Zeitung Heute : Die Pädagogik der Zukunft

ULRIKE ASSMANN

Pilotprojekt "comenius" vernetzt fünf Berliner SchulenVON ULRIKE ASSMANN

"Alles fließe von selbst.Zwang sei ferne den Dingen." Johann Amos Comenius (1592 - 1670) wird wohl kaum den Datenhighway im Sinn gehabt haben, als er diesen pädagogischen Leitsatz formulierte.Dennoch ist sein Name als Patron für das medienpädagogische Projekt "Computer in der Schule" klug gewählt, denn der Datenfluß ist Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Umgang mit den neuen Medien.Und welchen Schüler muß man heute zwingen, sich an einen Computer zu setzen und multimedial zu arbeiten? "Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, sich Informationen zu beschaffen, sie zu analysieren und kreativ weiterzubearbeiten",erläutert Anton Hünseler, Pressesprecher der DeTeBerkom, das Konzept."Die Kinder sollen die neue Multimediawelt hinterfragen, um einem unreflektierten Umgang vorzubeugen.Das ist auch eine Herausforderung für die Schule," beschreibt er den medienpädagogischen Ansatz, der sich hinter dem Projekt verbirgt: "Die Neuen Medien müssen auch unter pädagogischen Aspekten beobachtet werden."
Die Benutzeroberfläche orientiert sich in erster Linie an den jüngeren Nutzern, "an der Nintendo-Generation", wie es Hünseler formuliert.Das Ponton European Media Art Lab, ein privates Forschungsinstitut, in dem Künstler, Wissenschaftler und Techniker gemeinsam an der interaktiven Welt von morgen basteln, hat einen dreidimensionalen Kommunikationsraum geschaffen, in denen einfache Symbole die verschiedenen Bereiche von "comenius" repräsentieren.
Spielerisch und intuitiv kann jeder diese elektronische Welt für sich erschließen.Neben einem Konferenzhaus, in dem Multimediakonferenzen stattfinden, gibt es ein Gemeinschaftshaus, in dem Lehrer, Eltern und Schüler sich treffen können.Das Projekthaus beherbergt das DisNet (Discoursive Networking), einen öffentlichen Raum in "comenius", in dem Schüler und Lehrer der verschiedenen Schulen miteinander Projekte erarbeiten können.Auch dieses System funktioniert dreidimensional und soll den kommunikativen Lernprozeß verdeutlichen.Innerhalb eines bestimmten Projektthemas können so Argumente, Widersprüche, Zustimmungen und neue Aspekte mit grafischen Symbolen dargestellt werden: Wuchtige Quadrate stehen für die einzelnen Beiträge, zum Beispiel Texte oder Filmausschnitte, Pfeile zwischen den einzelnen Blöcken signalisieren Einspruch oder neue Aspekte.So entwickelt sich mit der Zeit ein strukturiertes Netz zu einem bestimmten Thema.Schüler und Lehrer als Partner, so schwebt Hünseler die "Pädagogik der Zukunft" vor, und "comenius" ist ein erster Schritt dahin.

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