Zeitung Heute : Die Entdeckung der Langsamkeit
23.08.2008 00:00 UhrVan de Wetering ist ein bekannter niederländischer Name. Zwei Holländer, beide Meister in ihrem jeweiligen Fach, machten ihn über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Der eine war erst Polizist in Amsterdam, um nach einigen im Zen-Kloster verbrachten Jahren Kriminalromane zu schreiben. Der andere ist Schiffbaumeister und baut seit jeher feinste Boote. Klassisch geschnittene Motorsloepen, zu Deutsch Motorschaluppen, die unter dem Namen WeCo vertrieben werden. Zahlreiche weitere Hersteller bieten Slupen oder Schaluppen sowie den Hummerbooten ähnliche Varianten dieser offenen Boote an, beispielsweise die offenen Retroklassiker von Long Island.
In den Niederlanden begann man vor rund 15 Jahren, ältere offene Schaluppen zu familiengerechten Ausflugsbooten umzugestalten. Mittlerweile gibt es im Land der Grachten und Kanäle eine Flotte von mehreren tausend Booten. Die eigentliche offene Form der Sloepen wird seit einigen Jahren auch von verschiedenen Modellen mit Kabine begleitet, denn viele Skipper wollten auch längere Törns damit fahren.
Der Motor tuckert nur leise und man sitzt bequem auf breiten, gut gepolsterten Rundbänken. Alle haben genug Platz und Beinfreiheit. Kaffeetrinken geht problemlos, weil das Boot kaum schwankt. Getrost kann man auch Opa und Oma mitnehmen, das schwere Boot liegt auch beim Einsteigen stabil im Wasser. Und es sind keine großen Vorbereitungen nötig: einfach einsteigen und losfahren.
Für Großstadtkanäle und Innenstadtflüsse gut geeignet ist beispielsweise das mittelgroße Modell WeCo 635. So manches maritime Kleinod ist mit den längeren Modellen vielleicht gar nicht mehr zu befahren, etwa Klein-Venedig am Müggelsee. Die vom Köpenicker Bootshändler Spreemarine angebotene WeCo eignet sich als solides, klassisch geklinkertes Boot aus Polyester gut für Tagestörns mit bis zu sieben Personen an Bord. Es bietet zudem Übernachtungsmöglichkeiten für zwei Personen.
In den engen Kanälen von Klein-Venedig mutet die Fahrt mit einer Slup wie eine Reise mit dem Kreuzfahrtschiff an. Ohne Hektik und mit ein wenig Geduld lässt sich eine Schaluppe hier ausgezeichnet manövrieren, und das Publikum ringsumher dankt es mit stiller Anerkennung.
Annette Haag und Hansjörg Leser waren früher selbst mit Charterbooten auf den Binnengewässern Europas unterwegs. Ihr erstes eigenes Boot „Anna Blume“ gab der von ihnen gegründeten Bootscharterfirma ihren Namen. Sie vermieten in Berlin klassische und solide Sloepen des niederländischen Marktführers Antaris, für die sie im Jahr 2008 praktischerweise auch die Verkaufsvertretung in Berlin übernommen haben. Wer will, kann also erst mieten und später dann kaufen.
An der Stadtspree liegt die Schaluppe „Pamina“ mit Platz für acht Personen, die statt mit Diesel auch mit wasserfreundlichem Pflanzenöl befeuert werden kann. In Woltersdorf bei Berlin kann man den Spitzgatter „Susanna“ mieten. Etwa gleich groß und ebenso komfortabel wie „Pamina“ bietet „Susanna“ eine Besonderheit: Sie lässt sich in wenigen Minuten zum Segelboot umrüsten. Und „Susanna“ segelt sogar ziemlich gut. Die Kajütsloep „Don Giovanni“ schließlich ist das Schmuckstück der Flotte und wird nur mit Skipper vermietet. Das geräumige offene Achterdeck des knapp zehn Meter langen Bootes ist schön mit Teak und Mahagoni ausgebaut.
Eine den Hummerbooten ähnliche Varianten Variante des Slupen-Konzepts bieten die Boote des Typs Long Island. Die Wurzeln dieser niederländischen Bootsmarke reichen zurück ins Jahr 1962, als die in Warmond ansässige Werft Van Leest mit dem Bau von Polizei- und Feuerwehrbooten begann. Gert Jan van Leest, Mitglied der zweiten Generation der Schiffsbauerfamilie, und der Bootsdesigner Onno Laarhoven entwickelten daraus gemeinsam eine neue Modellreihe. Ihr Ziel war dabei nichts weniger als die sinnvolle Verbindung der eleganten Linien US-amerikanischer Lobsterboote mit der Robustheit der vertrauten holländischen Patrouillenboote.
Die in Deutschland von Mannheim aus vertriebenen Long-Island-Reihe umfasst heute drei Modelle in zwei Rumpflängen, die in insgesamt sechs Varianten erhältlich sind. Die Long Island 28 Sportsman, 33 Sportsman und 33 Runabout, die über ein großes offenes Cockpit verfügen, können alternativ jeweils auch mit großer achterlicher Liegefläche als sogenannte Sun-Version geordert werden – schön für die letzten Sommertage in und am Rande der Hauptstadt.








