Zeitung Heute : Die Leihski stehen bereits vor den Türen

GÜNTER GENSICKE

Im Riesengebirge sind alle auf die Saison vorbereitet VON GÜNTER GENSICKE

Der erste Schnee ist gefallen.Nur wenige Zentimeter waren es im Krkonose (Riesengebirge), und sie blieben auch nicht lange liegen.Wenn jedoch die ersten Flocken unten sind, sagt die Frau vom Informationsdienst in Spindleruv Mlyn (Spindlermühle), dann stellen die Ausleiher die Bretter vor die Tür, und in den Skischulen steht man Stock bei Fuß.Die Lifts allerdings gehen erst in Betrieb, wenn alle Pisten sicher zu befahren sind - da muß es schon eine gute Weile vorher geschneit haben.1995 war das in Spindl bereits im November der Fall. Das Krkonose gilt als das schneesicherste Gebirge in Tschechien.Es ist freilich auch das höchste - die Snezka (Schneekoppe) mißt immerhin 1602 Meter, und die Hänge im Skisportzentrum Spindlermühle reichen bis hinauf auf 1300 Meter.Bergdienstchef Jiri Dunka, der für alle Gebirge des Landes verantwortlich ist und in Spindl sein Hauptquartier hat, sagt, die Pisten "gehören auch zu den am besten präparierten und stehen in dieser Hinsicht den in vergleichbaren westlichen Zentren in nichts nach." 25 Kilometer Abfahrten bietet der Ort, und das in allen Schwierigkeitsgraden.Auch mehrere "schwarze" Pisten sind darunter, bei weitem weniger jedoch als leichter zu meisternde "rote" und "blaue".Die längste Abfahrt, bei der man zwischen den Farben und Schwierigkeiten freizügig wechseln kann, mißt immerhin 3700 Meter.Dort kann man nahezu ohne Halt hinabschwingen und sich wieder bequem hinaufbefördern lassen - der neue Doppelmayer-Sessellift am 1250 Meter hohen Medvedin bewältigt pro Stunde bis zu 6000 Personen.Er hat noch einen ähnlich leistungsfähigen Verwandten im Skizentrum Svaty Petr und mehr als 20 kleine Brüder - Schlepplifts für Leute, die lieber im Stehen den Berg hinaufwollen, da sie nicht so gern im Winterwind über verschneiten Baumstubben hin und her pendeln. Und wer beides überhaupt nicht leiden mag, dem bieten sich Langlaufloipen, 70 Kilometer insgesamt um Spindl herum und dazu noch mindestens 120 Kilometer gekennzeichnete Skiwanderwege.Dort haben die Leute vom Bergdienst den Sommer über lange Stangen eingeschlagen, die auch in schneestärksten Wintern noch oben aus den Wehen herausschauen.An die soll man sich auch unbedingt halten, denn es ist aufgeforstet worden im Naturpark Riesengebirge und kaum etwas ist für die jungen Bäume abträglicher als die Stahlkanten der Ski."Vor allem aber sind die Stangen Wegweiser in Nebel und Schneesturm, die im Krkonose von einem Augenblick zum anderen über einen kommen können", sagt Dunka.Wer dann nicht mehr auf dem Wege ist und sich nicht auskennt, der muß mit dem Schlimmsten rechnen.In der vergangenen Saison hat es mehr als 1800 Unfälle im Gebirge gegeben, und für sechs Menschen kam jede Hilfe zu spät.Der Bergdienstchef warnt davor, die Mittelgebirge zu unterschätzen.Es gebe eiserne Regeln, die nur potentielle Selbstmörder außer acht ließen: mindestens zu dritt auf Skitour gehen, sich vorab über die Wetterlage informieren, in der Herberge Weg und Ziel angeben und sich daran halten. Unterkunft bucht man am besten über ein Reisebüro.Wer sich kurzfristig entschließt, sollte das nicht über Weihnachten oder Silvester tun.Da ist Spindl ausgebucht.Zu anderen Zeiten kann man es vor Ort versuchen.Die Leute vom Informationsdienst (Telefon: 0042/438/93656) behaupten, einige der insgesamt 10.000 Betten stünden immer leer.Sicherer ist es natürlich, man ruft vorher zumindest an.Oder man orientiert sich auf einen Ort im Riesengebirgsvorland, von dem aus das Skigebiet leicht zu erreichen ist.Parkplätze sind in Spindlermühle ausreichend vorhanden.Wildes Parken kann verhängnisvoll sein - man behindert die Schneeräumer, die Rettungswagen, die Müllabfuhr, und wird mit einiger Sicherheit selbst abgefahren.

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