Zeitung Heute : Die Magie der Hamamelis

Zaubernuss, Schneeball und Winterjasmin blühen bei niedrigen Temperaturen so richtig auf.

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Die Lichtmess-Zaubernuss (Hamamelis mollis) blüht ab Januar. Foto: Tassilo Wengel
Die Lichtmess-Zaubernuss (Hamamelis mollis) blüht ab Januar. Foto: Tassilo Wengel

Kirschbäume stehen in schönster Blüte und Krokusse bahnen sich ihren Weg ans Licht: Der Winter führt uns bisher an der Nase herum. Normalerweise regen sich um diese Jahreszeit, wenn niedrige Temperaturen und Schnee der Natur eine Ruhepause verordnen, kaum Blüten. Doch einige Pflanzen trotzen auch frostigen Verhältnissen. Dazu gehören etwa die Zaubernüsse (Hamamelis), die selbst bei Minusgraden und Schnee ihre bizarren Blüten öffnen. Sollte der Januar also doch noch sein wahres Gesicht zeigen, können wir uns zumindest an diesen Winterblühern weiter erfreuen.

Zur Gattung der Zaubernüsse gehören fünf Arten, von denen drei aus Nordamerika und zwei aus Ostasien stammen. Alle Arten sind sommergrüne, strauchförmige Gehölze, manchmal auch kleine Bäume, deren Blätter Ähnlichkeit mit denen der Haselnuss haben. Aus der frischgrünen Sommerfarbe der Blätter entwickeln sich zum Herbst hin allmählich ein leuchtendes Goldgelb oder intensive Rottöne, weshalb die Zaubernuss auch im Reigen der Ziergehölze mit schöner Herbstfärbung einen wichtigen Platz einnimmt.

Bedeutung für die Gärten haben die Japanische Zaubernuss (Hamamelis japonica) mit gelben Blütenblättern und rötlichbraunem Kelch sowie die Lichtmess-Zaubernuss (Hamamelis mollis) aus China. Sie ist die großblütigste aller Arten und entfaltet ab Januar ihre leuchtend gelben, rosenartig duftenden Blüten. Aus diesen beiden Arten entstanden zahlreiche wertvolle Sorten, die inzwischen die Wildarten in den Gärten etwas verdrängt haben, weil sie schöner und reicher blühen.

Sie alle werden unter dem Sammelbegriff Hamamelis x intermedia zusammengefasst und zeichnen sich durch besonders große Blüten mit reicher Farbenpalette aus. Empfehlenswert sind zum Beispiel ‘Arnold Promise’ (hellgelb, März), ‘Diane’ (rot, intensiv duftend, Ende Februar bis März), ‘Orange Beauty’ (goldgelb, Februar bis März) und ‘Primavera’ (hellgelb, Blüten an der Basis purpurrot getönt, Januar bis Februar).

Auch unter den Schneebällen gibt es reizvolle Winterblüher. Aus dem Norden Chinas stammt der Chinesische Duft-Schneeball (Viburnum farreri), der zwei bis drei Meter hoch wird und straff aufrecht wächst. Er öffnet seine stark duftenden Blüten schon im November. Bei milder Witterung zeigen sie sich bis in den April an den Enden kurzer Triebe. Im Frühjahr erscheinen die länglichen, bis sieben Zentimeter langen Blätter, die sich im Herbst ziegelrot oder purpurn färben.

Durch Kreuzung dieser Art mit Viburnum grandiflorum entstand 1933 im berühmten Bodnant-Garten im englischen Wales der Bodnant-Schneeball (Viburnum x bodnantense). Dieser zwei bis drei Meter hohe Strauch entfaltet auch im Winter von November bis zum März seine stark duftenden Blüten, die nur bei strengem Frost eine Pause einlegen. Als Knospe tiefrosa gefärbt, blühen sie weißlich rosa auf und schmücken büschelweise die Enden kurzer Triebe.

Schließlich schmückt sich auch der Echte Jasmin (Jasminum nudiflorum) in den Wintertagen mit Blüten. Die Pflanze stammt aus dem Norden Chinas und gehört zu den wertvollsten Kletterpflanzen überhaupt. An Spalieren gezogen, kann sie drei Meter hoch werden und in wenigen Jahren mit ihren rutenförmigen Zweigen große Flächen bedecken. An milden Wintertagen öffnen sich die ersten goldgelben Blüten schon im Dezember und erscheinen bis Ende März in unablässiger Folge.

Damit sich die Pflanzen optimal entwickeln, benötigen sie sonnige bis halbschattige Lagen. Da sie einen tiefgründigen, frischen und humosen Boden mit schwach saurem pH-Wert lieben, muss man den Boden notfalls mit Torfmull oder Lauberde verbessern. Für die optimale Bodenfeuchte können als Unterpflanzung die verschiedensten Schatten liebenden Stauden sorgen, aber auch Bodendecker wie Efeu (Hedera helix) oder Spalier-Zwergmispel (Cotoneaster adpressus ‘Little Gem’).

Ein Rückschnitt ist bei Zaubernüssen und Schneebällen nicht sinnvoll. Lediglich in der Jugend könnte das Einkürzen einjähriger Triebe nötig sein, um eine bessere Verzweigung zu erreichen. Dagegen ist beim Winterjasmin ein Schnitt angebracht, wenn er zu üppig wächst. Im Frühjahr zeigen sich gelegentlich abgestorbene Zweigpartien, die dann auch zu entfernen sind. Tassilo Wengel

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