Zeitung Heute : Die Knarre im SchatzkŠstlein

Ifa-Galerie eršffnet ihre neuen RŠume in der Dorotheenstra§e mit vier mazedonischen KŸnstlernUm die Ecke NeustŠdtische Kirchstra§e / Dorotheenstra§e biegen zwar noch immer quietschend die Lastwagen auf ihrem Weg zu den Baustellen der Innenstadt, doch das grš§te GebŠude an dieser so stark frequentierten Kreuzung ist lŠngst fertiggestellt.Die alten Mieter - der DDR-Sportverlag und die Stasi in optimaler Lage schrŠg gegenŸber der amerikanischen Botschaft - sind schon lange aus dem Haus.Nach Auffrischung der Jugendstilfassade und Ausbau der BŸros beherbergt es nun das Bundespresseamt und seit gestern offiziell die Galerie des Instituts fŸr Auslandsbeziehungen.Mit vier KŸnstlern aus Mazedonien eršffnete sie ihre RŠumlichkeiten im Erdgescho§. Der Standort ist gut gewŠhlt - einen Katzensprung entfernt vom Bundestag und TŸr an TŸr mit dem Bundespresseamt -, denn die ifa-Galerie hat sich seit ihrer GrŸndung vor sechs Jahren in Berlin der Information Ÿber KunstaktivitŠten in Ost- und Mitteleuropa verschrieben.Die rund 250 Quadratmeter gro§en AusstellungsrŠume dŸrften weit mehr als an ihrem bisherigen Standort Friedrichstra§e / Ecke Weidendammer BrŸcke besucht werden, auch wenn so mancher dem eigenwilligen Charme des heruntergekommenen Pavillons der dritten Weltfestspiele der Jugend nachtrauert.Der ifa-Galerie ergeht es da wie dem Neuen Berliner Kunstverein, der seine sympathische Altbauwohnung am oberen Ende des KurfŸrstendamms verlie§, um ins Zentrum des Geschehens zu rŸcken: Die neuen RŠume sind fast bis zum Aseptischen glattrenoviert; nur der Blick von au§en erinnert an die Vergangenheit des GebŠudes.Die Kuratoren haben nun zwar nicht mehr mit unnŸtzen Einbauten zu kŠmpfen, die Kunst aber mit einem sterilen, konturlosen Raum. Die vier KŸnstler aus Mazedonien schlagen sich wacker in dieser Umgebung.Ihr Kurator Nebosja Vilic, Direktor des Soros Center of Contemporary Art in Skopje, hat jeweils eine Arbeit ausgewŠhlt, um ihr Werk zu resprŠsentieren.Sie selbst stehen fŸr eine neue KŸnstlergeneration der neunziger Jahre, die seit GrŸndung Mazedoniens 1991 einen eigenen Standort im internationalen Vergleich sucht.Orientiert also an der Kunst jenseits der Landesgrenzen, bedienen sich diese KŸnstler der weltweit Ÿblichen Mittel und gŠngigen Sprache: abstrakte Malerei, Fotografie, Installation.Wer nach dem spezifisch Mazedonischen sucht, wird enttŠuscht sein.Oder weit eher beruhigt darŸber, da§ sich die KŸnstler nicht vor den nationalistischen Karren spannen lassen. Vielleicht blitzt da und dort noch ein Konservativismus durch, der jedoch diskutierenswert ist.So plŠdiert der Bildhauer Tome Andzievski fŸr die RŸckbesinnung auf die klassische Machart.Er schuf von Hand die Skulptur einer Šgyptischen Katze, die wiederum einer Phalanx Naturfotografien gegenŸbergestellt ist."Der gro§e Schritt zurŸck" nennt er sein Werk und wei§ doch, da§ er sich kaum gegen die zunehmende Technisierung der Kunst oder die Zerstšrung der Natur stemmen kann.Jovan Balov exerziert wiederum die Farbfeldmalerei, die er um mehrere Varianten einer oktogonalen Komposition bereichert.Nur detektivische Betrachter der minimalen Verschiebungen und nuancenreichen Farbunterschiede werden hier auf ihre Kosten kommen.Die Grauen des BŸrgerkrieges holt Slavko Sokolovski in die Kunst, der unter dem Titel "Arsenal" den Abdruck verschiedener Kleinkaliber in Ton festhielt.Wie eine Kostbarkeit reihte er diese Negativformen hintereinander in Holzkisten.Die Gewalt ist hier zwar zu einem Ornament geronnen, den Schrecken verliert sie darŸber nicht.RŠtselhaft bleibt die Installation Jovan Sumkovskis, der SŠgeblŠtter und GlŠser in Granulatscheiben einschmolz und in Wasser versenkte.Doch das Geheimnisvolle ist Konzept: Sumkovski versteht sich als Neo-Mystiker.Und unversehens bringt er damit etwas zurŸck in die geglŠtteten RŠume, was die Handwerker gerade noch auszutreiben versuchten.Ein Anfang am neuen Standort ist gemacht. ifa-Galerie, NeustŠdtische Kirchstra§e 15, bis 5.Oktober; Dienstag bis Sonntag 14-19 Uhr.Katalog 18 DM.

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