DIE GASTROKRITIK : Manche mögen’s weiß

Im Restaurant Chopin in Wannsee wird Gutes aus kunstvolle Weise serviert

Daniela Martens

Von Daniela Martens

Weiß. Überall Weiß: Die makellosen Tischdecken, die Deckenbalken, Korbstühle, das Klavier und natürlich Wände und Teller. Aber das Chopin in Zehlendorf wirkt alles andere als langweilig und steril, denn das Weiß dient hier als eine Art Leinwand: An den Wänden hängen bunte abstrakte Gemälde der Berliner Künstlerin Jutta Römer. Wem die intensiven Farben, die Striche und Flächen gefallen, der kann die Bilder kaufen.

Doch nicht nur an den Wänden, sondern auch auf den Tellern gibt es im Chopin Kunstwerke: Jetzt bringt der besonders aufmerksame Kellner Matjesfilet-Tatar auf kleinen Kartoffelpuffern (3,90 Euro) – drapiert mit halbierten Mini-Flaschentomaten, Häufchen aus Rote Beete und Meerrettich, Lauch, Salat und hingetupften Schlangenlinien aus rosa Sauce. Das Ergebnis übertrifft die Bilder an den Wänden noch, denn man kann das Werk schließlich nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Gaumen genießen. Dem schmeichelt der nächste Gang noch mehr: „Pierogi“ (Drei als Vorspeise für 6,90 Euro oder sechs als Hauptgericht für 12,90 Euro) sind gebratene Teigtaschen gefüllt mit Quark, Fleisch oder Steinpilzen und Sauerkraut, dazu Kümmelsauerkraut, Speckstreifen und wieder das köstliche Rote-Beete-Meerettich-Gemisch. Im Chopin findet man Deftig-Bodenständiges (Kohlrouladen 10,90 Euro oder Sauerbraten 11,90) aber auch Ausgefallenes („Verrückte Flugentenbrust“ mit Rosmarin, Orangen und Weintrauben geschmort, dazu Pflaumenklöße 14,90 Euro).

Wem das an Sinnesreizen noch nicht ausreicht, der kann in dem kleinen weißen Haus im alten Kern von Wannsee auch noch seine Ohren beglücken: Immer wieder werden dort Musikabende veranstaltet. Dann wird Jazz gespielt oder – natürlich – Chopin.

— Wilhelmplatz 4, Tel.: 805 30 33, tägl. 12 bis 24 Uhr

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