Zeitung Heute : Die „Netzeitung“ will es nun wissen
Wer im Internet News verkaufen will, muss sich anstrengen. Geld bezahlen, dazu sind die Nutzer nur bereit, wenn sie dafür entweder exklusive Inhalte oder einen anderen Mehrwert – besser noch beides – erhalten. Das Service-Paket, dass die nur im Internet erscheinende „Netzeitung“ jetzt geschnürt hat, enthält darum auch ein ganzes Bündel an Diensten. Für eine monatliche Abogebühr von fünf Euro wird dem Leser unter anderem ein Newsletter angeboten, der – je nach Wunsch – entweder im typischen Zeitungslayout oder als Textversion zugesandt wird. Mit zum Paket gehören ferner die nach den persönlichen Interessen zusammengestellte werbefreie Version der „Netzeitung“ sowie die Eilmeldungen, die auch als Gratis-SMS verschickt werden, wie Chefredakteuer Michael Maier erklärt.
Einen Teil dieser Dienste bietet die „Netzeitung“ bereits heute an. Rund 20 000 Nutzer machen von MyNZ, der personalisierten Internet-Zeitung, Gebrauch oder lassen sich den Newsletter zusenden. Wenn nach der Umwandlung der kostenlosen Inhalte in Bezahlfunktionen nur jeder zwanzigste Nutzer bereit ist, die Abo-Gebühren zu bezahlen, wäre das laut Maier bereits ein großer Erfolg, über den man sich „sehr freuen würde“.
Der Großteil der Internet-Nutzer macht bekanntlich um Bezahlinhalte einen großen Bogen. Dies erfuhr auch Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur von „Spiegel Online“. Seit Anfang Februar werden Teile des gedruckten „Spiegel“ bereits am Wochenende gegen Bezahlung im Internet angeboten. Die Titelgeschichte kostet 85 Cent, andere Heftbeiträge werden mit 40 Cent abgerechnet. Nach der Einführungsphase, in der die Beiträge zurückerstattet wurden, begann im März der Regelbetrieb dieses Angebots. Mit dem Ergebnis, dass jeder Beitrag im Durchschnitt rund 500 Mal abgerufen wird - bei einer Gesamtzahl von 400 000 täglichen Lesern. Damit liegen die Hamburger am unteren Ende ihrer Erwartungen. Auch wenn sich Blumencron über jeden Euro extra freut, ist man sich bei „Spiegel Online“ dennoch sicher, dass Bezahlinhalte auch künftig nur in einem engen Rahmen angeboten werden. Das Kernangebot müsse hingegen kostenlos bleiben, um die für die Werbeeinnahmen notwendigen Reichweiten nicht zu gefährden.
Gleichwohl werden auch die Nutzer von „Spiegel Online“ künftig häufiger zur Kasse gebeten. Im Archiv bleiben künftig nur noch die Beiträge kostenfrei, die nicht älter als drei Monate sind. Alle anderen Beiträge sowie die gespeicherten Titel- und Sonderbeiträge des gedruckten Heftes, für die schon jetzt Geld verlangt wird, werden dann nur noch gegen Bezahlung angeboten, so Blumencron.Kurt Sagatz






