Zeitung Heute : Die Kunst ist mittendrin in der Stadt 300 Jahre gemeinsame Geschichte:

Wie die UdK Berlin das kulturelle Leben prägt.

Julia Hackober

Berlin und die Universität der Künste gehören zusammen. Der UdK-Rundgang beweist jedes Jahr eindrucksvoll, wie eng Universitäts-, Kultur- und Stadtleben in Berlin miteinander verbunden sind. Kultureinrichtungen wie das Studententheater UNI.T, die Konzertsäle, die designtransfer Galerie oder das Jazzinsitut haben einen gehörigen Anteil am kulturellen Leben Berlins. Einige UdK-Studierende und -Lehrende, die mit ihrer Kunst die Kultur in der Stadt mitgestalten, porträtieren wir in dieser Beilage: Juliane Grepling, bis zum Ende dieser Spielzeit Solo-Hornistin an der Komischen Oper Berlin, oder aber Felix Kießling, dessen Arbeiten in Marrakesch aber auch in Berlin zu sehen sind. Die Schauspiel-Studenten treten regelmäßig in der Box des Deutschen Theaters auf, und Michel Decars Stück „Jonas Jagow“ ist demnächst im Maxim Gorki Theater zu sehen.

Dass eine Universität so wirkungsvoll in eine Stadt hineinstrahlen kann, liegt natürlich an den Personen, die in ihr lehren und lernen, es muss aber auch mit viel gemeinsamer Geschichte zusammenhängen. Vor über 300 Jahren wurde die „Kurfürstliche Academie der Mahler-, Bildhauer- und Architecturkunst“ gegründet – damals im Alten Marstall Unter den Linden untergebracht. Als Ausbildungsstätte für bildende Künstler und Musiker zog sie Anfang des 20. Jahrhunderts in das noch weitgehend leere Gebiet zwischen den Städten Berlin und Charlottenburg, an ihren heutigen Standort.

Steht man heute am Ernst-Reuter-Platz, befindet man sich inmitten der Millionenstadt. Wo früher preußisches Brachland war, war bis ins 20. Jahrhundert eine Pferdebahn vorzufinden. Heute hetzen hier Studenten zu Seminaren und drehen Autos ihre Runden. „Campus Charlottenburg“ nennt sich das Universitätsgebiet zwischen Einsteinufer und Hardenbergstraße mit Gebäuden der UdK Berlin und der Technischen Universität.

Die historische Entwicklung der Stadt hat immer auch die Geschicke der Universität bestimmt. Der Archivar der UdK, Dietmar Schenk, kennt die Geschichten. „Der Ort für die Bildungseinrichtungen wurde mit Bedacht gewählt; er sollte etwas außerhalb der Stadt liegen, aber doch noch so zentrumsnah, dass die Universität eine repräsentative Funktion ausfüllen konnte“, erläutert Schenk. „Und so wurde dieses Areal zur Stelle, an der die Städte Berlin und Charlottenburg zusammen wuchsen.“

Erinnerungen an vergangene Zeiten kann man immer noch auf dem Campus entdecken. „Die heutigen UdK-Gebäude sind so verstreut, weil zur Musik- und zur Kunsthochschule im Laufe der Zeit noch andere künstlerische Ausbildungsstätten hinzukamen, zum Beispiel die Meisterschule für das Kunsthandwerk an der Straße des 17. Juni oder das Städtische Konservatorium in der Bundesallee“, erklärt Schenk. An einigen Ecken des Campus kann man erkennen, dass die Gebäude den Studenten etwas beibringen sollten. „Am Gebäude in der Hardenbergstraße sind Ornamente und Bodeneinlassungen in den Stilen verschiedener Epochen zu sehen; die waren als Anschauungsmaterial für Studenten gedacht.“ Andere Gebäude wurden schon gleich im passenden architektonischen Stil erbaut, das Institut für Kirchenmusik neben der TU-Mensa ist beispielsweise dem romanischen Stil nachempfunden.

Die Gebäude der UdK lassen auch die Geschichte der Stadt Berlin nachspüren. „Im Garten der Hardenbergstraße hat man nach dem Krieg zerbombte Mauern stehen lassen, als Mahnmal“, sagt Dietmar Schenk. Auch der Konzertsaal Ecke Fasanenstraße/Hardenbergstraße fiel den Bomben zum Opfer und wurde neu errichtet. „Nach dem Krieg war das der erste wieder bespielbare Musiksaal der Stadt, und die Philharmoniker waren hier beheimatet“, erzählt Schenk.

Blickt man heute auf die gemeinsame Geschichte einer Stadt und ihrer künstlerischen Hochschule zurück, ist es allerdings bedauerlich, dass sich der Campus Charlottenburg nicht zu einem wirklichen Studentenviertel entwickelt hat. Obgleich sich TU und UdK längst einander angenähert haben und Massen an jungen Leuten täglich im Kiez unterwegs sind, ist der Campus eher Arbeitsstätte als Lebensraum. Im Projekt „Campus Charlottenburg“ der UdK, der TU und des Bezirks arbeitet man intensiv daran, den Stadtteil attraktiver zu machen, nicht nur für die Studenten. Der Campus könnte dann ein neues, lebendiges Zentrum für den alten Westen Berlins sein.

Denn eine Trennung zwischen Universitätsleben und Lebenskultur widerspricht dem Wesen der UdK. Die Stadt wird mitgestaltet von Studierenden, Lehrenden und Absolventen der Universität. So hat die UdK berühmte und erfolgreiche Berliner hervorgebracht: die Schauspielerin Martina Gedeck, die Dramatikerin Dea Loher, der Bilderbuchautor Klaus Baumgart („Lauras Stern“), der Architekt Max Dudler, der das Jacob- und Wilhelm-Grimm-Zentrum der HU erbaut hat, oder der Sänger Max Raabe sind einige von ihnen.

Nicht nur die Bauhistorie, auch die kulturgeschichtliche Entwicklung Berlins hängen untrennbar mit ihren Bildungseinrichtungen zusammen. Die UdK wird deshalb auch in Zukunft von Charlottenburg aus den Charakter Berlins mitprägen.

Weitere Informationen zum Campus Charlottenburg: www.campus-charlottenburg.org

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