Zeitung Heute : Die Oberschenkel der Wale

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Dass es keine Walfische, sondern nur Wale gibt, die zu den Säugetieren gehören, wissen noch immer längst nicht alle Menschen. Schon gar nicht ist überall bekannt, dass Wale Reste eines knöchernen Beckens aufweisen – für die Mehrzahl der Wissenschaftler ein wichtiger Beleg dafür, dass Charles Darwin mit seiner Abstammungslehre Recht hatte. Der Bartenwal verfügt sogar über Rudimente von Oberschenkelknochen, die sich über Jahrmillionen aus tragfähigen Beinen zurückgebildet haben. Für den Mainzer Biologen Winfried Henke sind solche Überbleibsel ehemals voll ausgebildeter Knochen ein Beweis dafür, dass die Vorläufer heutiger Wale „als ehemalige Landraubtiere zurück ins Wasser gegangen sind“ und zwar auf Beinen, die ein Becken erzwangen. Walrosse und Seelöwen weisen übrigens Nägel an den Flossen auf, die belegen, dass auch diese Meerestiere ehemals Landbewohner waren.

Bei manchen Fliegen haben sich die Flügel zurückgebildet oder fehlen völlig. Auch bei Läusen, Flöhen und Bettwanzen meinte die Natur, auf voll ausgebildete Flugwerkzeuge verzichten zu können. Unter dem Federkleid verborgen hält der flugunfähige Kiwi, ein Vogel in Neuseeland, seine Stummelflügel.

Verräterisch in Sachen Evolution sind auch die beiden Griffelbeine des Pferdebeines, Rudimente von ehemals ausgebildeten Mittelhandknochen. Heute besitzt jedes Pferdebein nur noch einen davon - und zwar dort, wo Laien einen Unterschenkel erkennen wollen. Ein Huf hingegen ist nichts anderes als die Spitze einer Mittelzehe, so dass Pferde in Wahrheit auf vier Zehenspitzen laufen.

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