Zeitung Heute : Die erste Botschaft

Hans Monath

Der neue US-Botschafter in Berlin, William R. Timken, hat sich am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Wie kann er das deutsch-amerikanische Verhältnis beeinflussen?

Den neuen US-Botschafter William R. Timken verbindet eine gemeinsame Erfahrung mit seinem Vorgänger Dan Coats: Kaum hatte der Unternehmer aus Ohio nun seinen Posten in Berlin angetreten, musste er erleben, dass sein Heimatland von einer nationalen Tragödie getroffen wurde – dem Hurrikan „Katrina“. Auch Coats, den wie Timken ein enges Vertrauensverhältnis mit Präsident Bush verbindet, hatte im Herbst 2001 gerade seine Arbeit aufgenommen, als die USA von einem Schock getroffen wurden – von den Terrorangriffen auf New York und Washington.

Für die Unterstützung der Deutschen in schlimmer Lage dankte damals Coats mit ebenso starken Formulierungen wie nun Timken, der die Hilfe aus Berlin als „Beweis für die Tiefe und Stärke unserer Beziehungen“ lobte. Als künftige Aufgaben nannte Timken Themen, an denen Washington und Berlin auch während des Tiefpunkts der Beziehungen im Irakkrieg noch gemeinsam arbeiteten, wie den Kampf gegen den Terrorismus und gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, die Stabilisierung Afghanistans und die Bemühungen zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts, aber auch den Kampf gegen Drogen- und Menschenhandel sowie die Förderung der nachhaltigen Entwicklung Afrikas.

Doch wichtiger als diese Agenda dürfte für die deutsch-amerikanischen Beziehungen der diplomatische Stil des neuen Botschafters werden. An den knüpfen sich nach den Erfahrungen mit Vorgänger Coats in Berlin große Erwartungen. „Es konnte nur besser werden“, heißt es von deutscher Seite. Coats hatte noch vor seiner Ankunft in Berlin eine Aufstockung des deutschen Wehretats verlangt und auch später mit ruppigen Anrufen im Kanzleramt für Verstimmung gesorgt. Schließlich spottete Kanzler Schröder laut über den Mann aus Washington.

Vom neuen Bevollmächtigten erwarten sich deshalb Außenpolitiker der Koalition, dass er mehr Interesse für sein Gastland aufbringt als der Vorgänger und deshalb deutsche Vorstellungen und Wünsche auch besser an seine Regierung vermitteln kann. Dass der Nachfahre deutscher Auswanderer als Geschäftsmann über eine reiche internationale Erfahrung verfügt, gilt als gutes Vorzeichen. Auch die Kunst der diplomatischen Rede beherrscht der neue Diplomat schon perfekt. Obwohl die Bush-Administration auf einen Regierungswechsel in Berlin hofft, wehrte Timken Fragen nach einer künftigen Verbesserung der Beziehungen unter einer CDU-Regierung routiniert ab: „Diese Wahl ist ganz allein Sache der Deutschen.“

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