Zeitung Heute : Die Jedi-Ritter haben nachgerüstet

GREGOR WILDERMANN

Als der Regisseur George Lucas 1977 mit seiner ersten Star-Wars-Trilogie das Hollywoodkino in das Blockbuster- und Merchandizingzeitalter versetzte, ahnte er wohl selbst noch nicht, was daraus einmal entstehen sollte.Mehr als zwanzig Jahre später blickt Lucas auf Milliardenumsätze durch seine Filme und Werbeeinahmen zurück, besitzt mit Industrial, Light & Magic (ILM) die weltweit wichtigste Firma für Spezialeffekte, hat mit dem THX-Sound einen neuen Soundstandard gesetzt und mit der Multimediafirma Lucasarts einige der erfolgreichsten Computerspiele veröffentlicht.

Nun schlägt George Lucas ein weiteres Kapitel in seiner Star- Wars-Saga auf: mit dem Mitte nächsten Jahres erscheinenden neuen Film erzählt er die Vorgeschichte von bekannten Figuren wie Darth Vader, Luke Skywalker, Ob-Wan-Kenobi oder dem Roboterduo C3-PO und R2-D2.Einen Vorgeschmack darauf gibt seit dem 18.November ein mit Spannung erwarteter 90-Sekunden-Trailer im Internet.War der letztjährige Special Edition-Kinostart der alten Trilogie so etwas wie ein Testlauf für die Special-Effectsabteilung und einige Marketingstrategen, beginnt mit "Episode 1 - The Phantom Menace" (so der Titel zum neuen Film) erst die wirkliche Hysterie im Wettlauf um filmische Höchstleistungen, neueste Gerüchte und Informationen.Mehr als 2000 Spezialeffekte machen laut ILM-Präsident Jim Morris "diesen Film schon fast zu einem kompletten Digitalfilm."

Allein die Ankündigung dieser neuen dreiteiligen Saga über Jedi-Ritter im Kampf für das Gute sorgt seit dem vergangenen Jahr im Internet für eine Flut von Gerüchten und Daten.Den sogenannten Spoilers, also Vorabinformationen, wurden eigene Webseiten gewidmet.Damit man nicht Bilder oder Texte sah, die zu viel vom neuen Film verraten, waren viele Seiten mit einem eigenen Zahlencountdown versehen.Im Kampf um die Geheimhaltung der Drehbücher und des Filminhalts war auch der Firma Lucasfilm jedes Mittel recht.Der Betreiber der Netzseite www.queenpadme.com etwa bekam wegen einem Drehortbild von der Schauspielerin Natalie Portman in ihrer Rolle als Queen Padme Besuch von Anwälten der Verleihfirma 20th Century Fox.Einer anderen Webseite namens www.sirstevesguide.com mit ersten Bildern der neuen Star- Wars-Spielfiguren wurde jede weitere Zusammenarbeit mit der Herstellerfirma aufgekündigt.

Ein nichtsahnender Firmenangestellter in Seattle legte das gesamte Netz eines Wolkenkratzers lahm, weil er als einer der ersten den Trailer mit immerhin 24 Megabyte auf der Firmenwebseite zum Download anbot.George Lucas selber weiß natürlich auch um die Schnelligkeit des Mediums Internet und benutzt seine eigene offizielle Webseite www.starwars.com für alle Presseankündigungen und exklusive Drehberichte.Auch der Trailer wurde zeitgleich mit dem Kinostart auf der Netzseite in allen gängigen Formaten angeboten, während auf der Netzseite für den neuen Star-Trek-Film "Insurrection" gerade mal vier Wochen vor Filmstart der erste vollständige Trailer abrufbar ist.Lucas war jedoch immer dafür bekannt, auf technologischer Seite für Innovationen zu sorgen und dies will er auch mit den neuen Filmen beweisen.Bei einer Pressekonferenz in Sydney/Australien kündigte er bereits an, diese Filme zwischen dem Jahr 2000 und 2003 mit einer eigens für ihn von der Firma Sony entwickelten Digitalkamera umzusetzen.Bereits in der ersten Episode spielen mehrere Charaktere mit, die ausschließlich im Computer animiert wurden.Auch bei Mißgeschicken am Drehort ist digitale Technik mittlerweile zu ganz neuen Lösungen fähig.Als Natalie Portman sich einen Fußknöchel brach und nur noch mit Gipsbein weiterfilmen konnte, ersetzte man nachträglich dieses Bein einfach am Computer, ohne das ein Unterschied bemerkbar war.

Auch für den nächsten technologischen Schritt, der digitalen Übertragung von Kinofilmen per Satellit, hat Lucas schon feste Pläne.Ein ähnliches europäisches Projekt namens Digital Cinema bewies im letzten Monat, das dies technisch durchaus machbar ist - ohne, daß der Film an Qualität verliert.Somit darf man nicht nur auf den erzählerischen Inhalt der neuen Trilogie, sondern auch auf das Hollywoodkino des kommenden Jahrtausends gespannt sein.

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