Zeitung Heute : Die Kür ist ihre Pflicht

Acht Bewerber stellen sich den Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur. Sechs von ihnen haben Chancen, auch von ihrer Partei gewählt zu werden. Die Demokraten im Porträt

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Howard Dean

Deans scharfe Opposition gegen den Irakkrieg hebt ihn gegen die Mitbewerber John Edwards, Dick Gephardt, John Kerry und Joe Lieberman ab, die im Kongress für die Kriegsresolution stimmten. Zu einer Führungsfigur der Linken wurde Dean, der aus einer reichen Bankerfamilie stammt, an der Eliteuniversität Yale sowie in New York studierte und mit seiner Frau eine Arztpraxis betrieb, erst im vergangenen Jahr. Während seiner elfjährigen Amtszeit als Gouverneur von Vermont unterzeichnete er zwar ein Gesetz für die HomoEhe und verbesserte die Krankenversicherung für Kinder. Doch befürwortete er auch - wie die anderen Kandidaten - die Todesstrafe und lehnte Sozialprogramme ab, solange die Finanzierung nicht sicher war.

Wesley Clark

Der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber diente der US-Army 38 Jahre lang. Er hat alle wichtigen Stationen einer militärischen Karriere durchlaufen: Bester in West Point, Stipendium für Oxford, Vier-Sterne-General, Positionen im Weißen Haus und im Generalstab, Kommandeursfunktionen in Europa und Südamerika, Kampfeinsätze in Vietnam. Der 59-jährige Wesley Clark hat sich spät zu einer Kandidatur entschlossen und dann mit widersprüchlichen Aussagen etwa zu seiner Haltung zum Irak-Krieg für Verwirrung gesorgt. Bei den ersten offiziellen Vorwahlen der Demokraten in Iowa tritt er formal jedoch nicht an. Erst in New Hampshire und später im Süden der USA wird er Wahlkampf führen, weil er sich dort größere Chancen ausrechnet.

Dick Gephardt

Der 62-jährige Kongress-Abgeordnete hat Kontakte und Erfahrung. Sie stammen aus der langen Arbeit in Washington, wo er im Repräsentantenhaus die Fraktion der Demokraten von 1989 bis 2002 führte. Schon einmal hatte der Demokrat sich nominieren lassen wollen, 1988, bis ihm, nach zwei Vorwahlen, Geld und Unterstützung abhanden kamen. Iowa hatte er damals gewonnen. Der Demokrat vertritt einen Wahlkreis am Rande von St. Louis in Missouri, Iowas Nachbarstaat, wo er auch aufgewachsen ist. Bei den Umfragen in Iowa schob sich Gephardt zuletzt weit nach vorn. Gephardt, der von vielen Gewerkschaften unterstützt wird, rügt vor allem den Freihandel, auf den einst Clinton und jetzt Bush gleichermaßen setzen.

John Edwards

Der telegene Senator von North Carolina liegt nach der letzten Umfrage mit vorn. Der 50-jährige Millionär hat eine glänzende Karriere als Rechtsanwalt hinter sich. Erst 1999 wechselte er in die Politik und erreichte gleich den Senat. Sein Werdegang „vom Tellerwäscher zum Millionär“ könnte ihm beim Ringen um Sympathien behilflich sein. Seine Kritiker werfen ihm mangelnde Erfahrung vor und befürchten, dass er das Vertrauen der Amerikaner nicht erhalten würde. Allerdings hatte schon Al Gore vor vier Jahren überlegt, ihn zum Vizepräsidentschaftskandidaten zu machen. Als moderater Südstaatler habe er gute Chancen, glauben seine Befürworter. Er selbst sieht sich als neuer Clinton.

John Kerry

Der schwerreiche 60-jährige Senator aus Massachusetts gilt als Kandidat des Partei-Establishments, um Dean zu verhindern. In Iowa hat er kräftig aufgeholt. Der Vietnam-Veteran ist 1984 zum ersten Mal zum Senator gewählt und seitdem drei Mal in seinem Amt bestätigt worden. Mittlerweile ist Kerry zum Kriegsgegner mutiert. George Bush senior verweigerte er 1991 die Zustimmung zum Golfkrieg, dem Sohn allerdings gab er sie. Kerrys Schwerpunkte liegen in den Bereichen Umwelt, Bildung und Rechte der Frauen. Er setzt sich für eine stärkere Kontrolle von Schusswaffen ein und für die Erhöhung des Mindestlohnes. John Kerry lebt mit seiner Frau – der Ketchup-Erbin Teresa Heinz – und seinen Töchtern in Boston.

Joe Lieberman

Lieberman ist bekannt. Er war 2000 Vizepräsidentschaftskandidat von Al Gore. Der Senator aus Connecticut gilt als wenig chancenreich. Auch deshalb, weil er als einziger Bewerber nach wie vor den Irakkrieg unterstützt. Der 61-jährige orthodoxe Jude wurde 1970 das erste Mal in den Senat von Connecticut gewählt. 1983 bis 1988 war er Justizminister und von 1971 bis 1981 Senator in Connecticut. Lieberman sprach sich 1989 für die Invasion von US-Truppen in Panama aus und unterstützte eine Resolution gegen den Irak 1990. Lieberman, in Iowa offiziell nicht präsent, gilt als Zentrist und als moralische Autorität, seit er als erster Spitzen-Demokrat Clinton wegen der Lewinsky-Affäre tadelte. Tsp

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