Zeitung Heute : Die kleine Diebin

KRISTINA GREENE

Sinnlich: "Der Schrei der Seide"KRISTINA GREENEEs geht um Fetischismus.Ein Reizthema.Aber "Der Schrei der Seide" ist nicht laut und paßt so gar nicht zu dem hellen Licht, in das diese und andere sexuelle Obsessionen seit Jahren gezerrt werden.Ein sanfter Film, ein altmodischer Film.Ein schöner Film. Paris, 1914.Die junge Analphabetin Marie Benjamin (Marie Trintignant) ist "petite main", Schneiderin bei einem Pariser Modehaus.Nicht zum ersten Mal wird sie wegen Seidendiebstahls verhaftet, aber diesmal landet sie in der Psychiatrie.Ihr Arzt, Gabriel de Vilemer (Sergio Castellitto), diagnostiziert Fetischismus und wird selbst von ihr fasziniert; bald erliegt er ihrer erotischen Ausstrahlung.Allmählich schenkt ihm die verschlossene und hübsche Marie Vertrauen, und es entwickelt sich eine eigenartige Beziehung, in der Vilemer alles unternimmt, um Marie zu zärtlichen Gefühlen zu bewegen.Doch diese meint, sie könne sich nicht verlieben, und Vilemers Versuche erscheinen Marie nur als Spiel.Erneut erliegt sie ihren Impulsen und wird eingesperrt.Indes lernt sie in der Haft endlich, Liebesgefühle auszudrücken. Regisseur Yvon Marcianos erster Langspielfilm, in Frankreich ein großer Erfolg, erzählt diese Geschichte trotz mancher dramaturgischer Schwächen flüssig, sinnlich und auch diskret.Die Kamera William Lubtchanskys läßt die Farben, Stoffe, Berührungen, sogar die Haut fast spürbar werden.Marie Trintignant ist so verführerisch wie glaubhaft in ihrem Zwang, und Sergio Castellitto hat aus seiner gepeinigten Figur das Äußerste herausgeholt. Hackesche Höfe (OV), Moviemento (OV)

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