Zeitung Heute : Die Herren der Lüfte

Der Machtkampf bei EADS trübt die Aussichten auf neue Geschäfte – Boeing bietet Airbus Paroli

Flora Wisdorff

Im Zeichen einer starken Rückkehr der Amerikaner und ungelöster Strukturkonflikte der Europäer beginnt am Montag in Paris die größte Luft- und Raumfahrtmesse der Welt. Wie sind die Flugzeugbauer Airbus und Boeing derzeit aufgestellt?

Es stand schon besser um Europas führenden Luftfahrtkonzern. Beim weltgrößten Branchentreffen in Le Bourget bei Paris präsentiert sich EADS der Fachwelt ohne gewählte Führung. Seit Monaten liefern sich die Hauptaktionäre aus Frankreich und Deutschland einen Dauerclinch um die Verteilung der Spitzenposten.

Aber nach Jahren, in denen Airbus und der Mutterkonzern EADS im Wettstreit mit Boeing immer neue Etappensiege verkünden konnten, ist es nicht nur dieses Gerangel um Posten, das den US-Konkurrenten in Paris diesmal selbstbewusster auftreten lassen wird, wo die beiden Konzerne alle zwei Jahre öffentlich ihre Kräfte messen. Verspätungen bei den Auslieferungen des Großraumflugzeuges A380, ein Handelsstreit vor der WTO mit den USA und glänzende Bestellungen bei Boeings neuestem Modell 787 machen dem europäischen Konzern ebenfalls zu schaffen. Dazu kommt, dass EADS im Militärbereich aus politischen Gründen von Aufträgen aus den USA für Tankflugzeuge ausgeschlossen bleiben könnte – die USA bilden jedoch die Hälfte des Weltmarkts.

Experten sind sich dennoch sicher, dass die Europäer zumindest in der Zivilflugzeugsparte keinen Grund zur Panik haben: „Airbus ist gegenüber Boeing in guter Stellung, die Produktpalette ist besser“, sagt Analyst Nils Machemehl von der Privatbank M.M. Warburg. Auch bei EADS bemüht man sich, Optimismus zu verbreiten. „Wir fahren trotzdem in guter Stimmung nach Paris“, sagt EADS-Sprecher Rainer Ohler.

Am Montag soll es erst einmal politisch werden. Die für Airbus zuständigen Minister der vier an dem Konzern beteiligten Länder Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien will Airbus in Paris von seinen neuesten Vorschlägen überzeugen, wie man den WTO-Streit lösen könne. Die USA werfen den Europäern vor, Airbus Starthilfekredite in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar für den neuen Airbus 350 zu gewähren. Die Europäer beschuldigen ihrerseits die USA, Boeing indirekte Subventionen zu genehmigen, etwa durch von der Nasa aufgelegte Technologieprogramme. Nun will Airbus die Starthilfen für den A350 streichen – allerdings nur unter der Bedingung, dass die europäischen Staaten ebenfalls ein System indirekter Hilfen einführen dürfen.

Ansonsten werden Boeing und Airbus die Messe in Paris vor allem dazu nutzen, neue Aufträge für ihre Flugzeuge zu verkünden. Und dabei steht für Airbus in diesem Jahr nicht mehr das Großraumflugzeug A380 im Mittelpunkt, sondern der A350. Er ist das Konkurrenzmodell zur neuesten Boeing-Maschine 787 „Dreamliner“, die bereits 266 Bestellungen vorweisen kann – und der Dreamliner ist auch der Grund dafür, dass Boeing Airbus bei den Flugzeugbestellungen insgesamt in diesem Jahr überholen wird.

Für den A350 will Airbus kommende Woche erst einmal 100 Verträge verkünden. Das geringere Auftragsvolumen ist aber auch damit zu erklären, dass das Modell später entwickelt wurde – der A350 wird erst 2010, also zwei Jahre nach dem Dreamliner ausgeliefert.

Der 787 und der A350 sind Maschinen, die mit mittlerer Größe Langstrecken bedienen sollen, und zwar den so genannten Punkt-zu-Punkt-Verkehr, der vor allem Boeing zufolge in der Zukunft stark wachsen soll. Damit sind Direktverbindungen gemeint, die jenseits der großen Drehkreuze liegen – wie etwa München-San Francisco. Der A380 hingegen ist allein schon wegen seiner Größe auf das Anfliegen der ganz großen Flughäfen angewiesen. Boeing behauptet, der Markt für den A380 sei ein unlukrativer Nischenmarkt – gleichzeitig treiben die Amerikaner aber die Entwicklung einer Langversion der Boeing 747 voran.

Nach der Euphorie vor zwei Jahren in Le Bourget, als Airbus den US-Konkurrenten das erste Mal bei den Auslieferungen überrundet hatte, und dem viel bejubelten Erstflug des A380 im April ist die Lage für Airbus in diesem Jahr ernüchternder. Machemehl sieht das allerdings nicht als dramatisch an, da Airbus beim A380 und auch den kleineren Flugzeugen besser als Boeing aufgestellt sei. Nun – die nächsten Jahre werden es zeigen.

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