Zeitung Heute : Die Ernte aus der vierten Etage

Mit der richtigen Pflege gedeihen Obst und Gemüse prima auf dem Balkon

Dorothee Waechter[dpa]
Paprika eignen sich sehr gut für den Anbau in Töpfen und Kästen. Experten zufolge wachsen sie auf einem überdachten Balkon sogar besser als im Freiland. Foto: dpa/tmn
Paprika eignen sich sehr gut für den Anbau in Töpfen und Kästen. Experten zufolge wachsen sie auf einem überdachten Balkon sogar...Foto: dpa-tmn

Wer keinen Garten oder nur ein kleines Fleckchen Grün hat, der muss auf Gurken, Tomaten, Bohnen oder Erdbeeren aus eigener Ernte nicht verzichten. Die Köstlichkeiten wachsen auch in Kästen und Ampeln auf Balkon oder Terrasse. Manche Sorten gedeihen dort sogar noch besser als im Freiland.

Die Aufzucht von Gemüse und Obst im Kübel ist auch für Gartenbesitzer nicht ungewöhnlich und wird schon lange kultiviert: Bereits der Kurfürstlich-Sächsische Hofgärtner Johann Heinrich Seidel pflegte im 18. Jahrhundert sogenannte Obst-Orangerien. Der Adel wollte auf die Köstlichkeiten zu keiner Jahreszeit verzichten und vor allem den Genuss haben, das reife Obst an der gedeckten Tafel direkt vom Baum zu pflücken. So wurden Zwergformen herangezogen. Wenn die Früchte reif waren, stellte man die feinen Keramiktöpfe direkt auf die Tafel. „Wer heute Obst oder Gemüse auf dem Balkon anbaut, hat vor allem Freude am Beobachten und eigenen Ernten“, sagt Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim.

Nutzpflanzen im Topf brauchen gute Standortbedingungen. „Die Pflanzen benötigen möglichst viel Licht, damit sie große, zarte und schmackhafte Früchte bilden können“, sagt Scheu-Helgert. Bis zu sechs Stunden Sonnenlicht seien wichtig. Die Landschaftsgärtnerin und Buchautorin Ursula Barth rät allerdings davon ab, die Pflanzen auf einem sonnenverwöhnten Südbalkon ungeschützt stehen zu lassen. Sie würden in der Mittagshitze unter Trockenheit leiden. Daher sollten die Gefäße mit Bastmatten oder von anderen Töpfen beschatten werden. Auch zugige Standorte sind zu meiden, „weil Zugluft die Entwicklung der Pflanzen hemmt und Schädlinge wie Läuse leicht übertragen werden“, ergänzt Barth.

Neben Licht gehören Wasser und Nährstoffe zu den wichtigen Wachstumsfaktoren. „Hochwertige Substrate speichern viel Wasser und Nährstoffe“, sagt Scheu- Helgert. „Und gleichzeitig sollte auch Luft an die Wurzeln kommen.“ Daher muss das Substrat ein ausgewogenes Verhältnis von Feinanteilen zu grobfaserigen Teilen enthalten. „Eine hochwertige, fertig gemischte Balkonerde verspricht einen guten Ertrag für Gemüse, Salate und Kräuter“, sagt Barth. „Obstgehölze, die über mehrere Jahre in einem Gefäß wachsen, benötigen ein Substrat mit strukturstabilen Anteilen wie Blähton.“ Entweder mischt man Blähton unter oder man verwendet ein Spezialsubstrat für Dachbegrünung.

Da sich die Pflanzen auf dem Balkon nicht selber versorgen können, muss man sie häufig gießen und ihnen große Töpfe geben, in denen viel Wasser gespeichert wird. „Ein würfelförmiges Gefäß mit zehn Zentimeter innerer Kantenlänge enthält einen Liter Substrat. Ein doppelt so großes Gefäß mit 20 Zentimeter Kantenlänge enthält acht Liter“, sagt Scheu-Helgert. Und Barth rät von unglasierten Tontöpfen ab, die viel Wasser ungenutzt verdunsten lassen. „Dunkle Töpfe heizen sich stark auf, so dass die Wurzeln beschädigt werden.“ Weiter empfiehlt sie, morgens oder vormittags zu gießen, da dann das Wasser direkt verwertet werde. Gießt man abends, blieben die Pflanzen feucht und es könnten sich Pilzkrankheiten ausbreiten.

Tomaten, Paprika und Peperoni eigneten sich sehr gut für den Anbau in Töpfen und Kästen, erläutert die Agrarwissenschaftlerin Brunhilde Bross-Burkhardt. „Auf überdachten Balkonen wachsen diese Arten sogar besser und gesünder als im Freiland, wenn sie gut mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden.“ Ideal sind kompakt wachsende Balkontomaten, weil das Höhenwachstum begrenzt ist. Weiterhin empfiehlt sie Andenbeeren und Babyleaf-Salate oder Wilde Rauke für den Anbau im Gefäß.

Auf dem ersten Platz beim Obst stehen kletternd oder hängend wachsende Erdbeeren. Scheu-Helgert empfiehlt auch Himbeeren, Speisetrauben und Johannisbeeren. „Obstbaumschulen bieten seit einigen Jahren verstärkt kleinwüchsige Züchtungen von Baumobstarten wie Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge und Pflaume an“, sagt Bross-Burkhardt. Diese platzsparenden Säulenobstbäume und klein bleibenden Obstbäume mit Krone eigneten sich für die Topfkultur ebenso wie für den kleinen Garten. Wer das Besondere liebt, sollte laut Bross-Burkhardt Kulturheidelbeeren pflanzen. „Wichtig ist dabei nur, dass man eine saure Pflanzenerde, zum Beispiel für Moorbeete und Rhododendron, verwendet“, erläutert die Agrarwissenschaftlerin.

Obstgehölze erfordern mehr Pflege als Gemüsepflanzen, denn sie müssen gut durch den Winter gebracht werden. „Wer die Kübel nicht in der Erde vergraben kann, stellt den Topf unmittelbar an eine geschützte Hauswand und beugt mithilfe von Noppenfolie und Vlies, die um den Wurzelballen gewickelt werden, Temperaturschwankungen vor“, rät Scheu-Helgert.

Damit der Blütenschmuck auf dem Balkon nicht zu kurz kommt, kann man Obstbäumchen und hochwachsende Strauchtomaten mit klassischen Balkongewächsen unterpflanzen. Duftsteinrich (Lobularia) und Goldtaler (Asteriscus) bleiben relativ klein und bedrängen Gemüsepflanzen oder Salate nicht. Auch Kräuter mit hübschen Blüten wie Ysop, Salbei, Borretsch und Kerbel sorgen dezent für Blütenschmuck. Dorothee Waechter, dpa

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