Zeitung Heute : DIE EQUIPE TRICOLORE BEMÄNGELT UNTERSTÜTZUNG DURCH FANS: Spieler suchen Hilfe bei Chirac

PARIS .In ihrer Sorge um die fehlende Fan-Unterstützung suchen die Spieler der "Equipe Tricolore" Hilfe bei Jacques Chirac.Der französische Staatspräsident soll als Ehrengast beim Finale gegen Titelverteidiger Brasilien ein Zeichen setzen, um die viel zu zahmen Stadionbesucher der Grande Nation endlich zu den dem Spektakel angemessenen Begeisterungsstürmen zu animieren."Herr Chirac sollte sich das französische Nationaltrikot anziehen.Nelson Mandela hat das mal ganz toll vorgemacht", forderte Abwehrspieler Frank Leboeuf vor dem Spiel des Jahres am Sonntag (21 Uhr/live in der ARD) in St.Denis den vollen Einsatz des Patrioten Chirac.Der hatte vom Verband einst den blau-weiß-roten Dreß mit der Nummer 23 geschenkt bekommen.

Kapitän Didier Deschamps, der sich nach dem 2:1-Halbfinalsieg über Kroatien beim immerhin größten WM-Erfolg bitter über die mangelnde Unterstützung im 80 000-Mann-Stadion beklagt hatte, will dem Anhang noch eine Chance geben."Ich hoffe, die Leute wachen am Sonntag endlich auf, denn ich habe keine Lust, 90 Minuten nur Samba zu hören." Er will sich dafür einsetzen, daß künftig der wahre, nicht der versnobte Fan zum Zuge kommt."Als wir aus der Kabine kamen, waren wir geschockt.Ich dachte, wir sind auf einer Beerdigung - überall dunkle Anzüge und Krawatten.Es ist klar, daß man mit Schlips und Kragen in der Ehrenloge sitzt, aber nicht zwei Drittel der Leute im Stadion.Wir müssen dafür sorgen, daß die echten Fans ins Stadion kommen", kündigte der einflußreiche Kapitän einen Vorstoß an.

Der Ärger ist verständlich: Denn während die "Blauen" erstmals in ein WM-Endspiel einzogen und in der Nacht 350 000 feiernde Menschen aus den Champs-Elysées die größte Fußgängerzone der Welt machten, war in der Arena schon zehn Minuten nach Abpfiff "tote Hose" - das Stade de France war bereits halbleer.Während der Partie hatte Lionel Charbonnier immer wieder mit rudernden Armbewegungen versucht, die Stimmung auf den Rängen anzuheizen."Es kann nicht sein, daß ich die Leute anfeuern muß.Sobald ich aufgehört habe, war es ruhig, Das muß am Sonntag besser werden", sagte Frankreichs dritter Torwart.

Fußball gespielt werden soll am Sonntag auch.Frankreichs Nationaltrainer Aimé Jacquet will seine viereinhalbjährige Amtszeit mit dem Titelgewinn krönen und danach zurücktreten.Geht es nach Glatzkopf Leboeuf, neuer Abwehrchef nach der Sperre von Blanc, braucht sich Jacquet keine Sorgen zu machen."Wir spielen sicherlich gegen eine der besten Mannschaften der Welt", sagt Leboeuf.Aber sein Team werde gewinnen, "weil Frankreich die beste Mannschaft der Welt hat", behauptet der neue Abwehrchef.Was soll er auch anderes sagen?

Ganz besonders unter Druck im Team des Gastgebers steht Zinedine Zidane.Er muß gegen den Ruf ankämpfen, daß er keine Endspiele gewinnen kann.Denn mit den Girondins Bordeaux (1996) und Juventus Turin (1997, 1998) hat er zuletzt drei Europacup-Finalspiele in Serie verloren.Der 26jährige Star-Akteur, auf den es in der französischen Auswahl ohnehin immer ganz besonders ankommt, betont zwar stets, daß die Behauptung, er habe nun große Angst vor Endspielen, "absoluter Quatsch" sei.Doch Nerven zeigt er vor dem Duell mit den Brasilianern allemal.Als er im WM-Quartier in Clairefontaine bei einer Pressekonferenz von Journalisten auf sein vermeintliches Endspiel-Trauma angesprochen wurde, verdrehte Zidane die Augen und verließ kommentarlos den Raum.

Noch vor dem Anstoß des Endspiels führen Brasiliens Ronaldo und Frankreichs Zinedine Zidane das 16köpfige All-Star-Team der Fußball-WM an.Dieses wurden von WM-Sponsor Master Card auf einer Pressekonferenz in Paris vorgestellt.Ein Spieler von Europameister Deutschland, der im Viertelfinale ausgeschieden war, ist nicht vertreten.Einziger Trost aus deutscher Sicht: In einer Weltelf des 20.Jahrhunderts ist neben den Größen wie Alfredo di Stefano, Pelé und Diego Maradona auch Franz Beckenbauer vertreten.Zusammengestellt wurde das All-Star-Team von einem Gremium des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA) mit den erfahrenen Fußballehrern Rinus Michels, Andy Roxburgh und Dr.Jozef Venglos an der Spitze.

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