Zeitung Heute : Die Freiheit der Farben

NINA PETERS

Eine Ausstellung im Schloß Charlottenburg erinnert an den Galeristen, Mäzen, Sammler und Maler Hans Pels-LeusdenDer Sammler Hans Pels-Leusden (1908-1993) war fasziniert von den Werken der Künstlerin Käthe Kollwitz.Er erkannte ihre Bedeutung zu einem Zeitpunkt, da ihr von der Öffentlichkeit so gut wie keine Aufmerksamkeit zuteil wurde, und erwarb eine Sammlung, die zum Grundstock werden sollte für das 1986 gegründete Käthe-Kollwitz-Museum in der Berliner Fasanenstraße.Als Galerist, Buchhändler, Ausstellungsmacher, Mäzen, Antiquar und nicht zuletzt als Maler prägte Pels-Leusden die Berliner Kunstszene.Eine Auswahl aus der Privatsammlung des Kunstliebhabers, die er dem Kollwitz-Museum nach seinem Tode hinterließ, ist noch bis zum 17.August in der Kleinen Orangerie des Charlottenburger Schlosses zu besichtigen. Die rund 60 Gemälde und Skulpturen sind zum einen Werke aus dem Freundeskreis Pels-Leusdens: kopflose, gespaltene Menschenleiber mit hervorquellenden Organen sowie die "Metamorphosen" sind Radierungen von Willy Jaeckel, der Pels-Leusden von 1929 bis 1931 an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin unterrichtete.Die schwerelosen Gouache-Arbeiten von Hans Kuhn wirken daneben unerhört heiter.Von Waldemar Grzimek sind vorwiegend Radierungen aus den Zyklen "Paare" und "Im Spiegel" ausgestellt, sowie Bronzeskulpturen aus seiner späten Schaffensphase.Zum anderen sind Werke von Käthe Kollwitz zu sehen, frühe Lithographien aus dem Zyklus "Weberaufstand" beispielsweise.Den Aspekt der Anklage und der kritischen Stellungnahme im Werk von Käthe Kollwitz findet man in Pels-Leusdens eigenen Werken nicht: Es sind vorwiegend Landschaftsdarstellungen und freie Farbkompositionen, deren Zeichensystem asiatischen Motiven entlehnt zu sein scheint.Dabei soll "Pels-Leusden als Künstler nicht überpointiert werden", sagt Martin Fritsch, der die Auswahl als Leiter des Käthe-Kollwitz-Museums zusammenstellte.Trotzdem steht die Figur Pels-Leusden im Mittelpunkt der Ausstellung: als ein Meter große Bronzestatue, angefertigt von Waldemar Grzimek. Bei allen thematischen Unterschieden der ausgestellten Werke - Ähnlichkeiten bestehen teilweise doch zwischen den Lebensläufen der Künstler: Um 1900 geboren, wurden sie Opfer des Naziterrors und mußten durch Bombenzerstörung große Verluste ihrer Werke hinnehmen. Hans Pels-Leusden, der sich einmal als der "meistausgebombte Maler" bezeichnete, ist dabei keine Ausnahme.Sein Frühwerk wird daher nur durch das Gemälde "Magischer Raum" aus dem Jahr 1932 repräsentiert.Leider ist versäumt worden, eingehender auf die bewegenden Biographien der einzelnen Künstler einzugehen, die das Leben Pels-Leusdens auf unterschiedlichste Weise prägten.Die Ausstellung ist daher zum einen eine Erinnerung an den Maler, im Kontext der künstlerisch sicherlich weitaus interessanteren "Künstlerfreunde", jedoch vor allem eine Hommage an den Sammler und Mäzen Hans Pels-Leusden.NINA PETERS Kleine Orangerie, Schloß Charlottenburg, bis 17.August, Dienstag bis Freitag 15-18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 14-18 Uhr.

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