Zeitung Heute : Die Medienintegration kommt voran

KURT SAGATZ

Wer surft, kann nicht fernsehen.Das ist inzwischen sogar wissenschaftlich belegt.Von den Heavy-Surfern schaltet jeder sechste seinen Fernseher signifikant seltener ein als früher, fand forsa im Auftrag von "Online Today" heraus.Hauptsächliche Ursache, so ist zu vermuten, ist die räumliche Trennung des TV-Genusses im Wohnzimmer von den Surfaktivitäten am PC im Arbeitszimmer.Damit könnte allerdings bald Schluß sein, denn immer mehr Gerätehersteller wollen das klassische TV-System um Internet und Multimedia erweitern.

Ernst mit der Integration der verschiedenen Medien machen jetzt auch die Schneider Rundfunkwerke in Türkheim.Im Oktober, passend zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft, kommt die Schneider Surfstation in den Handel, kündigte Schneider-Bereichsleiter New Business, Joachim Kleine, gegenüber dem Tagesspiegel an.In der Surfstation, die von ihrer Optik an einen Videorecorder oder einen DVD-Player erinnert, werkelt ein ausgewachsener Computer, dessen Hardwarliste kaum Unterschiede zu einem handelsüblichen PC aufweist.Derzeit wird die Surfstation mit einem Cyrix-Chip mit 233 Megahertz, 32 Megabyte Arbeitsspeicher, zwei Gigabyte Festplatte, 24fachem CD-ROM, vier Megabyte Grafikkarte und eingebauten Modem ausgerüstet.Als Monitor dient der Fernsehapparat.Als Betriebssystem läuft für den Nutzer zumeist unsichtbar Windows 95 im Hintergrund.

Obwohl die technischen Eigenschaften durchaus up-to-date sind, wollte Schneider-Mann Kleine sie nur ungerne nennen.Der Grund: Mit der Surfstation soll nicht der Computerfreak, sondern der normale Fernsehbürger angesprochen werden, der neben dem Fernsehkonsum auch einmal eine E-Mail verschicken, im Netz surfen, Online-Banking betreiben oder ein Computergame spielen will.Schneider will diese Gruppe nicht mit technischen Details verunsichern.

Dieses Konzept hat durchaus Erfolgsaussichten.Denn für einem Preis von unter 1000 DM - als Bundle mit einem Vertrag bei einem Internet-Provider - erhält der Käufer ein Gerät, das die verschiedenen Computerdienste ohne faule Kompromisse ermöglicht.Bei einem der Provider handelt es sich um Talkline.Dort kostet die Internet-Minute derzeit 12 Pfennig.Großartige Computerkenntnisse werden überdies für die Surfstation nicht verlangt.An die Stelle von Programm-Icons wurde eine Navigationsoberfläche in Form eines Zimmers gestellt, in dem sich bekannte Dinge wie beispielsweise Aktenordner, Telefon, Fax oder Ein- und Ausgangskörbe befinden, die die Computerfunktionen symbolisieren.Auch das Surfen im Internet wurde vereinfacht.Optische Elemente ersetzen hier ebenfalls kryptische Befehlsfolgen.Auf speziellen Einstiegsseiten beispielsweise zum Homeshopping befinden sich Signets der bekannten Firmen.Derzeit umfaßt das redaktionelle Startseiten-Angebot von Schneider 350 Einträge, die sukzessive erweitert werden.Der angepeilten Zielgruppe entsprechend überwiegen Freizeit-Themen.Denn auch mit Internet-Zugang über den Fernseher soll das Wohnzimmer der Freizeit vorbehalten bleiben.

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