Zeitung Heute : Die eigenen vier Wände: Miete zahlen oder Eigentum bilden?

Werner Siepe

Überzeugte Mieter hören gern den Spruch: "Der Laie baut, der Fachmann wohnt zur Miete". Stimmt dieses Wort, muss es in Berlin nur so von Fachleuten wimmeln. In keinem anderen Bundesland wohnen so viele Menschen zur Miete. 89 Prozent sind es laut Statistischem Bundesamt. Nur jeder neunte Berliner wohnt somit in den eigenen vier Wänden.

Hält Berlin bundesweit die Spitze im Mieteranteil, bildet es bei der Wohn-Eigentumsquote mit Abstand das Schlusslicht. Zum Vergleich: In Brandenburg nutzen 35 Prozent der Haushalte ihr Wohneigentum selbst, in Rheinland-Pfalz sogar 55 Prozent. Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil der Eigentümerhaushalte bei gut 40 Prozent. Gründe für den extrem niedrigen Eigentümeranteil in Berlin gibt es reichlich. Vor allem sind es die noch relativ niedrigen Wohnungsmieten, die bisher nicht zum Umsteigen von Miete auf Eigentum verleiteten. Vergeblich hofften die Vermieter bisher auf stark anziehende Mieten. Auf dem Berliner Immobilien-Markt hat der Mieter jedoch heute meist die besseren Karten.

Darauf sollten sich Mieter aber nicht auf lange Sicht verlassen. Der Staat fördert kaum noch den Bau von Wohnungen und auch die Steuervorteile sind gering. Deshalb bauen Investoren immer weniger Mietwohnungen. Und während man heute noch über über hohe Leerstände von Immobilien diskutiert, könnte es deshalb morgen die Wohnungsnot sein, die die Gemüter erhitzt.

Hinzu kommt: Wohnungsmieten müssen immer aus voll versteuertem Einkommen bezahlt werden. Es gibt keine Steuervorteile für Mieter, wenn man vom beruflich genutzten Arbeitszimmer in der Mietwohnung einmal absieht.

Ein "ewiger Mieter" sorgt am schlechtesten für sein Alter vor. Im Ruhestand wird nämlich die Belastung durch Miete und Nebenkosten einen immer größeren Anteil an den dann drastisch gesunkenen Renten aufzehren.

Wenig sinnvoll ist es auch, so lange zu sparen, bis man genug Geld für die eigenen vier Wände zusammen hat. Denn das wachsende Geldvermögen wird mit den Immobilienpreisen auf Dauer nicht Schritt halten. Zudem verzichtet man Jahre lang auf die höhere Lebensqualität des Eigenheims.

Für langfristig planende Mieter bedeutet dies: Schon heute ist es ratsam, die richtigen Weichen für die Wohnzukunft zu stellen. Wer sich ein Eigenheim in Berlin oder im Umland bereits jetzt finanziell leisten kann, sollte seinen Traum von den eigenen vier Wänden nicht auf die lange Bank schieben. Die zur Zeit noch niedrigen Immobilienpreise und Hypothekenzinsen laden zum Einstieg ein. Wie lange es dabei bleibt, ist ungewiss. Die Inflation steigt in Deutschland und aus der Vergangenheit weiß man, dass dies höhere Zinsen zur Folge hat.

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