Zeitung Heute : Die Konvergenz der Medien kommt voran

KURT SAGATZ

Allen technischen Innovationen zum Trotz werden die wesentlichen Probleme auch in der Zukunft die gleichen sein wie heute oder vor 50 Jahren."Holger, kannst Du mich hören", hieß es so auch am Donnerstag auf einem Symposium zum großen Bereich Multimedia, als das "TV+ Multimediaendgerät für das Wohnzimmer" eine Viedeokonferenz-Verbindung zu einer nur wenige Meter entfernt stehenden Gegenstelle aufbauen sollte.High-Tech oder nicht, man fühlte sich unweigerlich an die Anfänge des Fernsehens erinnert, als auch dort ein erleichtertes Lachen den erfolgreichen Versuchen zur Bildübermittlung folgte.

Immerhin konnten auf dem Symposium "Multimedia-Kommunikation auf Netzen und Endgeräten" die technischen Probleme schnell behoben werden, so daß nicht die Technik selbst, sondern eher der altbekannte Vorführeffekt das eigentliche Problem darstellte.Insgesamt sind die Ergebnisse des dreijährigen Forschungsprojektes MINT (Multimediakommunikation auf Integrierten Netzen und Terminals) im engeren Sinne sehenswert, denn die in Berlin vorgestellten Prototypen basieren zumeist auf Fernsehgeräten.Daß diese TV-Systeme nur äußerlich mit den Fernsehgeräten aus heutigen Wohnzimmern verwandt sind, wird schnell verständlich, wenn man sich vor Augen führt, was künftig alles mit einem Fernseher anzustellen sein wird.

Zuallerst wird auch der Fernseher der Zukunft, der von den Mint-Leuten "TV+" genannt wird, weiterhin das Empfangsgerät für die bekannten analogen und auch digitalen Programminhalte sein.Die hier vorzufindenden Begriffe wie Digital Video Broadcasting sowohl für den Empfang über die Antenne als auch das Kabel sind bekannt, auch wenn die Technik zumindest in Deutschland zum Teil noch im Testversuch steckt.Weiterhin werden nach Ansicht der Mint-Projektteilnehmer - hierzu zählen neben der geräteherstellenden Industrie aus den Bereichen Consumer Electronics, Telekommunikation und Computertechnik auch die Betreiber von Netzen und die Wissenschaft - die künftigen Endgeräte in der Lage sein, E-Mails zu verarbeiten und Internet-Inhalte wiederzugeben.Auch dies ist nicht sonderlich sensationell, denn stand-alone existieren solche Boxen bereits.Doch der Fernseher der Zukunft, also die Multimedia-Zentrale, soll noch mehr können.Zum Beispiel Viedeophonie.Auch hier ist die Technik zwar bereits da, aber noch nicht als integrativer Bestandteil des Fernsehers.Im ICC konnte man indes erleben und vor allem sehen, daß bereits mit jetzt vorhandener Technik über das digitale ISDN-Netz durchaus ansprechende Ergebnisse erzielt werden können.Ferner können die Wohnzimmer-Fernseher noch mit den anderen Multimedia-Geräten im Hause kommunizieren - und zwar mit einer Technik, die dann tatsächlich laientauglich sein soll.

Einer der wesentlichen Techniken, die bei allen Nutzungsarten gleichermaßen eingesetzt wird, ist die Aufbereitung der Ton- und Bilddaten nach dem Verfahren MPEG 4, das nicht nur in der Lage ist, durch verschiedene Kompressionstechniken mehr Inhalte schneller und besser über die verschiedenen Kanäle zu jagen.Auch die nachträgliche Bearbeitung der Daten wird damit ermöglicht.Wofür das gebraucht wird? Zum Beispiel für eine virtuelle Videokonferenz mit mehreren Teilnehmern in allen Teilen der Welt, die alle gleichzeitig an einem virtuellen Tisch sitzen.Hierdurch würde eine der wesentlichen Nachteile derzeitiger Konferenzsysteme behoben.Bevor solche Entwicklungen jedoch in Produkte münden, werden wohl noch öfter Sätze wie "Holger, kannst Du mich hören" zu verfolgen sein.

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