Zeitung Heute : Die Kunst der großen Meister

MAREN PETERS

Das Licht geht aus.Letztes Hüsteln.Schon hebt der Dirigent den Taktstock, fängt das Orchester zu spielen an.Hoch oben im Bühnenhimmel schwebt in goldenen Lettern der Titel des Stückes, das heute gegeben wird: "Große Dirigenten".Keine Frage, der Einstieg in die gleichnamige CD-ROM ist gelungen.Doch dann folgt sogleich Ernüchterung, Irritation: Jetzt, wohin? Keine Task-Leiste, kein Pfeil, der wegweisend wäre, Hilfestellung böte.Unruhe macht sich breit.

Die tut in diesem Fall gut, führt sie doch dazu, daß die Maus suchend über den Bildschirm gleitet und dabei, einem Scheinwerfer gleich, unerwartet die verschiedenen Sektionen des virtuellen Opernhauses beleuchtet.Mehr zufällig landet man so bei den vier Hauptmenus: Galerie, Orchester, Dirigent, Publikum.Anklicken führt zum Wunschziel.Ein offensichtlicher Weg zu der Programmübersicht ist nicht erkennbar.Da hilft nur der Blick ins Begleitheft, wo es heißt: Taste "S" drücken.Also der mühselige Weg über die Tastatur.Gleiches gilt für den Ausstieg ("Q") und die Hilfefunktion ("H").

Wenn der Konzertbesucher nicht so abhängig wäre von der "S"-Taste, die Umständlichkeit wäre vielleicht zu verschmerzen.Ist aber nicht so.Weil Links weitgehend fehlen, wird die Programmübersicht zum Dreh- und Angelpunkt der CD-ROM.

Dabei macht die CD-ROM von vielen Möglichkeiten, die das Medium bietet, durchaus Gebrauch: In dem Menu "Dirigent" kann der Konzertbesucher sich in Taktfiguren und Tempobezeichnungen einlesen, kann sich das "Adaggio" oder "Allegro" von einem Sprecher erklären lassen und auf Video-Clips berühmten Maestri bei der Probe zusehen.

Die Video-Aufnahmen sind zweifellos das Highlight der CD-ROM.Ein unschätzbares Archiv, leider oft zu gut in einer sehr schönen, stimmigen Optik versteckt.Der Ästhetik fiel die Funktionalität zum Opfer.Abgesehen von den Video-Clips sind auch Audio-Beiträge abrufbar; Musiker äußern sich hier etwa zum Verhältnis Orchester / Dirgent, ihre Chefs erläutern die Feinheiten ihrer Kunst.

Wer mehr über die Biographie eines Celebidache, Masur oder Ozawa erfahren möchte, kann auf das "Dirigentenlexikon" zurückgreifen, das mehr als 170 Kurzbiographien auflistet.Die CD-ROM "Die großen Dirigenten" (Hörzu-Software, 89 DM) ist ein ästhetisch anspruchsvolles, inhaltsreiches Angebot, das vor allem den musikalischen Laien durch eine gut verständliche, audiovisuell angereicherte Einführung in die Musik anspricht.In der Umsetzung bleiben indes viele Wünche offen.

Systemvoraussetzungen: Multimedia-PC ab 486er mit Windows ab Version 3.1 oder Macintosh: 68030 (besser: Power-PC), Sytem 7.1.

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