• "Die Großen schlagen nicht die Kleinen" - Der Makler und Online-Unternehmer Uwe Göckeritz über neue Wettbewerber

Zeitung Heute : "Die Großen schlagen nicht die Kleinen" - Der Makler und Online-Unternehmer Uwe Göckeritz über neue Wettbewerber

Ein neuer Anbieter will die Vermarktung von Gewerb

Uwe Göckeritz, Geschäftsführer von Invariant, über die Chancen und Grenzen von Immobilien-Vermarktung im Internet, den Versuch eines neuen Wettbewerbers, eine Internet-Plattform für die Darstellung von Gewerbe-Immobilien zu errichten, und die Bedeutung der Print-Medien.

Ein neuer Anbieter will die Vermarktung von Gewerbe-Immobilien im Internet vorantreiben. Ihr Haus bietet bereits seit einigen Jahren eine ähnliche Internet-Plattform für Büroflächen-Angebote. Fürchten Sie nun um Ihre Pfründe?

Nein, wir haben vier Jahre Vorsprung, und im Internet schlagen nicht die Großen die Kleinen, sondern die Schnelleren die Langsameren. Mitte der Neunziger haben wir mit dem Aufbau eines Informations-Dienstes begonnen. Wir wollten eine Übersicht aller Berliner Büro-Immobilien geben. Auf unserer Website standen etwa 500 Objekte. Diese Auflistung entstand in Kooperation mit dem Plötz-Verlag und der Industrie- und Handelskammer. Der Verleger Plötz bietet eine entsprechende Publikation in gedruckter Form im Buchhandel an. Die IHK hatte damals eine Übersicht von Immobilien im Rahmen ihres Büroflächenberichtes erstellt.

Heute listen Sie im Bezirk Mitte nur noch ein halbes Dutzend Objekte auf. Woran scheiterte Ihr Vorhaben?

Wir hatten einen sehr frühen Zeitpunkt für unser Projekt gewählt. Das Internet war 1996 noch nicht in aller Munde. Zudem ist ein Listing-Service, wie in den USA üblich, nach hiesigem Maklerrecht schwer durchzusetzen. Wegen der noch schlecht entwickelten Kommunikation zwischen den Maklern ist man gehalten, die Objekte selbst zu kennen, wenn man sie vermitten will. Dies ist bei einer repräsentativen Zahl von Immobilien nicht zu bewerkstelligen. Mit den Folgen mangelhafter Objektkenntnis machten wir einschlägige Erfahrungen. In einem Fall drohte uns eine Firma mit einer Klage, weil wir eine falsche Angabe über den Mietpreis ins Netz gespeist hatten. Glücklicherweise kam es zu einer Einigung. Dennoch haben wir uns wegen solcher Erfahrungen vom Informations-Dienst verabschiedet.

Ist vielleicht auch das Problem der Makler-Courtagen eine Ursache dafür, dass kaum jemand eine umfängliche Objektliste wünscht?

Nicht nur. Eine Präsentation, wie wir sie bieten, lässt sich nicht aus dem Informationsgeschäft, sondern nur aus dem Immobilien-Geschäft finanzieren. Wenn jemand seine Objekte detailliert im Internet präsentiert, dann tut er dies in der Regel auf der eigenen Website. Denn eine gute Präsentation ist dem Image des Bauträgers förderlich. Außerdem kann ein Anbieter auf der eigenen Domain zusätzliche Dienstleistungen anbieten. Ist ein Bauträger darüber hinaus bereit, seine Präsentation mit einem Informations-Dienst durch ein Link zu verbinden, dann will er meistens kein zusätzliches Geld dafür ausgeben. Informations-Dienste leben vorranging von den Einnahmen, die sie aus der Werbung auf ihrer Site erwirtschaften.

Das Konzept von Globe Media sieht Einnahmen durch Gestaltung von Web-Auftritten vor. Ist das nicht die Lösung des Problems?

Es ist nicht die Lösung des Problems. Man darf bei diesem Wettbewerber nicht vergessen, dass hinter der Plattform ebenfalls ein Makler steht. Im Klartext, der Makler Kupsch hofft, dass er die Kontakte über die von Globe Media eingerichtete Plattform letztlich in eigene Makler-Courtagen umwandeln kann. Das erklärt, warum bislang lediglich Objekte nur einer Maklerfirma auf der betreffenden Plattform stehen. Er nutzt also die von der Plattform ausgehende Werbung, um seine Objekte zu vermieten und damit die Courtage vereinnahmen zu können. Die zweite Einnahmequelle wäre eine kostenpflichtige Präsentation von Büro-Objekten unter dem Dach von Globe Media. Hier bleibt abzuwarten, wie Immobilieneigentümer das annehmen. Mit dieser Dienstleistung muss sich das Unternehmen dem Wettbewerb mit Werbeagenturen, innovativen Internet-Tüftlern und professionellen Webmastern stellen.

Wie lange bewegen Sie sich mit diesem Kombi-Angebot auf dem Markt, und wie werden solche Dienste von Kunden angenommen?

Seit Ende 1996 gibt es Berlin-Office. Nach der erwähnten Änderung des Konzeptes und den hierzulande bekannten Startschwierigkeiten des Internets überhaupt, nutzen mittlerweile viele potentielle Miet-Interessenten unseren Dienst, um sich über Objekt-Angebote und Service-Dienstleistungen zu informieren. Die Vermieter können ihre Objekte auf unserer Plattform kostenlos präsentieren. Wer sich keine eigene Internet-Präsenz erstellen lässt, gibt uns den Auftrag, Mietinteressenten zu suchen. Er gestattet uns dann, das neue Medium für unsere Aufgabe zu nutzen. Die dabei entstehenden Unkosten müssen wir aber am Ende aus der Vermittlungsprovision bestreiten. Zusätzliche Kosten für einen Internet-Auftritt, und befinde er sich auch auf einer Informations-Plattform, nehmen Vermieter nur in den seltesten Fällen auf sich.

Reicht Ihnen denn die eigene Plattform aus, um die Objekte bekannt zu machen?

Nein, wir bedienen uns der gängigen Suchmaschinen. Für den speziellen Bereich der Büro-Immobilien ist das zum Beispiel die aus Hamburg stammende Estate.net. Dabei handelt es sich um die größte Deutsche Immobilien-Zeitung mit einer Datenbank für Immobilien aller Art. Sie erzielt bereits bundesweit einen hohen Bekanntheitsgrad. Auf diese Plattform speisen wir unsere Daten ein, denn hier besteht die Chance auf eine größere Resonanz. Darüber hinaus suchen wir Möglichkeiten, über die bekannten Verbände Kooperationen mit Kollegen aus der Maklerschaft einzugehen. Natürlich würden wir die Kollegen gerne für unsere eigene Plattform gewinnen.

Inwiefern können Sie durch Internet-Werbung das Anzeigengeschäft von Printmedien umgehen?

Das Geschäft Ihrer Zeitung ist durch das Internet nicht zu umgehen. Um einer breiten Öffentlichkeit Objekte zu präsentieren, benutzen wir natürlich Print-Medien. Aber wir machen in den Anzeigen durch die Publikation der Internet-Adresse auf unsere Website aufmerksam, wo wir zusätzliche Informationen geben.

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