Zeitung Heute : Die Kolumne in der ARD soll Licht in das Dickicht der verschwundenen Millionen bringen

Harald Martenstein

Vor zwanzig Jahren ist der Enthüllungsjournalismus ein Markenzeichen des "Spiegel" gewesen. Was der "Spiegel" nicht enthüllte, das blieb in Deutschland unterm Teppich. Damit ist es vorbei. Dennoch war die Überraschung groß, als ausgerechnet die ARD einige Details der Elf-Leuna-CDU-Connection exklusiv präsentierte. Jahrzehntelang sind die Kollegen der öffentlich-rechtlichen Sender als brave Parteibuchjournalisten geschmäht worden. Zur Zeit aber kann niemand der "Tagesschau", den "Tagesthemen" oder "heute" Beißhemmungen vorwerfen. Nein, weder die CDU noch die nordrhein-westfälische SPD werden geschont. Und dies, obwohl nicht wenige öffentlich-rechtliche Führungspersönlichkeiten ihren Job der CDU oder der SPD verdanken.

Der Konkurrenzdruck ist zu groß. Dafür hat nicht zuletzt die CDU selber gesorgt, mit der Einführung des Privatfernsehens. Niemand kann es sich leisten, bräsig zu sein, zu vertuschen oder schönzufärben. Staatsfernsehen ist in einer privaten Fernsehlandschaft unmöglich geworden. Besser gesagt: Man könnte Staatsfernsehen zwar ausstrahlen, aber kein Mensch würde zuschauen.

Sicher, es spielt eine Rolle, dass sogar die CDU-Führung selbst im Büßerhemd auftritt. Trotzdem ist das Problem des Parteibuchjournalismus offenbar geringer, als man befürchtete: Diese Erkenntnis gehört zu den positiven Nebenwirkungen der Kohl-Affäre. Die Parteien haben deutlich an Vertrauen verloren, das öffentlich-rechtliche Fernsehen dagegen hat gewonnen.

Der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers schlägt vor, dass sich die Parteien aus den Rundfunkräten zurückziehen. Ein guter Vorschlag. Die Rundfunkräte sollten die Unabhängigkeit des Fernsehens gewährleisten - so hat man sich das zumindest gedacht, nach den Erfahrungen mit den Nazis. In der Praxis war manchmal das Gegenteil der Fall. Und wer hält die Parteien noch für eine moralische Instanz, die irgend jemandes Unabhängigkeit garantieren könnten? Nein, die Gefahr eines Staatsfernsehens besteht nicht mehr. Gegen den freien Medienmarkt kann man vieles sagen, aber diese Gefahr hat er beseitigt.Bimbes heißt Geld. Die Krise ist groß. Unter der Rubrik "Bimbesbericht" leistet diese Kolumne regelmäßige Orientierung über Kohl, die verschwundenen Millionen und das, was die Medien daraus machen.

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