Zeitung Heute : Die Lücken des „Wunschzettels“

Wie man Stellenanzeigen richtig liest und was Guerilla-Taktik heißt

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Für die einen ist die Stellenanzeige der längste Wunschzettel der Welt, für die anderen ein unverständliches Gewirr aus Soll, Muss- und Kann-Anforderungen. Christine Demmer, Professional Coach aus Wiesbaden, empfiehlt Veränderungswilligen: „Bewerben Sie sich nur auf Anzeigen, die klar zeigen, dass Sie, die angebotene Stelle und das suchende Unternehmen zusammengehören wie Klebstoff, Album und Foto. Oder, wenn Sie so wollen, wie Sex and Crime und Bild-Zeitung.“ Die Übereinstimmungen aus einer Anzeige herauszulesen, ist freilich nicht leicht. Die Autorin von „Stellenanzeigen richtig verstehen“ (Eichborn, Frankfurt 2002, 14 Euro 90) gibt daher den Tipp: „Lesen Sie die Offerte mal mit den Augen des Personalchefs und stellen sich vor, wie Ihr Idealkandidat beschaffen sein müsste, um alle anderen Bewerber – außer Ihnen – aus dem Rennen zu schlagen“.

Für Patricia Poljancewicz (26), PR-Beraterin bei der Hamburger fhp Agentur für Kommunikation, hat sich dieses Vorgehen als richtig erwiesen. Sie erinnert sich: „Mein Interesse, mich bei dieser PR-Agentur zu bewerben, entstand nicht durch die Originalität der Anzeige. Die Kunden und die Bereiche, in der die Agentur tätig ist, haben mich neugierig gemacht.“ Auch Poljancewicz rät, „nicht nur auf die Ausgefallenheit der Anzeige zu achten. Hinter manch origineller Anzeige verbergen sich konventionelle Arbeitgeber.“

Überraschungen lassen sich vermeiden, indem man selbst in die Initiative geht. Etwa mit einer unaufgeforderten (Initiativ-)Bewerbung, einem Messebesuch oder der Teilnahme an Veranstaltungen von Branchenverbänden. Insider bezeichnen solches Vorgehen als Guerilla-Taktik. Susanne und Kai Riedel haben in „Guerilla Bewerbung. Der etwas andere Weg des Berufseinstiegs“ (Campus Verlag, Frankfurt 1990, 15 Euro 90) zahlreiche Varianten beschrieben. Bewerbercoach John Webb schickt seine Kursteilnehmer (Infos unter www.learn-line.nrw.de/angebote/lwp ) direkt in die Betriebe, denn: „Jedes Unternehmen hat seine stillen Job-Reserven. An die muss man heran.“ Gar nicht so schlecht sind auch die Tipps der Bundesanstalt für Arbeit unter www.arbeitsamt.de/hst/index.html . rch

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