Zeitung Heute : Die Häuser der Familie Mendelssohn

Der Tagesspiegel

Persönlichkeiten mit weit über ihre Lebensfrist reichender Bedeutung werden in ihren Werken erkennbar. Das Persönliche wird besonders begreifbar mit den Häusern, in denen sie wohnten und wirkten. Da ist Berlin infolge Kriegsverwüstung und Nachkriegs-Schnödigkeit auf nur noch wenige Adressen angewiesen. Das nimmt die Berliner Mendelssohn-Gesellschaft in die Hand, um einer „bürgerlichen Dynastie von Bankiers, Wissenschaftlern, Unternehmern, Bildenden Künstlern und Erziehern“ zur allfälligen Kenntnisnahme, ja Würdigung zu verhelfen. Die Mendelssohns stammen vom aufgeklärten Philosophen, dem „Menschenfreund“ (Heinz Knobloch) Moses ab. Er kam nach Berlin, arm, barfuß und sehr reich an Talent zum Menschenfreund. Er wurde gedemütigt von einer Obrigkeit, aber sein Talent trug ihn über diese Klippen. Er war bis ans Lebensende nur Gast. Im Nathan seines Freundes Lessing wurde er Urbild für die einzige Möglichkeit gläubiger Gemeinschaft. Aber dieser Moses Mendelssohn ist auch Urvater einer Familie, die auf unterschiedlichen Gebieten und auch als konvertierte Christen – kaufmännisch, künstlerisch und gesellschaftlich - gerade in Berlin über Generationen Maßstäbe gesetzt hat. Bis sich herausstellte, dass diese Maßstäbe von mörderischem Kleinmut untergraben wurden. Die Häuser, welche die Mendelssohns und Mendelssohn Bartholdys in Berlin für sich und für Ansprüche an Kultur und Kunst gebaut hatten, wurden zerstört infolge kleinmütig-mörderischer Untergrabung.

Es blieben wenige erhalten, wurden zwar innen und außen mehr oder weniger verändert, aber geben durchaus einen Begriff von Nobilität. Zum Beispiel in der Jägerstraße 49 bis 51 von Berlin-Mitte. Mendelssohnsche Bank- und auch Wohnhäuser. Die Genealogie herzusagen, erforderte mehr Zeitungsraum. Auf die Räume in der Jägerstraße hinzuweisen, ist nicht nur der Mendelssohn-Gesellschaft wichtig. Und nicht nur sie will erreichen, dass in einem der erhaltenen, in anderen Besitz gelangten Häuser es angemessene Räume geben möge, in denen die weltweit verstreuten, anschaulichen Dinge zusammengetragen, erläutert werden, die auf diese große Familie hinweisen. Berlin hat so etwas sehr nötig. Es werden Stadtspaziergänge zu Orten und ihren Ereignissen angeboten. Der nächste am 5. Mai. Treffpunkt 14 Uhr Bahnhof Hackescher Markt vorm Irish Pub zur „Geschichtsmeile Jägerstraße“.-erk

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