Zeitung Heute : Die Kraft der Bilder

Der Tagesspiegel

Nein, so weit geht der Glaube nicht, da muss der Pater lächeln. Dass seine Souvenir-Uhr mit dem Aufdruck „Papst Johannes Paul II in Berlin“ vom 23. Juni 1996 immer noch läuft, hat eher etwas mit langlebigen Batterien zu tun als mit der grenzenlosen Kraft des Glaubens. Und doch hat er genau diese erfahren und versucht nun, sie anderen nahe zu bringen. Thomas Astan – dieser Name ist vielen ein Begriff. In seinem früheren Leben war er Schauspieler, in Fernsehkrimis wie am Theater, und Regisseur. Dann verabschiedete er sich vom sinnentleerten Streben nach Anerkennung, um das Werk Gottes in Szene zu setzen. Sei es bei Prozessionen zu Ostern – oder bei Benefizkonzerten zugunsten seines Vereins „Impulse“, der Straßenkindern hilft. Morgen Abend präsentieren rumänische Künstler um 20 Uhr im Kammermusiksaal der Philharmonie Werke von Enescu, Ravel und Schumann – unterstützt die Veranstaltung.

Thomas Astans Leben läuft offenbar nach einem ganz besonderen Drehbuch. Der geborene Sauerländer studiert Theaterwissenschaften und Germanistik, steht für „Tatort“ und „Derrick“ vor der Kamera, engagiert sich aber auch in der Jugendsozialarbeit im Knast. Astan dreht mit Geraldine Chaplin – und beschäftigt sich nebenbei mit Esoterik, Buddhismus, Psychologie. Als er seinem an Aids sterbenden Regieassistenten „keine Antworten geben kann“ auf die wirklich wichtigen Fragen im Leben, bremst er ab.

Mit 40 Jahren geht der frühere Klosterschüler nach Italien, absolviert ein einjähriges Noviziat und studiert Theologie in Rom. „Gott nimmt dich auch an, wenn du Schwächen hast – die Showbranche bestimmt nicht.“ Mit dem Glauben hat Astan neue Lebensinhalte gewonnen – und die katholische Kirche, oder genauer, der Salesianerorden Don Bosco, einen professionell arbeitenden Botschafter. Astan kennt Gott und die Welt. Für den Verein „Impulse“ hat er Edzard Reuter gewonnen, Hanna-Renate Laurien, Horst Schättle, aber auch Ärzte der Charité, Lehrer. Mit Horst Tappert warb er bei Kerner für seine Sache, und im Sommer reist er mit Dieter Kronzucker zu Salesianer-Straßenkinderprojekten nach Mexiko und Honduras. Ist es die Fähigkeit, einem Unbedarften in wenigen Worten seine Welt zu erklären und zu vermitteln, was Glauben bedeutet? Ist es die darstellerische Erfahrung, mit der er seine Gemeinde in den Bann zieht? Oder ist es seine Verankerung im weltlichen Leben, die den Mann so glaubwürdig macht? Einer, der anderen ein Anker sein will, gibt zu, dass es manchmal schwer fällt, im Zölibat zu leben. Dass in seinem Leben nun auch nicht immer alles eitel Sonnenschein ist. Welche Prominenten in seine Sprechstunde kommen, sagt er natürlich nicht. Aber „junge Künstler, Maler und Bildhauer, haben es besonders schwer. Sie investieren ihr ganzes Leben in ihre Werke und ernten doch so wenig Anerkennung.“

Der Pater redet viel, obwohl er am liebsten alles ohne Worte sagt. Die Kraft der Bilder lässt der Kreuzberger gerne wirken, Osterfeuer, Scheinwerferlicht, wie jetzt zu Ostern. Die Sinne sind ihm wichtig. Die „suggestive Kraft von Didgeridoo-Klängen“ oder „die Lebensfreude der Sänger aus Kamerun“, die in der Nacht die Auferstehungsgeschichte zelebrierten.

Ein neuer Tag, ein Neubeginn. Ihn möchte Astan auch Kindern ermöglichen, die nichts haben außer sich selbst. Wie hatte der Pater die Mitarbeiterin im Café der Katholischen Akademie genannt, die trotz Ostermontags einen Milchkaffee servierte? Einen „Engel“. Jeder kann so etwas sein. Annette kögel

Infos zu „Impulse“: Tel. 2809 9810. Kontonr. 603060, Pax-Bank Berlin, Blz.: 370 601 93.

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