeblich garantiert ins Funkloch, um bloß den fernmündlichen Nachstellungen zu entgehen, und Hotels, die kein Loch haben, sehen ziemlich alt aus. Ob sie sich einen Käfig übers Dach stellen? Was uns misstrauisch macht, sind die anderen Prognosen, die jetzt auf einer Luxemburger Tourismusmesse gewagt wurden, nämlich, dass unsere Urlaubswünsche immer absonderlicher würden: Büroangestellte wollen im Steinbruch arbeiten und drei Wochen lang täglich um ihr Leben kämpfen, ja es gibt sogar den Wunsch nach "festlichen Abendessen im U-Bahnschacht". Das wäre soweit in Ordnung. Aber wie verhindern wir, dass dort andauernd die Handys klingeln?

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar