Zeitung Heute : Die hoch hinaus wollen

Kletterpflanzen verwandeln Hauswände, Mauern und Spaliere in ein romantisches Blütenmeer

 Tassilo Wengel
Exotischer Schmuck.
Exotischer Schmuck.

Um Gitter oder Spaliere am Sitzplatz in blühende Wände zu verwandeln, Mauern oder Hauswände mit Leben zu füllen oder den Torbogen am Eingang bewachsen zu lassen, bieten sich verschiedene Kletter- oder Schlinggehölze an. In Gartencentern findet man vom Frühjahr bis zum Herbst eine reiche Auswahl. Die Palette reicht von den allgemein beliebten Kletterrosen und Waldreben bis zu zahlreichen anderen, weniger bekannten Kletterpflanzen. Einige davon fallen durch reichen Flor oder besonders interessante Blüten auf und bilden eine wertvolle Bereicherung im Garten.

Von Ende Juni bis September öffnet die Jasmintrompete (Campsis radicans) ihre Blüten. Sie gehört zu den schönsten blühenden Kletterpflanzen. Ihre großen leuchtend orangeroten Blüten mit sieben Zentimeter langer Röhre und trichterförmiger Krone erscheinen in Büscheln am Ende der Triebe. Schön ist auch die Sorte ’Flava’, deren Blüten außen orangegelb und im Inneren der Kronröhre orange mit roten Längsstreifen gefärbt sind. Bestens geeignet ist die Jasmintrompete für sonnige Hauswände, wo man die Triebe an Gerüste oder Drähte heftet. Der Boden sollte nährstoffreich, humos und nicht zu trocken sein. Ein kräftiger Rückschnitt der abgeblühten Seitentriebe im Winter ist möglich, aber nicht nötig. In manchen Wintern friert sie ohnehin weit zurück, treibt aber wieder aus und blüht uneingeschränkt reich.

Sehr romantisch wirken alte Kletterhortensien (Hydrangea anomala ssp. petiolaris), wenn sie betagte Gemäuer bedecken oder sich in hohen Bäumen ausgebreitet haben. Von Juni bis Juli ist dieses schattenverträgliche Gehölz dicht mit flachen Trugdolden bedeckt, die einen Durchmesser von 15 bis 25 Zentimetern haben. Sie bestehen aus vielen kleinen Einzelblüten, von denen nur die drei Zentimeter breiten Randblüten mit den weißen Kelchblättern dekorativ sind. Obwohl die Pflanze mithilfe der Haftwurzeln an rauer Unterlage gut klettert, ist das Anheften anfangs angebracht. Dekorativ ist auch das Laub, das hellgrün glänzt und sich im Herbst leuchtend goldgelb färbt. Schnitt ist bei der Kletterhortensie nicht angebracht. Sie verlangt einen durchlässigen, sandig-humosen, aber mäßig feuchten Boden mit neutralem bis leicht saurem pH-Wert.

Große Ähnlichkeit mit der Kletterhortensie hat die Spalt-Hortensie (Schizophragma hydrangeoides). Auch sie entfaltet im Juni ihre 15 bis 20 Zentimeter breiten, flachen Trugdolden. Die meisten Blüten sind klein, aber bei den Randblüten ist im Gegensatz zur Kletterhortensie nur ein weißes Kelchblatt als Schauapparat ausgebildet. Sie wird nicht geschnitten, bevorzugt mehr Sonne und gedeiht in jedem Boden, der eine gewisse Feuchtigkeit bietet.

Durch eine lange Blütezeit zeichnen sich die verschiedenen Lonicera-Arten aus, die als Geißblatt oder Heckenkirsche angeboten werden. Bereits im Mai beginnt die Blütezeit des Echten Geißblattes (Lonicera caprifolium), auch Jelängerjelieber genannt. Es wurde in der Malerei gern als Sinnbild der Liebe dargestellt. Auf einem Gemälde von Peter Paul Rubens namens „Die Geißblattlaube“ ist der Maler mit seiner Verlobten Isabella Brant unter einer Geißblattpflanze zu sehen. Tatsächlich eignet sich dieser Schlinger hervorragend zum Bewachsen von Lauben, aber auch Pergolen und andere Klettergerüste sind ideal.

Die weißen bis cremefarbenen, außen rötlich überlaufenden Blüten erscheinen von Mai bis Juni in den Achseln der oberen Blattpaare und duften angenehm. Im August reifen die korallenroten Früchte und schmücken die Pflanze zusätzlich. Ab Juni blühen einige sommergrüne Hybriden, von denen Lonicera x tellmanniana besonders schön ist. Diese kräftig wachsende Schlingpflanze erreicht Höhen von vier bis sechs Metern und entfaltet bis Ende Juli die gelborange gefärbten Blüten in üppiger Fülle.

Große Ähnlichkeit mit dem Echten Geißblatt hat Lonicera x americana, eine dekorative, reich blühende Hybride. Sie wurde bereits 1730 als Naturhybride in Südfrankreich und Istrien gefunden und zeichnet sich durch duftende, hellgelb-rote Blüten aus. Leuchtend scharlachrot sind sie bei Lonicera x brownii ’Dropmore Scarlet’ gefärbt, und mit außen purpurn und innen hellgelb gefärbten Blüten kann Lonicera x heckrottii aufwarten. Beide erfreuen uns bis in den September hinein mit ihrem Flor. Alle Geißblätter lieben einen sonnigen Platz und frischen, nährstoffreichen Gartenboden. Schnitt ist nicht nötig, kann aber zur Korrektur problemlos im Winter durchgeführt werden.

Zu den eindrucksvollsten Klettergehölzen gehört die Wisterie, auch als Blauregen oder Glyzinie bekannt. Sie schmückt Hauswände oder Spaliere bereits im April und Mai mit ihren prächtigen Blütentrauben, die wie Girlanden herabhängen. Am häufigsten ist die Chinesische Wisteria (Wisteria sinensis), die im April ihre Blüten in 20 bis 30 Zentimeter langen, blauvioletten Trauben entfaltet. Von dieser Art gibt es die weiße Sorte ’Alba’, die mit 20 bis 30 Zentimeter langen Blütentrauben besticht, und ’Black Dragon’ mit tiefpurpurnen, gefüllten Blüten.

Etwa zwei Wochen später blüht die Japanische Wisterie (Wisteria floribunda) mit prächtigen, bis 50 Zentimeter langen, violettblauen Trauben. Von den zahlreichen schönen Sorten bildet ’Macrobotrys’, mit 90 Zentimetern die längsten in blauviolettem Farbton. Schönste weiße Sorte ist ’Snow Showers’ mit langen Trauben, die erst recht spät im Juni erscheinen. Seit wenigen Jahren ist ’Pink Ice’ mit langen dunkelrosafarbenen und rötlich- violett gefärbten Blüten im Angebot.

Der Standort soll warm und sonnig sein, weshalb die Südseite von Gebäuden oder die Südlage an Mauern oder Pergolen als bevorzugte Pflanzplätze zu empfehlen sind. An den Boden stellen Wisterien keine großen Ansprüche, obgleich sie am besten auf leichten bis mittelschweren Böden wachsen, die schwach sauer bis neutral und durchlässig sein sollten. Um reichen Blütenansatz zu erzielen, empfiehlt sich außerdem ein jährlicher Rückschnitt der Pflanzen im Juni oder Juli. Dabei entfernt man die langen Seitentriebe so weit, dass jeweils nur drei bis vier Augen bleiben.

Wer sich auch im Winter an Blüten im Garten erfreuen möchte, findet mit dem Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) eine passende Pflanze. Er gehört zu den ersten Blühern des Jahres und öffnet seine primelgelben Blüten in milden Wintern schon um Weihnachten. Wie an einer Perlenkette sitzen sie aufgereiht in den Blattachseln der vorjährigen Triebe und verwandeln Hauswände oder Gartenmauern bis in den April hinein in ein Blütenmeer. Pflanzt man ihn an Geländer oder Treppenaufgänge, sorgt er mit seinen peitschenartigen, herabhängenden Trieben für eine reizvolle Wirkung.

Schnitt ist nicht nötig, aber ein paar blühende Zweige für die Vase lassen sich bedenkenlos stibitzen. An den Boden stellt der Winterjasmin keine Ansprüche und gedeiht selbst im leichten Sandboden noch gut.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben