Zeitung Heute : Die große Verheißung

Stichwort UMTS: Warum die neue, schnelle Handy-Technik so lange auf sich warten lässt

Rainer Bücken

TRENDS, TECHNIK, GERÄTE: DIE CEBIT 2003 IN HANNOVER

Es klingt wie die mobile Verheißung schlechthin: Universal Mobile Telecommunications System, kurz UMTS, die schöne, neue Handy-Technik, die uns per Breitband noch mehr und vor allem noch schnellere Kommunikation ermöglichen soll. Es ist die große Zeit der Anbieter-Versprechen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir UMTS ebenso zum Erfolg bringen werden, wie dies mit anderen innovativen Technologien und Standards in der Vergangenheit gelungen ist“, sagte kürzlich Kai-Uwe Ricke, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. Und Frank Dubb, Präsident und Vorstandsvorsitzender von Nortel Networks, glaubt sogar, dass „die UMTS-Technik das Potenzial hat, die GSM-Erfolgsgeschichte zu wiederholen“. In der Mobilkommunikation werde das Breitband den gleichen Quantensprung bedeuten, wie er beim festnetzbasierten, schnellen Internetzugang erfolgt ist.

Abwarten. Es wird jedenfalls schon mal gebaut, aufgebaut. Zu den 20 000 jetzt schon vorhandenen Standorten für D1-Basisstationen kommen weitere, vor allem im ländlichen Bereich. Und losgehen mit UMTS soll es auch recht bald, nämlich im dritten Quartal dieses Jahres. Dazu sind schon jetzt 75 Städte versorgt, in den verbleibenden Monaten werden weitere 200 Städte ausgerüstet. „Damit erreichen wir bereits am Anfang mehr als 25 Prozent der Bevölkerung und übertreffen so die Anforderungen der Regulierungsbehörde“, sagt René Obermann, Vorstand von T-Mobile. Vodafone, ehemals Mannesmann, hat jetzt mit 22,7 Millionen Mobilfunkteilnehmern zwar knapp zwei Millionen weniger als Marktführer T-mobile, hat aber sein 3G-Netz bereits in 100 Städten funktionsbereit. „Bei Großkunden werden wir noch im Frühjahr mit UMTS an den Start gehen“, so Pressesprecher Jens Kürten.

Wozu braucht man nun UMTS genau? Der Faktor Sprache ist bei der neuen Technik eher Nebensache, denn mit Zusatzdiensten sollen neue Nutzerkreise erschlossen werden. Das dafür nötige Gerätespektrum reicht vom Handy bis zur Armbanduhr, vom PDA (Personal Digital Assistant) bis zum Gameboy und Laptop. Der Fantasie der Entwickler scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein, nur dem Bedarf der Nutzer. Lars Godell, Chefanalyst bei Forrester Research, sieht in UMTS allerdings keinen großen Wachstumstreiber für die Wirtschaft. Als Begründung hat dieses Institut herausgefunden, dass im Jahr 2007 nur zehn Prozent aller europäischen Mobilfunkteilnehmer 3G nutzen werden – und nicht die vor wenigen Jahren prognostizierten fünfzig Prozent. Verzögerung beim Ausbau, bei der Gerätesituation und der Versorgung – das sind die wichtigsten Gründe für den späten Start. Auch wollen die Nutzer nicht mehr zahlen – so dürften die Betreiber erst nach 2014 schwarze Zahlen schreiben.

UMTS soll Bandbreiten von 64 bis 384 Kilobit pro Sekunde erreichen. Wer mehr verspricht, mogelt. Für so hohe Datenraten zeichnen sich bislang sehr wenige Geschäftsmodelle ab, die wirklich Geld bringen. Der immer wieder erwähnte Filmclip wird es ebenso wenig sein wie ein komplettes Fußballspiel. Schließlich gibt es auch andere breitbandige Dienste, GPRS oder DVB-T. Und der Multimedia Messaging Service (MMS) funktioniert schon heute mit GPRS- Übertragungsraten bis 60 Kilobit pro Sekunde recht gut. Vodafone lädt Interessenten neuerdings zu einer UMTS-geführten Stadterkundung durch die Messestadt ein. Fast-Internet auch unterwegs – diese Vision wird auch gerne von T-Online propagiert. Noch sind diese Dienste allesamt sehr teuer. T-Mobile will nun die Preise für Datenübertragung um bis zu siebzig Prozent senken, und zwar bei GPRS und – später – UMTS.

Dass UMTS künftig kleiner ausfallen wird als noch bei der Frequenzversteigung am 18. August 2000 vermutet, liegt auf der Hand. Von den einstigen sechs Mitbietern sind nur E-plus, Mannesmann Mobilfunk, T-Mobile und O2 (Viag Interkom) geblieben, Group 3G, zuletzt Quam genannt, und MobilCom sind aus dem Rennen.

T-Mobile: Halle26, Stand A01. Vodafone: Freigelände südlich Halle 25, Stand G04. E-plus: Halle 12, Stand A55/B50 . O2: Halle 12, Stand B06.

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