Zeitung Heute : Die herben Sphären

VOLKER STRAEBEL

Festwochen: das Portraitkonzert Isang Yun im KammermusiksaalVOLKER STRAEBELWenn sich Portraitkonzerte auf nur eine Schaffensphase des vorgestellten Komponisten kaprizieren, erscheint oft ein ausgeprägter Personalstil als merkantile, die Wiedererkennbarkeit des Autors sichernde Methode.Vielleicht waren es solche Überlegungen des wählerischen Berliner Publikums, die dem Scharoun Ensemble bei seinem Isang Yun gewidmeten Konzert im Kammermusiksaal leere Ränge bescherten.Dabei vermochte glückliche Programmgestaltung die Zweifel zu zerstreuen.Natürlich geht es in Yuns Alterswerk stets um die Verbindung asiatischer Klangvorstellung mit europäischem Zwölftonklang, nie verzichtet er auf seine Zentraltontechnik mit mikrotonalen Umspielungen.Dennoch erinnert in seinem "Monolog" (1984) für Fagott solo, in dem Klaus Thunemann in suggestiver Intensität weite Tonhöhenbereiche durchschritt, wenig an die schwermütige "Contemplation" (1988), die Ulrich Knörzer und Brett Dean, Violen, in wundervoll dunklem Wohlklang ausgestalteten.Ihnen gelang die dynamische Ausgewogenheit von Vorwurf und Ergänzung, Motivexposition und -variation perfekt, selbst asiatische Skalen gerieten nicht zum Exotismus auf europäischen Instrumenten.In den größeren Besetzungen wagte sich das Scharoun Ensemble auch an etwas herbereTonbildungen, und verlieh so dem "Trio für Klarinette, Fagott und Horn" ein angemessenes Timbre, während im "Oktett" das europäisch-romantische espressivo sehr überwog. Als sich die Musiker zu den abschließenden "Distanzen" für Bläser- und Streichquintett auf Saaltreppen verteilten, waren ihnen Ovationen für diese sphärische Raummusik sicher.

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