Zeitung Heute : Die Nazis und der Hanf

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Die berauschende Wirkung des Cannabis blieb den Nazis nicht verborgen. Gleich nach der Machtergreifung wurde in Deutschland 1933 das Opiumgesetz überarbeitet, „Indischer Hanf“ mit seinem hohen Gehalt an THC, dem psychoaktiven, Tetrahydrocannabinol, verboten. Doch als „nationaler Rohstoff“ genoss der Hanfanbau künftig besondere Wertschätzung. Das Gewächs sollte Großes leisten: „Fasern für die Textilindustrie, Öl für die Fettwirtschaft und Hanfkuchen für die Futtermittelwirtschaft“ hieß es 1936 in einem Bericht des Landwirtschaftsministeriums. Zu diesem Zweck galt Hanf als die einzige „anbauwürdige Kulturpflanze". Die deutsche Uniform, sie sollte aus versponnenem Hanf gefertigt werden. Für Bauern gab man „Die lustige Hanffibel“ heraus, einen Comic im Wilhelm-Busch-Stil, der „Zweifelsfragen des Anbaus“ lösen sollte. Die Nutzfläche wurde von 3600 Hektar im Jahr 1933 bis 1945 auf 40000 Hektar ausgedehnt. Die Deutschen waren aber nicht die einzigen, die den Hanf für sich entdeckten: Auch in den USA war 1937 der „Marijuana Tax Act“ in Kraft getreten, der Hanfanbau untersagte. Doch als die Japaner die Sisalfelder Ostasiens eroberten, setzten die Amerikaner auf Hanf.

Nach dem Krieg war der Boom rasch wieder vorbei. Kunstfasern waren billiger, Baumwolle leichter zu verarbeiten. Bis die EU den Hanf als nachwachsenden Rohstoff neu entdeckte. Brüssel gewährte 1996 sogar eine „Verarbeitungshilfe“ für EU-Bauern, die Hanflobby sagte der Faser eine große Zukunft voraus, von der Hose bis zum Waschmittel, alles lasse sich im Prinzip aus Hanf fertigen. Tatsächlich folgte der Renaissance die tiefe Krise, als Brüssel seine Beihilfe wieder kassierte. Allein in Brandenburg schrumpfte die Anbaufläche von fast 800 auf 400 Hektar im Jahr. lat

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